Vom 20. bis zum 22. Juni 2024 fand in der Münchner Olympiahalle eine großangelegte ökumenisch-charismatische Konferenz statt: „UNUM24 – Eins Sein Konferenz“. Die Veranstalter hatten mit der Olympiahalle einen sehr großen Rahmen gewählt und erwarteten offenkundig Massen von katholischen, charismatischen und evangelikalen Christen, die ein Zeichen für die große Einheit setzen sollen, die allen Beteiligten offenkundig sehr wichtig ist. Nach dem Vorbild großer charismatischer Konferenzen (man wird ein wenig an Volkhart Spitzers großes „Erweckungs“-Event im Berliner Olympiastadion 1981 erinnert, das dann einige Nummern kleiner ausfiel als geplant) zogen die Veranstalter alle Register, um mit bekannten „Lobpreis“-Bands und hochrangigen Sprechern die Besucher mitzureißen und für die große Einheit aller Weltchristen zu gewinnen. Es kamen dann lediglich 6.000 Leute – deutlich weniger als etwa bei den MEHR-Konferenzen im Gebetshaus Augsburg.

Im Programm der vier Tage waren tägliche Lobpreiszeiten eingeplant (u.a. mit „Lobpreis“-Bands von Bethel Music, Hillsong, der Outbreakband, ICF München, Urban Life Worship und den „O-Bros“), aber auch Ansprachen von Bill Johnson, dem bekannten Pastor der Bethel Church in Redding, einer der weltweit einflußreichsten extremcharismatischen Gemeinden, sowie von Johannes Hartl, dem bekannten charismatischen Katholiken, der mit seinem Gebetshaus in Augsburg und den MEHR-Konferenzen tausende von Christen erreicht. Am Sonntag konnte man eine katholische Messe mit dem römischen Bischof Heinrich Timmerevers erleben. Den Abschluß machte eine Predigt des evangelischen Landesbischofs von Sachsen, Tobias Bilz.

Die Initiatoren der Konferenz waren Fadi Krikor und Gerhard Kehl. Kehl, ein pfingstlerischer Pastor der „Alpen Church“ in Kempten, die zum „Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden“ gehört, hat mit seiner „Jordan-Stiftung“ das Event wesentlich mit organisiert. Zuvor organisierte er andere charismatische Groß-Events wie „The Call Deutschland“, „Calling All Nations“, „Awakening Europe“, „Miteinander für Europa“ oder „Global Outreach Day“. Krikor ist in verschiedenen charismatisch-ökumenischen Initiativen engagiert, u.a. ist er Leiter des ökumenischen Werkes „Father’s House for all Nations“ und des ebenfalls ökumenisch ausgerichteten „Treffens von Verantwortlichen“ (TvV) und Mitglied der Leitung von „Deutschland betet“. Er gehört auch dem „Christlichen Convent Deutschland“ (CCD) und anderen nationalen und internationalen Netzwerken an.

Eine eher kritische Bilanz der Konferenz findet sich im Bericht des IDEA-Reporters Karsten Huhn, der das ökumenische Event besucht hatte. Er schildert, wie der charismatische Pastor der Bethel Church, Bill Johnson, wieder einmal eine „Ausgießung des Heiligen Geistes“ ankündigt, die eine „große Transformation“ des Landes auslösen werde. Es ist diesem modern-evangelikalen Theologen vielleicht gar nicht bekannt, daß dies eine uralte Falschprophetie ist, die von hunderten von pfingstlerischen „Propheten“ seit über hundert Jahren immer wieder wiederholt wurde und sich einfach nie erfüllt hat und auch nicht erfüllen wird, weil das Wort Gottes für unsere letzten Tage Abfall und Gesetzlosigkeit voraussagt (vgl. Lk 17,26-30; Mt 24,11-12) und nicht Massenerweckung und Einbruch des Reiches Gottes. Ja, es findet eine „Transformation“ statt, aber eine Transformation hin zu einer globalen Diktatur des Antichristen, wie es Offenbarung 13 voraussagt!

Huhn nimmt verständlicherweise Anstoß am Umgang des extremcharismatischen Pastors mit dem Tod seiner Frau Beni, die im Juli 2022 mit 67 Jahren nach längerer Krebserkrankung starb. Huhn zitiert Bill Johnson: „Wir haben gebetet, gefastet, haben Gottes Wort proklamiert … Wir haben die versprechen der Schrift ausgesprochen … Wir haben prophetisch über ihre Gesundheit gesprochen, wir haben ihr die Hände aufgelegt … Wir haben Gott gelobt, daß er der Heiler ist … Gott heilt jede Krankheit“. Der Kenner nimmt wahr, daß diese Extremcharismatiker und Anhänger der „Wort-des-Glaubens“ – Irrlehren alle Register in ihrem Wunderheiler-Repertoire gezogen haben, um bei einer ihrer prominenten Führungsgestalten Heilung zu erreichen – aber Gott hat diese Frau, die gegen Sein Wort als Bibellehrerin aufgetreten war (1Tim 2,12) und teilweise haarsträubende New-Age-Irrtümer verbreitet hatte, an Krebs sterben lassen. Huhn registriert ratlos, daß Bill Johnson dennoch seine falschen Lehren über Glaubensheilung festhält. Gewiß war dieser Tod ein Anruf Gottes an die Anhänger der falschen Heilungslehren, umzukehren und nüchtern zu werden. Aber das blinde Festhalten an den falschen Glaubensformeln ist die schmerzhafte Folge einer tiefsitzenden Verblendung, die auf all den Gurus und Propheten dieser weltweiten Verführungsströmung liegt.

Als nächstes berichtet Huhn über einen südamerikanischen Megagemeinden-Pastor namens „Cash Luna“, den er als „Fernsehevangelist, Glaubensheiler und Wohlstandsprediger“ kennzeichnet. Dieser Erfolgsprediger aus Guatemala hat sich doch tatsächlich den Kunstnamen „Cash“ (englisch für „Bargeld“) zugelegt, was uns an 1. Timotheus 6,7-10 erinnert. Im Laufe seiner Predigt versteigt er sich zu einer sensationell aufgemachten „Offenbarung“, die angeblich vom Heiligen Geist sein soll: „Das ist, was der Heilige Geist gesagt hat, was ich sagen soll: Der Heilige Geist ist nicht die dritte Person der Dreieinigkeit.“ Cash beruft sich fälschlich auf gewisse Bibelstellen wie 1. Mose 1: „Zuerst war der Geist aktiv, dann sprach Gott, schließlich wurde das Wort Fleisch … Der Heilige Geist ist immer zuerst da … Ich glaube, viele verstehen das nicht ganz“.

Huhn versteht offenkundig auch nicht ganz, was für eine frevelhafte Anmaßung dieser von einem Irrgeist gesteuerte „Prophet“ hier begeht, indem er die biblischen Aussagen über den Geist Gottes durch eine Neuoffenbarung beiseitesetzt und eine neue Theologie erfindet, und zwar angeblich auf Anweisung des Geistes, in der dieser Geist die erste und wichtigste Person der Gottheit sein soll. Dasselbe tun sehr viele Charismatiker in der Praxis, aber dieser Mann ist so blind dem Irrgeist hörig, der ihn steuert, daß er die Lehre der Bibel komplett außer Acht läßt. Und sein Publikum war so trunken von ebendemselben Verführungsgeist, daß sie offensichtlich keinen Anstoß an seiner Neuoffenbarung nahmen. Kurz danach beginnt Luna damit, diesen falschen Geist aktiv unter den Konferenzteilnehmern „auszuteilen“. Huhn berichtet:

„Luna ruft dazu auf, die Hände zu heben, um den Heiligen Geist zu empfangen. Er geht durch die Reihen und ruft: ‚Mehr, mehr‘, als würde er persönlich den Geist ausschenken. Cash Luna legt seine Hände auf die Köpfe, einige Menschen fangen an zu zucken, andere lachen ekstatisch. Luna hält das Mikrophon vor ihren Mund, damit es jeder hören kann. ‚Das ist ansteckend‘, sagt Luna. ‚das ist noch schlimmer als die Pandemie.‘ ‚Steck dich an mit dem Heiligen Geist‘, ruft Luna. ‚Mehr!“ – ‚Geben wir dem Heiligen Geist die Bedeutung, die er verdient.‘ – ‚Alles wird sich verändern.‘ ‚Hebt eure Hände und trinkt daraus, es ist kostenlos.‘ – In der Olympiahalle hört man von verschiedenen Seiten Lachen, das wie Gackern klingt. Wohlwollend könnte man sagen: Lunas Zuhörer machen gerade eine tiefe Erfahrung, kritisch ließe sich feststellen: Was hier geschieht, ist zutiefst verstörend.“

Das sind genau die in der Tat verstörenden, offensichtlich falschgeistigen Erscheinungen der falschen „Erweckung“, die von den extremcharismatischen Kreisen der „Neuen Apostolischen Reformation“, der „Wort-des-Glaubens“-Bewegung und der Bethel Church ausgebreitet werden soll, und die im „Toronto-Segen“ ihre bekanntesten Auswirkungen gefunden hat. Diese ekstatischen Symptome wie Zittern, Schütteln, unkontrolliertes Lachen, Tierschreie, „Tanzen im Geist“ sind dämonischer Natur und bewirken eben die „Trunkenheit im Geist“, die ihren Anhängern zeitweise jede Selbstbeherrschung raubt, aber auch und längerfristig jede geistliche Wachsamkeit und jedes biblische Urteilsvermögen. Wer von diesem Irrgeist trunken ist, kann nicht mehr die Geister prüfen, ob sie aus Gott sind (1Joh 4,1); er ist nicht mehr nüchtern und wachsam (1Thess 5,6; 2Tim 2,26; 1Pt 4,7; 5,8). Es ist deshalb kein Zufall, daß gerade Anhänger dieser falschen „Erweckung“ sich willig einsmachen mit den Irrlehren und heidnischen Ritualen der katholischen Kirche. Diese wiederum kennt solche Geisterwirkungen aus ihrer reichen mystischen Tradition und kann sie hervorragend integrieren und ausnutzen.

Diese Konferenz ist ein weiteres Symptom für die zunehmende ökumenische Verführung und Verblendung unter den deutschen wie auch weltweiten Charismatikern, Evangelikalen und liberaltheologischen evangelischen Kirchenchristen. Beständig wird das Mantra wiederholt, daß man nur durch eine umfassende Einheit aller irgendwie christlich orientierten Kirchen und Gruppierungen vor der Welt ein Zeugnis sein könne. Zu Unrecht berufen sich diese Leute auf die Worte des Herrn Jesus in Johannes 17. Dort spricht der Herr von den wahren Kindern Gottes, die eine Neugeburt aus dem Geist erlebt haben und das echte Evangelium verkünden und leben. Nur solche können wahrhaft im Geist eins sein.

Die wachsende ökumenische Weltbewegung aber ist eine raffinierte Verführung des Teufels, der eine unbiblische, widergöttliche Einheit aller möglichen Gruppen schmieden möchte, die dem Namen nach christlich sind, aber allesamt von verschiedenen Irrlehren und falschgeistigen Einflüssen geprägt sind: die römische Kirche mit ihrem falschen Evangelium der Errettung durch Werke und Sakramente, die liberaltheologisch geprägten evangelischen Kirchen und Freikirchen, die einen falschen Jesus verkündigen, der aus ihrer Sicht nicht von einer Jungfrau geboren ist, nicht am Kreuz für uns starb und nicht wahrhaft auferstanden ist. Zu dieser ökumenischen Allianz stoßen seit längerer Zeit verschiedene charismatische Gruppierungen, die ebenfalls einen falschen mystischen „Jesus“ verkünden und von vielfältigen irrgeistigen Einflüssen verführt sind, u.a. von der unbiblischen „Zeichen und Wunder“-Bewegung, der auch die Bethel Church angehört, und von den widergöttlichen Geisteswirkungen der „Toronto-Erweckung“.

Es ist ein Zeichen der sich zuspitzenden Endzeit, daß diese falschen Strömungen, die einen großen Teil der äußerlichen Weltchristenheit ausmachen, sich immer mehr annähern und immer intensiver auf eine unbiblische „Einheit“ hinarbeiten, welche die biblische Wahrheit ausklammert und verfälscht und sich stattdessen vielfach auf mystische und ekstatische Erlebnisse wie gemeinsamen „Lobpreis“, charismatische „Geisteserfahrungen“ oder katholische mystische Übungen beruft. Die katholische Kirche kann diese Dinge sehr gut benutzen und einbeziehen, weil sie selbst ja eine reiche mystische und esoterische Tradition hat.

An dieser unbiblischen Vermischung wirken auch einige moderne Evangelikale mit, wie ein Blick in den Träger- und Unterstützerkreis der Konferenz UNUM24 zeigt. Dort finden sich neben sehr charismatisch ausgerichteten Leitern (wie z.B. Juri Friesen, Urban Life Church; Walter Heidenreich, FCJG Lüdenscheid; Ulrike Lesch, Schule der Erweckung; Jean-Christof Nadon, Jesus Haus Netzwerk Allgäu; Tobias Teichen, ICF München; Ash Thorpe, YWAM Germany) und katholischen Unterstützern (Dr. Johannes Hartl; Pater Johannes Rothärmel, Orden der Passionisten; Pfarrei St. Anton Kempten, Dekan Bernhard Hesse; Loretto Gemeinschaft) auch einige evangelikale Leiter (Dr. Dominik Klenk, Fontis Verlag; Matthias Kunick, CVJM München; Bernd Oettinghaus, Ev. Allianz Frankfurt; Gerhard Proß, Miteinander für Europa). Auch der Bischof Dr. Yassir Eric, der angekündigt war, aber anscheinend nicht redete, wird dem evangelikalen Spektrum zugeordnet.

Es ist traurig, daß auch in München sicherlich eine ganze Anzahl von aufrichtig suchenden jungen Evangelikalen und Charismatikern durch begeisternde Reden, schöne Gemeinschafterlebnisse und esoterische „Gotteserfahrungen“ dazu verführt wurden, sich immer mehr auf die große falsche Einheit der Ökumene einzulassen, eine Einheit, die letztlich in die große Welteinheitskirche münden wird, welche die Bibel im Buch der Offenbarung enthüllt als die Hure Babylon:

Und einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten, kam und redete mit mir und sprach zu mir: Komm!, ich will dir das Gericht über die große Hure zeigen, die an den vielen Wassern sitzt, mit der die Könige der Erde Unzucht (od. Hurerei) getrieben haben, und von deren Wein der Unzucht die, welche die Erde bewohnen, trunken geworden sind.  Und er brachte mich im Geist in eine Wüste. Und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das voll Namen der Lästerung war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte.

Und die Frau war gekleidet in Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und Edelsteinen und Perlen; und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voll von Greueln und der Unreinheit ihrer Unzucht, und auf ihrer Stirn war ein Name geschrieben: Geheimnis, Babylon, die Große, die Mutter der Huren und der Greuel der Erde. Und ich sah die Frau berauscht vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu; und ich verwunderte mich sehr, als ich sie sah. (Offb 17,1-6)

Und danach lesen wir den bemerkenswerten Aufruf:

Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel, die sprach: Geht hinaus aus ihr, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt! Denn ihre Sünden reichen bis zum Himmel, und Gott hat ihrer Ungerechtigkeiten gedacht. (Offb 18,4-5)

Es scheint also, daß es Gläubige geben wird, die sich verführen lassen, Teil der großen Hurenkirche zu sein, und der Herr ruft sie ausdrücklich auf, sich von Babylon abzusondern. Wir aber, die wir von Gottes Wort gewarnt sind, sollten das schon heute tun:

Zieht nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial überein? Oder was hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen? Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: »Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein«. Darum geht hinaus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt nichts Unreines an! Und ich will euch aufnehmen, und ich will euch ein Vater sein, und ihr sollt mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige. (1Kor 6,14-18)

 

Quellen: https://www.unum24.de/

Karsten Huhn: „Jesus, küss Deutschland wach!“, in: IDEA – Das christliche Spektrum 26/2024, S. 14-16

 

Zu diesem Thema können Sie Ausführlicheres lesen in unseren ESRA-Schriften:

Ökumene. Wohin führt die Einheit aller Namenschristen?

„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“. Welcher Geist bewirkt das Zittern, Schreien und Rückwärtsstürzen im „Toronto-Segen“?

 

 

Die überarbeitete und aktualisierte Fassung dieses Artikels wurde auf https://das-wort-der-wahrheit.de am 2. 7. 2024 veröffentlicht

 

© Rudolf Ebertshäuser 2024

 

 

 

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