Der traurige Weg des Lot
und was wir von ihm lernen können

 

 

Die Prüfung des Überflusses: Abraham und Lot trennen sich

 

Nach der Prüfung des Mangels kommt eine ganz andere Prüfung auf die beiden ungleichen Brüder zu, die vielleicht schwerer zu bestehen ist – die Prüfung des Überflusses (1Mo 13,5-13):

Aber auch Lot, der mit Abram ging, hatte Schafe, Rinder und Zelte. Und das Land ertrug es nicht, daß sie beieinander wohnten; denn ihre Habe war groß, und sie konnten nicht beieinander bleiben. Und es entstand Streit zwischen den Hirten über Abrams Vieh und den Hirten über Lots Vieh; auch wohnten zu der Zeit die Kanaaniter und Pheresiter im Land. Da sprach Abram zu Lot: Es soll doch nicht Streit sein zwischen mir und dir, zwischen meinen Hirten und deinen Hirten! Denn wir sind Brüder. Steht dir nicht das ganze Land offen? Trenne dich von mir! Willst du zur Linken, so gehe ich zur Rechten; und willst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken!


Da hob Lot seine Augen auf und sah die ganze Jordanaue; denn sie war überall bewässert, wie der Garten des HERRN, wie das Land Ägypten, bis nach Zoar hinab, bevor der HERR Sodom und Gomorra zerstörte. Darum erwählte sich Lot die ganze Jordanaue und zog gegen Osten. So trennte sich ein Bruder von dem anderen. Abram wohnte im Land Kanaan, und Lot wohnte in den Städten der Aue, und er schlug sein Zelt auf bis nach Sodom hin. Aber die Leute von Sodom waren sehr böse und sündigten schlimm gegen den HERRN.

Abraham und Lot, die beiden Brüder (das Hebräische benennt verschiedene Verwandtschaftsbeziehungen so), kamen nun in Schwierigkeiten, weil sie in Ägypten so reich geworden waren. Sie hatten beide große Herden, und der Weideplatz reichte nicht für diese großen Herden aus. Für die beiden Fremdlinge war das ein besonderes Problem, weil ihnen ja viel Weideland, das zu bestimmten Städten der Kanaaniter gehörte, ohnehin nicht offenstand. So kam es zum Streit, zumindest unter den Hirten der beiden Brüder.

Diese Situation war die nächste Glaubensprüfung, und zwar für beide. Abraham als der Ältere und Vornehmere hätte jetzt sagen können: Ich habe ja die erste Wahl; ich muß gewiß den Vorrang haben! Aber er handelt als ein Mann Gottes, dem der Frieden mit seinem Glaubensbruder wichtiger ist als der maximale Vorteil. So schlägt er Lot eine friedliche Lösung des Konfliktes vor, eine einvernehmliche Trennung der Brüder, die doch bisher den Weg gemeinsam gegangen waren. Dabei verzichtet er bewußt darauf, sich sein Teil vorab zu sichern; er läßt dem jüngeren und geringeren Lot die Wahl, wo er sein künftiges Teil suchen würde.

Wie ist es denn mit uns, wenn wir in solchen Interessenkonflikten stehen? Sind wir auch bereit, dem Bruder in Christus, dem Verwandten lieber das bessere Teil und den Vorzug zu gönnen, statt Streit anzuzetteln? Lassen wir uns lieber selbst übervorteilen, als andere zu übervorteilen? Ist uns der Frieden mit dem Bruder wichtiger als das Eigeninteresse? Ach, daß es doch in Wahrheit so sein möge, wie Paulus in Phil 2,3-4 schreibt: „Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern jeder auf das des anderen!“

 

 

Lot erwählt sich die Ebene von Sodom

 

Nun kommt für den jüngeren Lot, der bisher immer im Schatten seines älteren Verwandten gestanden ist, die Stunde der Prüfung und der Entscheidung. Sein Glaube trat bisher gar nicht recht in Erscheinung; er war wohl eher ein Mitläufer, unauffällig und zurückhaltend; sein Glaubensleben war tatsächlich, wie sein Name sagt, undurchsichtig, verhüllt, unklar.

Wir finden auch in der Gemeinde Gottes solche undurchsichtigen Mitläufer – Menschen, die nicht gottlos oder offen sündig sind, die schon die Wege der Gerechtigkeit und des Glaubens mitgehen, aber nicht von ganzem Herzen, aus eigenstem Antrieb und Verlangen. Sie sind zwiespältigen Herzens; das Leben aus Gott äußert sich in ihnen nicht ungebrochen und frei heraus; es ist wie verhüllt von ihrem fleischlichen Eigenwesen.

Nun kommt ans Licht, was in Lots Herzen verborgen gewohnt hat. Abraham und Lot befanden sich wahrscheinlich bei Bethel auf dem judäischen Bergland und blickten über das Land hin, in dem sie nun schon manches Jahr umhergezogen waren. Lot schaute nun herab auf die Jordanaue, d.h. das Tiefland des Jordantales, das viel Wasser hatte und deshalb besonders üppigen Pflanzenwuchs aufwies. Dort lagen die Städte Sodom und Gomorra, berüchtigt für ihre dreiste Sünde und Gottlosigkeit. Aber dort winkte auch vermehrter Reichtum und Erfolg.

Vers 12 deutet an, daß damals Sodom und Gomorra gar nicht im Land der Verheißung selbst lagen; diese verdorbenen Städte gehörten nicht zu dem Teil, das Gott ihnen zugewiesen hatte; zumindest lagen sie an dessen Grenze und gingen schon ins Feindesland über.

So steigt Lot von der Höhe des Glaubensweges herunter, verläßt die Gegend, wo die Altäre der Anbetung standen, und begibt sich in die Niederungen der weltlichen Jagd nach Reichtum und äußerlicher Lebenserfüllung. Damit verläßt er auch den Menschen, der ihm bisher auf dem Glaubensweg ein Führer und Vorbild gewesen war. Er geht nun seinen eigenen Weg, und das ist ein Weg gefährlicher Kompromisse, die Gott nicht wohlgefallen konnten.

Wie steht es da mit uns? Sind wir nicht auch ständig in Gefahr, den Verlockungen der Welt nach Wohlergehen und Erfolg, Reichtum und selbstsüchtiger Bedürfnisbefriedigung nachzugeben und auf unserem Glaubensweg Kompromisse zu machen? Wir haben dabei eine viel höhere Offenbarung von Gott und dem Herrn Jesus Christus; wir haben eine höhere Berufung als Lot, und wir haben viel mehr Licht über den wahren Charakter dieses trügerischen Systems, das die Bibel „die Welt“ nennt, und vor dem sie uns eindringlich warnt:

Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt lieb hat, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm. Denn alles, was in der Welt ist, die Fleischeslust, die Augenlust und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit. (1Joh 2,15-17)

Ihr Ehebrecher und Ehebrecherinnen, wißt ihr nicht, daß die Freundschaft mit der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer also ein Freund der Welt sein will, der macht sich zum Feind Gottes! (Jak 4,4)

Abraham dagegen besteht diese Prüfung; er bleibt auf den Berghöhen, wo er seine Altäre gebaut hat; er bleibt der rechtlose Fremdling, der keinen Anteil mit den gottlosen Heidenvölkern des Landes hat. Er durchzieht weiter das Land der Verheißung und bleibt auf dem lauteren Weg des Glaubens. Deshalb offenbart sich der HERR ihm neu und gibt ihm eine erweiterte und vertiefte Verheißung in bezug auf das Land und auf die Größe seiner Nachkommenschaft:

Der HERR aber sprach zu Abram, nachdem sich Lot von ihm getrennt hatte: Hebe doch deine Augen auf und schaue von dem Ort, wo du wohnst, nach Norden, Süden, Osten und Westen! Denn das ganze Land, das du siehst, will ich dir und deinem Samen geben auf ewig. Und ich will deinen Samen machen wie den Staub auf der Erde; wenn ein Mensch den Staub auf der Erde zählen kann, so soll man auch deinen Samen zählen können. Mach dich auf, durchziehe das Land seiner Länge und Breite nach! Denn dir will ich es geben. Da brach Abram auf, kam und wohnte bei den Terebinthen Mamres in Hebron und baute dort dem HERRN einen Altar. (1Mo 13,14-18)

Abram erfreut sich der innigen und ungetrübten Gemeinschaft mit dem Herrn, weil er keine falschen Kompromisse eingegangen ist. Er wohnt bei den Terebinthen Mamres (bed. „Stärke“) in Hebron (bed. „Gemeinschaft“). Er baut dort dem HERRN einen Altar. Wir lesen nichts davon, daß Lot je dem HERRN einen Altar gebaut hätte. Man kann das auch nicht, wenn man sich in der Ebene Sodoms niedergelassen hat!

(…)

 

Das Gericht über Sodom und das Scheitern Lots

 

In Sodom sind keine zehn Gerechten mehr gefunden worden. Die Menschen waren so böse und verderbt, daß der heilige Gott Sein Zorngericht nicht mehr zurückhält. Es ist ein exemplarisches Gericht, eine ernste Warnung an die zukünftigen Gottlosen (2Pt 2,7; Jud 7), eine Vorschattung der künftigen Zorngerichte beim großen Gerichtstag des HERRN, wenn Er vom Himmel her Zorngerichte über die Gottlosen niederregnen läßt, wie es der 2. Thessalonicherbrief und das Buch der Offenbarung so eindringlich bezeugen.

Das Zorngericht Gottes über Sodom wurde zu einer ernsten Prüfung für den Wahlbürger Sodoms, den gerechten Lot, den untreuen, weltförmigen Gläubigen, der immer noch in Sodom wohnte und nun Gefahr lief, durch das Gericht über die Gottlosen mit verschlungen zu werden.

Lot wurde durch seine weltlichen Begierden nach Sodom geführt; aber er konnte das Leben in Sodom nicht sorgenfrei genießen. Er war ja ein echter Gläubiger, ein Gerechter, und so bereitete der Aufenthalt unter diesen perversen Sündern ihm immer wieder Not und innere Qualen, von denen uns in 2Pt 2,7-8 berichtet wird:

(…) während er den gerechten Lot herausrettete, der durch den zügellosen Lebenswandel der Frevler geplagt worden war (denn dadurch, daß er es mit ansehen und mit anhören mußte, quälte der Gerechte, der unter ihnen wohnte, Tag für Tag seine gerechte Seele mit ihren gesetzlosen Werken).

 
 

Der Besuch der Engel und Lots Unglaubwürdigkeit

 

Trotz aller dieser Qualen fand Lot nicht die Kraft, sich rechtzeitig aus Sodom abzusondern und den aufrichtigen Glaubensweg neu zu betreten. Nun schlug für ihn die Stunde der Wahrheit, in der sein ganzes Lebensgebäude zusammenbrechen sollte.

Und die zwei Engel kamen am Abend nach Sodom. Lot aber saß in Sodom unter dem Tor; und als er sie sah, stand er auf, ging ihnen entgegen und verneigte sich, das Angesicht zur Erde gewandt, und sprach: Siehe, meine Herren! Kehrt ein in das Haus eures Knechtes und bleibt über Nacht und wascht eure Füße; so mögt ihr am Morgen früh aufstehen und euren Weg ziehen! Sie aber sprachen: Nein, sondern wir wollen im Freien übernachten! Er aber drang sehr in sie. Da kehrten sie bei ihm ein und kamen in sein Haus. Und er bereitete ihnen ein Mahl und machte ungesäuerte Brotfladen; und sie aßen.


Aber ehe sie sich hinlegten, umringten die Männer der Stadt das Haus, die Männer von Sodom, jung und alt, das ganze Volk aus allen Enden, und riefen Lot und sprachen zu ihm: Wo sind die Männer, die diese Nacht zu dir gekommen sind? Bring sie heraus zu uns, damit wir uns über sie hermachen! Da ging Lot zu ihnen hinaus an den Eingang und schloß die Tür hinter sich zu. Und sprach: Ach, meine Brüder, versündigt euch doch nicht! Siehe, ich habe zwei Töchter, die haben noch keinen Mann erkannt; die will ich zu euch hinausführen, damit ihr mit ihnen tut, wie es gut ist in euren Augen; nur diesen Männern tut nichts, denn sie sind doch unter den Schatten meines Daches gekommen!

Sie aber sprachen: Mach, daß du fortkommst! Und sie sagten: Der ist der einzige Fremdling hier und will den Richter spielen! Nun wollen wirs mit dir noch schlimmer treiben als mit ihnen! Und sie drangen heftig auf den Mann Lot ein und machten sich daran, die Tür aufzubrechen. Da streckten die Männer ihre Hände hinaus und zogen Lot zu sich hinein und schlossen die Tür zu. Und sie schlugen die Männer vor der Haustür mit Blindheit, klein und groß, so daß sie müde wurden, die Tür zu suchen.

Lot trifft die zwei Fremden, die Sodom besuchen, und will sie zu sich ins Haus einladen. Doch die heiligen Engel Gottes weigern sich zunächst, die Gastfreundschaft dieses zwiespältigen Gläubigen anzunehmen und in sein von Sodoms vergifteter Luft durchwehtes Haus einzukehren. Lot muß sie dazu nötigen; er ahnt wahrscheinlich schon, was ihnen widerfahren würde, wenn sie wirklich im Freien übernachteten.

Wie ist die geistliche Atmosphäre in unseren Häusern? Würden heilige Engel Gottes gerne bei uns einkehren, weil in unserem Haus Reinheit, Heiligkeit, Frieden und Liebe anzutreffen ist? Oder müßten die Engel Gottes auch bei uns erst zögern, bevor wir sie beherbergen könnten (vgl. Hebr 13,2)?

Doch seine Schutzmaßnahme ist vergeblich; die perverse Bosheit Sodoms holt ihn ein, und er, der vielleicht gemeint hatte, in Sodom noch etwas bessern zu können, kommt um ein Haar in den Ausschreitungen des Pöbels um. Wie traurig, welch ein Zeugnis für die verkehrte Vermischung des Heiligen mit dem Gemeinen, wenn Lot die sündenbefleckten Sodomiter als „meine Brüder“ anspricht! Die verdorbenen Sünder kümmern sich gar nicht um eine solche verfehlte Anbiederung; sie richten ihren Haß auf den frommen Fremdling, von dem sie immer schon gespürt hatten, daß er nicht recht zu ihnen paßt. Die Engel müssen ein Wunder wirken, um Lot noch zu retten.

Nun kommt der nächste schmerzliche Schlag für Lot. Die Engel kündigen ihm das bevorstehende Gericht über Sodom an und drängen ihn, alle mitzunehmen, die zu ihm gehören, und rasch aus Sodom zu fliehen. Nun muß er gezwungenermaßen den Schritt tun, den er vor vielen Jahren lieber freiwillig hätte tun sollen. Es fällt ihm sichtlich schwer, und er zögert. Wir lesen in 1Mo 19,14-26:

Und die Männer sprachen zu Lot: Hast du noch jemand hier, einen Schwiegersohn oder Söhne oder Töchter? Wer in der Stadt zu dir gehört, den führe hinaus aus diesem Ort! Denn wir werden diesen Ort verderben, weil das Geschrei über sie groß ist vor dem HERRN; und der HERR hat uns gesandt, [den Ort] zu verderben!


Da ging Lot hinaus und redete mit seinen Schwiegersöhnen, die seine Töchter nehmen sollten, und sprach: Macht euch auf, geht hinaus aus diesem Ort; denn der HERR wird diese Stadt verderben! Aber er war in den Augen seiner Schwiegersöhne wie einer, der scherzt.

Als nun die Morgenröte aufging, drängten die Engel Lot und sprachen: Mache dich auf, nimm deine Frau und deine beiden Töchter, die hier sind, damit du nicht umkommst in der Bestrafung dieser Stadt! Als er aber noch zögerte, ergriffen die Männer ihn und seine Frau und seine beiden Töchter bei der Hand, weil der HERR ihn verschonen wollte; und sie führten ihn hinaus und ließen ihn draußen vor der Stadt.

Und es geschah, als sie sie hinausgeführt hatten, da sprach einer: Rette deine Seele! Und schaue nicht zurück; steh auch nicht still in dieser ganzen Umgegend! Rette dich ins Bergland, damit du nicht weggerafft wirst!

Aber Lot sprach zu ihnen: Ach nein, mein Herr! Siehe doch, dein Knecht hat vor deinen Augen Gnade gefunden, und du hast mir große Barmherzigkeit erwiesen, daß du meine Seele am Leben erhalten hast. Aber auf das Bergland kann ich mich nicht retten; das Unglück könnte mich ereilen, so daß ich sterben müßte! Siehe, jene Stadt dort ist so nahe, daß ich dahin fliehen könnte; und sie ist klein. Ach, laß mich dahin fliehen! Ist sie nicht klein? Nur daß meine Seele am Leben bleibt!

Da sprach er zu ihm: Siehe, ich habe dich auch in dieser Sache erhört, daß ich die Stadt nicht zerstöre, von der du geredet hast. Eile, rette dich dorthin; denn ich kann nichts tun, bis du hineingekommen bist! – Daher wird die Stadt Zoar genannt.

Und die Sonne ging auf über der Erde, als Lot nach Zoar kam. Da ließ der HERR Schwefel und Feuer regnen auf Sodom und Gomorra, vom HERRN, vom Himmel herab, und er zerstörte die Städte und die ganze Umgebung und alle Einwohner der Städte und was auf dem Erdboden gewachsen war. Und [Lots] Frau schaute zurück hinter seinem Rücken; da wurde sie zu einer Salzsäule.

Als Lot seine künftigen Schwiegersöhne warnen will, da erlebt er, wie kläglich unglaubwürdig sein Zeugnis unter den Sodomitern ausgefallen ist. Es ist ja tief traurig und schrecklich, daß dieser gottesfürchtige Mann seine Töchter mit Sodomitern verheiraten wollte. Wir sehen hier, wohin die Vermischung mit der Welt auch echte Gläubige verleiten kann.

Offensichtlich waren Lots Töchter innerlich von den Sünden Sodoms schon angesteckt und verdorben, und Lot hatte selbst gar kein Verlangen danach, ihnen gottesfürchtige Ehemänner zu geben, die dann auch gottesfürchtige Nachkommen aufgezogen hätten. Am Ende bekamen sie gar keine Ehemänner und hatten Nachkommen, die besonders gottlos waren. Wir wollen uns noch einmal an den Grundsatz aus 2. Korinther 6 erinnern:

Zieht nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial überein? Oder was hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen? (2Kor 6,14-15)

Wer immer wieder falsche Kompromisse mit der Welt macht, ist irgendwann nicht mehr frei, gottesfürchtig und heilig zu handeln; er hat seine Kraft und seine geistliche Sicht verloren und ebenso auch seine Glaubwürdigkeit. Auch die Töchter selbst hatten offenkundig aufgrund der ständigen Kompromisse und des inkonsequenten Handelns des Vaters ihren Respekt vor ihm völlig verloren, wie ihr späteres Verhalten beweist.

Die zukünftigen Schwiegersöhne jedenfalls, die er seinen Töchtern (vielleicht unter manchen Bedenken) herausgesucht hatte, um ihnen „die Zukunft nicht zu verbauen“, und die er sicherlich als für Sodomiter relativ moralisch hochstehend eingestuft hatte – diese seine Schwiegersöhne nahmen seine dringenden Warnungen überhaupt nicht ernst.

Lot war für sie nicht glaubwürdig. Jahrelang hatte dieser seltsame Fromme sein Leben hier in dieser Stadt verbracht und alles stillschweigend mit angesehen und erduldet, was sie trieben – und nun wollte er ihnen erzählen, daß der Gott, an den er glaubte, Sodom deswegen verderben würde? Sie empfanden sicherlich, daß Lot, wenn das so sein sollte, sich gar nicht erst in ihrer Mitte niedergelassen hätte. Lots Verhalten bezeugte nicht die Heiligkeit Gottes; so glaubten sie auch seinen Worten nicht. Lot war für sie lächerlich, eine unglaubwürdige Witzfigur.

Auch unser Zeugnis als gläubige Christen ist in den Augen der Welt nicht glaubwürdig, wenn wir weltförmig und unheilig leben. Die Bibel sagt uns sehr deutlich, daß wir nicht von dieser Welt sind (Joh 17,14), daß wir uns nicht diesem Weltlauf anpassen (Röm 12,2), sondern uns von der Welt unbefleckt bewahren sollen (Jak 1,27), daß wir für die Welt gekreuzigt sein sollen und die Welt für uns (Gal 6,14). Wenn wir das mißachten, nimmt unser geistliches Leben schweren schaden, und wir können kein gutes Zeugnis für Christus sein.

 
 

Die Stunde des Gerichts: Lot verliert seine Familie und seine Zukunft

 

Lots Hoffnungen und Pläne für eine harmonische Familie, für gute Schwiegersöhne und eine gute Altersversorgung schwanden alle dahin. Lot kann nichts von dem behalten, was er sich in Sodom erworben hat, nichts von dem mehr genießen, weswegen er trotz mancher Bauchschmerzen in Sodom ausgeharrt hat. Kein Wunder, daß dieser Mann zögert, aus Sodom zu fliehen. Wie traurig ist dies aber auch! Seine falschen Kompromisse haben ihn so an die sündige Stadt gekettet, daß er sie nun nicht mehr verlassen will, selbst als er erfährt, daß Gott die Stadt vertilgen will.

Aber die Engel drängen ihn und geleiten ihn schließlich aus der todgeweihten Stadt. Auf der Flucht geht sein Verhängnis weiter: Gegen das ausdrückliche Gebot der Engel dreht sich die Frau Lots um und schaut zurück auf die verderbte Stadt, an der ihr Herz offensichtlich noch sehr hing.

Wir wissen nicht, ob Lots Frau nicht sogar eine Sodomiterin war; jedenfalls hören wir vorher nichts davon, daß Lot schon vor seinem Einzug in Sodom verheiratet gewesen wäre. Auf jeden Fall hat das Leben in Sodom sie mehr gefesselt als ihn, und so verliert sie ihr Leben im Gericht, obwohl sie schon halb aus diesem Gericht gerettet war.

Das wollen wir uns merken: Halb bekehrt ist gar nicht bekehrt! Halb gerettet ist immer noch verloren! „Gedenkt an Lots Frau! Wer sein Leben zu retten sucht, der wird es verlieren, und wer es verliert, der wird es erhalten“ sagt unser Herr (Lk 17,32-33). So verliert Lot nicht nur sein ganzes Hab und Gut, das ihm so wichtig war, sondern auch seine Frau.

Auch während der Flucht zeigt sich Lots Kleinglaube und die unheilvolle Prägung von Sodom bei ihm: Er will nicht in das Bergland hinauf fliehen, wo er in Sicherheit wäre, in das Bergland von Kanaan, das eigentlich sein Teil gewesen wäre, wo er im Segen hätte leben können. Nein, ihn zieht es in eine Stadt, die ähnlich verderbt war wie Sodom, nur etwas kleiner – nach Zoar.

Als Lot schließlich doch ins Bergland flieht, aus Angst, nicht aus Glaubensgehorsam, wählt er nicht das Bergland der Verheißung, das Bergland Kanaans westlich des Jordan, wo die Altäre Gottes standen, sondern offenkundig das Bergland östlich des Jordan, das keinerlei Verheißung hatte und das später der Wohnsitz seiner Nachfahren wurde.

Dort spielt sich dann der schlimme, zutiefst traurige Ausklang von Lots Lebens ab. Seine Töchter, die offenkundig viel mehr von der verderbten Umwelt Sodoms geprägt waren, wie Lot es wahrhaben wollte, waren hoffnungslos und niedergedrückt von der Aussicht, ohne Ehemänner und ohne Nachkommenschaft (die für die Menschen damals sehr wichtig war, nicht zuletzt für die soziale Absicherung des eigenen Alters) ihr Dasein fristen zu müssen. So ersinnen sie den überaus schändlichen Plan, ihren Vater betrunken zu machen und von ihm Nachkommen zu erhalten.

Damit zeigten sie, wie sehr der Geist Sodoms sie geprägt hatte, ja, daß er in ihnen wohnte. Sie verschwendeten keinen Gedanken an den HERRN und seine heiligen Ordnungen. Von Gottesfurcht oder Glauben an den lebendigen Gott sehen wir bei ihnen keine Spur. Sie sind abgestumpft und beeinflußt von den jahrelangen Sündenszenen, die sich vor ihren Augen in Sodom abspielten. Sie haben keine Achtung vor ihrem Vater und gehen bedenkenlos krumme, entehrende Wege.

So wird an diesem üblen Ausklang auch offenbar, was weltförmige Christen heute ebenfalls zu ihrer Betrübnis feststellen müssen: Lot hatte als Erzieher und Vorbild für seine Kinder völlig versagt. Er konnte seinen Glauben nicht an sie weitergeben, weil er ihn nicht lauter und konsequent auslebte. Gott züchtigte diesen weltförmigen Gläubigen sehr schwer und nahm ihm all das weg, was er durch seinen sündigen Weg der Vermischung und der Kompromisse mit der Welt zu gewinnen erhofft hatte.

 
 
 
Dieser Beitrag ist ein gekürzter Auszug aus der ausführlicheren Schrift von Rudolf Ebertshäuser Abraham und Lot – zwei Glaubende auf gegensätzlichen Wegen. geistliche Lektionen aus dem Alten Testament für unser Verhältnis zu dieser Welt.
 
 
Bibelauslegungen von Rudolf Ebertshäuser
 
 
Bewahre das Wort! Eine Auslegung des 2. Timotheusbriefes. Edition Nehemia Steffisburg, 1. Aufl.  2013, Gebunden, 196 S.
 

Von Gott bewahrt vor der Verführung. Eine Auslegung des 2. Petrusbriefes und des Judasbriefes. Edition Nehemia Steffisburg  1. Aufl. 2015,  Gebunden, 352 S.

Baut mit am Haus Gottes! Was der Prophet Haggai uns heute zu sagen hat Edition Nehemia Steffisburg  1. Aufl. 2014, Taschenbuch, 120 S.

 
 
 
 
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