Im Eiltempo auf dem Weg zur Welteinheitskirche:
Die Preisgabe der Reformation durch liberale und evangelikale Protestanten

 

Rudolf Ebertshäuser

 

 

Im Vorfeld des aufwendig gefeierten 500. Jahrestages der Reformation nimmt der aufmerksame Beobachter eine beunruhigende Entwicklung wahr: Viele bekannte Vertreter von Kirchen und Gruppierungen, die beanspruchen, das Erbe der Reformation zu bewahren, sind mit großer Energie und Geschwindigkeit dabei, im Namen der ökumenischen „Einheit aller Christen“ eben dieses Erbe vollends wegzuwerfen. Während die Reformation um der Wahrheit des Evangeliums willen die Trennung von der römischen Kirche brachte, opfern die fehlgeleiteten Nachfahren der Reformatoren diese Wahrheit, um die Einheit mit der römisch-katholischen Kirche wieder herzustellen.

Federführend sind dabei die bibelkritisch-liberaltheologisch geprägten protestantischen Volkskirchen, die seit Jahrzehnten den Dialog mit der römischen Kirche führen und nach der Wiedervereinigung mit dieser Kirche streben. Sie gehören ja zum „Ökumenischen Rat der Kirchen“, der die Schaffung einer weltumfassenden Einheit aller Christen einschließlich der Katholischen Kirche zum Ziel hat. Doch ihnen geht es nicht um die Einheit der wahren, wiedergeborenen Kinder Gottes, sondern um die Vereinigung aller Menschen, die ein irgendwie christliches Bekenntnis haben, ohne wiedergeboren zu sein, und das ist nicht nach den Gedanken Gottes.

Die liberalen Protestanten haben schon seit über 200 Jahren die Fundamente des biblischen Glaubens, welche die Reformation wieder ans Licht gebracht hatte, verlassen. Sie haben den in der Reformation verkündeten Glauben an Christus als alleinigen Retter und an die Bibel als Gottes Wort preisgegeben. Daher war es für sie nicht schwierig, im Dialog mit der Katholischen Kirche alle Grundlehren der Reformation zu opfern. Das wurde vor einigen Jahren mit der katholisch-lutherischen „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ weltweit öffentlich gemacht.

Nun steht zu erwarten, daß diese von Christus abgedrifteten Protestanten zum Jubiläum der Reformation ein öffentlichkeitswirksames Zeichen der angestrebten Wiedervereinigung mit Rom inszenieren werden. Man wird sich um den Arm fallen und die endlich erreichte „Versöhnung“ feiern, wie ja vor kurzem in Heidenheim ein „Versöhnungsgottesdienst“ stattfand, wo Vertreter Roms und der EKD sich gegenseitig um Vergebung baten und „versöhnten“ und eine „Heilung der alten Wunden“ beschworen. Durch solche großen Gesten wird die Reformation mit ihrem Beharren auf der Bibel und dem echten Evangelium zur sündhaften Spaltung degradiert, die heute angeblich nicht mehr „zeitgemäß“ sei und rückgängig gemacht werden muß.

 

Der ökumenische Schlingerkurs der Evangelikalen

Doch heute tritt auch immer klarer zutage, daß sich auch führende Evangelikale aus den Kreisen der Evangelischen Allianz aktiv und mit großem Einsatz an den Vereinigungs- und Versöhnungsbestrebungen mit der römischen Kirche beteiligen. Es gab eine Zeit, als unter den Evangelikalen die Skepsis gegenüber der „Ökumene“ recht groß war und man sich bewußt von diesen Vereinigungsbewegungen fernhalten wollte. Doch in den letzten Jahrzehnten wurde diese kritische Haltung immer weiter aufgeweicht, und man öffnete sich zunehmend für das ökumenische Anliegen und den Dialog mit der katholischen Kirche.

Es seine nur einige Meldungen aus jüngerer Zeit genannt, die diesen ökumenischen Kurs belegen:

* Seit September 2016 ist die Deutsche Evangelische Allianz ständiger Beobachter der „Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen“ (ACK), der wichtigsten örtlichen und bundesweiten Organisation der ökumenischen Bewegung.

* Führende Sprecher der Weltweiten Evangelischen Allianz wie Geoff Tunicliffe und Prof. Dr. Thomas Schirrmacher haben sich schon mehrfach mit Papst Franziskus getroffen und schwärmen von dessen angeblich „evangelikalen“ Überzeugungen.

* Papst Franziskus trifft sich immer wieder mit führenden Vertretern der EKD wie Bischof Bedford-Strohm. Am 6. Februar 2017 war eine hochrangige EKD-Delegation im Vatikan bei Franziskus – mit dabei: Der Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes Dr. Diener.

Immer öfters werden katholische Laien und Kleriker in der Allianz-Zeitschrift IdeaSpektrum wie selbstverständlich als gleichberechtigte Sprecher für christliche Positionen behandelt und können ihre Ansichten in Artikeln oder Interviews unter das evangelikale Volk bringen. Die irreführende Botschaft dahinter ist: Papsttreue Katholiken sind genauso „gläubig“ und „bibeltreu“ wie Evangelikale; es gibt keine wirklich trennenden Gegensätze mehr.

 

Die Irrtümer Roms sind noch dieselben wie vor 500 Jahren

Damit wird vertuscht und verschwiegen, daß die römische Kirche auf mehreren fundamentalen Irrlehren aufgebaut ist, die sie in den fünf Jahrhunderten seit der Reformation nicht aufgegeben hat und auch nicht aufgeben wird:

** Das falsche Evangelium Roms behauptet, daß zur Errettung des Menschen nicht allein Gnade und Glaube, sondern auch Werke und Sakramente (Taufe, „Meßopfer“ usw.) nötig seien. Doch auch heute noch gilt Galater 1,6-9!

** Die ganze römische Kirche ist auf dem System von „Sakramenten“ aufgebaut; das sind im Grunde magisch-heidnische Rituale, die, von einem „ordentlich geweihten“ Priester ausgeführt, angeblich Heil vermitteln sollen. Das gilt z.B. für die Kindertaufe, durch die nach der „Taufwiedergeburtslehre“ angeblich ein Mensch zum „Kind Gottes“ werden und Rettung empfangen könnte. Durch diesen Irrtum wurden und werden ungezählte Millionen schon um ihr wahres Heil betrogen. Doch auch heute noch gilt Römer 3,21-28!

** Aber auch andere Sakramente wie z.B. die Beichte oder die „Eucharistie“ können nach den Irrlehren Roms aus sich selbst heraus Heil und Sündenvergebung bewirken. Diese magisch wirksame System „heiliger Handlungen“ ist aus den heidnischen Mysterienreligionen übernommen worden und völlig unbiblisch. Das Heil empfängt der an Christus Gläubige allein durch den erhöhten Herrn Jesus Christus und nicht durch Sakramente und Priester als „Mittler“.

** Die römische Kirche ist durch ihr System der Klerikerherrschaft letztlich antichristlich. Der Papst als ihr „Oberhaupt“, die Bischöfe und Priester behaupten, anstelle von Christus (und das bedeutet „anti-christlich“ auch) zu handeln und das Heil vermitteln zu können. Nicht nur beansprucht der Papst immer noch, der „Stellvertreter Jesu Christi auf Erden“ zu sein und die oberste Autorität über die ganze Welt und alle Christen auszuüben, auch die einzelnen Priester werden in der römischen Lehre als „ein anderer Christus“ bezeichnet. Doch auch heute noch gilt 1. Johannes 2,18-19!

** Eine besonders schlimme Irrlehre ist mit der römischen „Eucharistie“, dem „Meßopfer“ verbunden. In diesem unbiblischen Ritual beansprucht der Priester, immer wieder neu in der Oblate, die angeblich in den realen „Christus“ verwandelt wurde („Transsubstantiationslehre“), Christus zur Sündenvergebung für die Katholiken zu opfern. Dieses verkehrte „Opfer“ hat mit der biblischen Lehre vom Mahl des Herrn nichts gemein und widerspricht der Bibel direkt, die uns von dem Herrn Jesus Christus bezeugt: „Denn mit einem einzigen Opfer hat er die für immer vollendet, welche geheiligt werden“ (Hebr 10,14). Die Reformatoren bezeichneten dies zu recht als Götzendienst, doch wer hat heute noch den Mut, derartiges anzusprechen?

Wohlgemerkt: Diese biblisch begründete Kritik betrifft das System der römischen Kirche und stellt keine Verurteilung der vielen Menschen dar, die in den Lehren der römischen Kirche gefangen sind. Manche von ihnen suchen aufrichtig nach der Wahrheit und forschen in der Bibel, und es ist unser Gebet, daß noch viele zum echten Glauben kommen und das römische System verlassen. Doch wenn sie das falsche Evangelium Roms nicht durchschauen und verlassen, gehen sie am Heil vorbei.

Die Reformatoren kannten das System Roms sehr gut, und sie stellten es mit den schärfsten Worten bloß, die heute niemand mehr abzudrucken wagen würde. Sie waren davon überzeugt, daß diese Irrlehren ungezählte Menschen um ihr Heil betrügen, und wandten sich entschieden von ihnen ab. Heute müssen wir uns fragen: Wie kann es geschehen, daß immer mehr führende Evangelikale so blind geworden sind, daß sie den wahren Charakter des römischen Systems nicht mehr erkennen?

Sie behaupten immer wieder, die römische Kirche habe sich zum Positiven geändert. Das ist jedoch trügerisch. Die römische Kirche hat keine einzige ihrer als unfehlbare Dogmen festgemeißelten Irrlehren zurückgenommen. Sie hat nicht ihr Wesen, sondern lediglich ihre Taktik verändert, um die im Vereinigungstaumel unkritisch gewordenen Evangelischen und Evangelikalen leichter zurück nach Rom führen zu können. 

 

Die Prophetie von der Hure Babylon und ihre Erfüllung heute und morgen

Alle diese Entwicklungen sind für den wahren Gläubigen, der mit dem prophetischen Wort vertraut ist, unvermeidlich und in der Bibel vorhergesagt. Die Bibel zeigt uns in Offenbarung 17 und 18, daß in der allerletzten Zeit vor der Wiederkunft Jesu Christi eine scheinchristliche, von Gott und Christus abtrünnig gewordene Welteinheitskirche große Macht und viel Einfluß haben wird. Gottes Wort nennt diese falsche Weltkirche die HURE BABYLON und bezeugt, daß alle Völker von dem Glutwein ihrer geistlichen Hurerei getrunken haben (vgl. Offb 17,1-5).

So weit sind wir heute noch nicht, aber wir sind in atemberaubendem Tempo auf dem Weg dahin. Diese falsche Welteinheitskirche wird unter der Führung Roms alle äußerlichen Namenschristen vereinen und darüber hinaus auch alle heidnischen Weltreligionen. Darauf arbeiten die Führer der römischen Kirche und des Ökumenischen Bewegung heute energisch hin, auch indem sie den „Dialog mit anderen Religionen“ vorantreiben und interreligiöse „Friedensgebete“ und Gottesdienste veranstalten.

Und das Traurige ist: Die fehlgeleiteten Führer der Evangelikalen folgen ihnen darin, statt aus dieser antichristlichen Einheitskirche hinauszugehen, wie es Gottes Wort sagt (vgl. Offb 18, 4; 2Kor 6,14-18). Angesichts dieser Entwicklungen ist unsere persönliche Glaubens- und Gewissensentscheidung gefragt!

Zieht nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial überein? Oder was hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen? Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: »Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein«. Darum geht hinaus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt nichts Unreines an! (2Kor 6,14-17)

 

 

Zu diesem Thema können Sie auf unserer Webseite auch die ausführlichere Schrift desselben Verfassers herunterladen:

 

Ökumene – wohin führt die Einheit der Namenschristen?

 

 

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