Wir wollen nicht dabei stehen bleiben, nur allgemeine Aussagen über Heiligung an sich zu machen. Manche Verkündiger, wenn sie überhaupt noch etwas zu diesem heiklen und unpopulären Thema sagen, beschränken sich auf vorsichtige, vieldeutige Allgemeinplätze und scheuen sich davor, konkret zu werden, aus Furcht davor, an Popularität zu verlieren und als „eng“ und „gesetzlich“ angegriffen zu werden.

Doch wenn wir wirklich aufrichtig nach einem Leben in der Heiligung streben, dann ist es wichtig, auch einige Hinweise darauf zu geben, was ein heiliger Wandel heute bedeutet. Hier geht es nicht darum, „Gesetze“ aufzustellen, wie manche Christen unterstellen. Jede verantwortliche Auslegung der Bibel beinhaltet auch einen Versuch, deutlich zu machen, was bestimmte Schriftstellen für die Gläubigen heute zu sagen haben.

(…)

 

1. Heiligung der Gesinnung und des Denkens

 

Wie wir schon vorher betonten, beginnt die echte Heiligung im Herzen und in der Gesinnung des Gläubigen. Ein geheiligter Lebenswandel hat seinen Ursprung in einem geheiligten, von Christus, von Seinem Wort und Seinem Geist geprägten Denken. Das findet seinen Ausdruck in dem Gebot: „(…) sondern heiligt vielmehr Gott, den Herrn, in euren Herzen!“ (1Pt 3,15). Der Herr lehrte seine Jünger: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken“ (Mt 22,37).

Aus unserem Herzen, aus unserer Gesinnung und unserem Denken entspringen unsere Taten. Das zeigt sich beim natürlichen Menschen dadurch, daß sein Inneres von der Sünde verdorben und beherrscht wird: „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen.“ (Mt 15,19). Der Sünder handelt nach seinen unreinen Begierden und Gedanken:

(…) unter ihnen führten auch wir alle einst unser Leben in den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten; und wir waren von Natur Kinder des Zorns, wie auch die anderen. (Eph 2,3)

Deshalb beginnt auch jede echte Buße im Herzen und im Denken des Menschen. Das griechische Wort für „Buße“, meta-noia, bedeutet zunächst einmal „Umdenken“, „Gesinnungswandel“, d.h. eine entschiedene Umkehr des Herzens und der Gesinnung zu Gott hin. „Der Gottlose verlasse seinen Weg und der Übeltäter seine Gedanken; und er kehre um zu dem HERRN, so wird er sich über ihn erbarmen, und zu unserem Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung“ (Jes 55,7).

Wenn wir uns bekehrt haben und von neuem geboren wurden aus dem Geist Gottes, dann erfahren wir auch eine Erneuerung unseres Denkens:

(…) daß ihr, was den früheren Wandel betrifft, den alten Menschen abgelegt habt, der sich wegen der betrügerischen Begierden verderbte, dagegen erneuert werdet im Geist eurer Gesinnung [od. eures Denkens] und den neuen Menschen angezogen habt, der Gott entsprechend geschaffen ist in wahrhafter Gerechtigkeit und Heiligkeit. (Eph 4,22-24; vgl. Röm 12,2)

Der Geist Gottes wirkt durch das Wort Gottes darauf hin, daß unsere Gesinnung, unsere Denkweise der des Herrn Jesus Christus gleichförmig wird: „Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war“ (Phil 2,5). Dies geschieht jedoch nicht im Selbstlauf, sondern hängt ab von unserem Glauben, unserem Gehorsam, unserer Beschäftigung mit dem Wort Gottes, und unserer Wachsamkeit gegenüber allen verkehrten Gedanken.

Wenn wir in einer beständigen und gesunden Gemeinschaft mit unserem Herrn stehen, die sich in Gebet, Bibellesen und gehorsamer Nachfolge erweist, dann wird unser Denken mehr und mehr christusähnlich; es wird mehr und mehr gereinigt von sündigen, selbstsüchtigen, fleischlichen Einflüssen, und stattdessen geprägt vom Geist und Wort unseres wunderbaren Herrn und Erlösers: „Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus!“ (Phil 4,7; vgl. Phil 2,1-5). Wir wollen nun einige wichtige Aspekte dieser Heiligung und Erneuerung unseres Denkens erwähnen.

 
 
 

2. Ganze Hingabe für Christus

 

Viele Gläubige sind in ihrer Gesinnung mehr oder weniger fleischlich; sie sind noch von ihrem alten menschlichen Eigenleben geprägt und neigen dazu, in vielen Bereichen eigenmächtig und unabhängig vom Herrn zu denken und zu leben.

Deshalb ist es wichtig, zu betonen, daß die Heiligung unseres Herzens und Denkens auch eine ganz bewußte völlige Hingabe an den Herrn Jesus Christus, eine bewußte Unterstellung des ganzen Lebens und Denkens unter Seine Herrschaft beinhaltet.

Das ist nichts Besonderes, sondern eigentlich nichts anderes als ein elementarer Bestandteil echter Bekehrung, der aber bei vielen Gläubigen nicht so ausgelebt wird, wie es die Schrift sagt. Deshalb kann es sehr wichtig sein, diese Ganzhingabe zu erneuern und zu bekräftigen.

Denn die Liebe des Christus drängt uns, da wir von diesem überzeugt sind: Wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben; und er ist deshalb für alle gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und auferstanden ist. (2Kor 5,17; vgl. Röm 12,1-2)

 
 
 

3. Mit Christus gekreuzigt

 

Es ist für die Erneuerung unserer Gesinnung auch wichtig, daß wir die Bedeutung des Kreuzes in unserem neuen Leben als Kinder Gottes verstehen. Das Wort Gottes bezeugt uns, daß wir durch die Taufe des Geistes bei der Neugeburt in eine enge Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus Christus gekommen sind.

Diese Gemeinschaft umfaßt auch die Tatsache, daß wir an Seinem Kreuzestod und Seiner Auferstehung teilhaben. Durch Seinen Kreuzestod, der auch für mich wirksam ist, wird mein fleischliches altes Denken und Wesen außer Wirksamkeit gesetzt, und aufgrund Seiner Auferstehung, die auch für mich wirksam ist, kann ich in einem neuen Leben wandeln.

Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.

Denn wenn wir mit ihm einsgemacht und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein; wir wissen ja dieses, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde außer Wirksamkeit gesetzt sei, so daß wir der Sünde nicht mehr dienen; (…)

Also auch ihr: Haltet euch selbst dafür, daß ihr für die Sünde tot seid, aber für Gott lebt in Christus Jesus, unserem Herrn! (Röm 6,4-6.11)

Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nun lebe ich, aber nicht mehr ich [selbst], sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. (Gal 2,20)

Die aber Christus angehören, die haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten. (Gal 5,24; vgl. Gal 6,14)

Die Bibel zeigt uns, daß wir ganz bewußt diese Haltung des Mitgekreuzigtseins einnehmen sollen, wenn unser Fleisch uns verleiten will, zu sündigen, und daß wir uns der Sünde für tot halten sollen. Das betrifft unser Denken, in dem wir im Glauben mit dieser geistlichen Tatsache rechnen sollen und aufgrund dieser Stellung in Christus die Begierden und Impulse unseres Fleisches abwehren und überwinden können.

Auch unser ganzes Denken selbst, unser Intellekt, unsere Begabungen – alles muß durch das Kreuz gereinigt und für Gott geheiligt werden. Alles muß bewußt in den Tod Christi gegeben werden (auf den Opferaltar, wie vorbildhaft Abraham den Isaak auf den Altar legen mußte), damit es durch die Auferstehung Christi geläutert und geheiligt für den Herrn zur Verfügung steht.

 
 
 

4. Unser Geist und ein geheiligtes Denken

 

Die Bibel zeigt uns, daß die Dinge, die wir sehen, lesen, sagen oder tun, einen Einfluß auf unseren Geist haben, der ja eigentlich durch den Geist Gottes erneuert wurde und in gewissem Sinn beständig erneuert wird.

Dieser innerste Bereich unserer Persönlichkeit kann verunreinigt oder befleckt werden – etwa durch unzüchtige Bilder, die wir sehen (z.B. in Zeitschriften), oder Phantasien, denen wir nachgeben, durch Bücher (auch Romane und Erzählungen), die unreine Dinge ansprechen.

Eine besondere Gefahr bildet die Flut elektronischer Bilder, die in Fernsehen, Kino, Video-DVDs oder im Internet bereitgestellt werden, um die Menschen zu beeinflussen und zur Sünde zu verleiten. Nicht umsonst sagt Gottes Wort in Ps 101,3: „Ich will nichts Schändliches vor meine Augen stellen“.

Einen großen und oft unterschätzten Einfluß auf unseren Geist hat die Musik, die wir hören. Hier müssen wir ernst warnen vor der vielfach heute bedenkenlos konsumierten weltlichen und „christlichen“ Rock- und Popmusik. Wer solche Musik hört, der befleckt sich selbst und öffnet sich einem dämonisch gespeisten unreinen, rebellischen, auf Selbstverwirklichung und Sinnengenuß drängenden Einfluß, der jedes konsequente Heiligungsleben blockiert und unmöglich macht.

Hier müssen wir als gläubige Christen beständige Zucht, Enthaltsamkeit und Wachsamkeit üben. Es ist sehr wichtig, daß wir alle solchen Quellen der Befleckung meiden, soweit dies irgend möglich ist.

Die Nutzung des Internets bringt hier besondere Gefahren mit sich, weil in diesem Medium der Zugriff auf Unreines so leicht und heimlich möglich ist. Es ist heute für viele Gläubige aus beruflichen und anderen Gründen schwierig, auf das Internet ganz zu verzichten, aber es sollte nicht ohne ein gutes Schutzprogramm genutzt werden, das ungute Inhalte so konsequent wie möglich ausfiltert und abblockt.

Wenn sich ein Gläubiger von der Versuchung hat besiegen lassen und in dieser Hinsicht gestrauchelt ist, dann sollte er so schnell wie möglich damit zum Herrn gehen, darüber ernst und klar Buße tun, die Sünden klar bekennen (vor Gott, nötigenfalls auch vor einem Mitgläubigen). Dann müssen nötigenfalls auch radikale Schutzmaßnahmen getroffen werden, etwa der freiwillige Verzicht auf Internetnutzung ohne das Beisein anderer, damit die Sündenverstrickung nicht schlimmer wird. Unser Herr hat in diesem Zusammenhang gelehrt:

Und wenn dein Auge für dich ein Anstoß [zur Sünde] wird, so reiß es aus und wirf es von dir! Es ist besser für dich, daß du einäugig in das Leben eingehst, als daß du zwei Augen hast und in das höllische Feuer geworfen wirst. (Mt 18,9)

Wenn wir die Gemeinschaft mit unserem wunderbaren Herrn genießen und Seine Segnungen empfangen wollen, dann müssen wir uns konsequent reinigen von aller Verunreinigung (vgl. 2Kor 6,16-7,1).

Doch die Heiligung des Denkens hat nicht nur eine negative, sondern auch eine ebenso wichtige positive Seite. Wir sollten darauf achten, Unreines, Sündiges, Weltliches von unserem empfindsamen Geist fernzuhalten und uns von aller Befleckung des Geistes zu reinigen – aber wir sollten auch danach streben, uns mit solchen Dingen zu beschäftigen, die geistlich, göttlich und zur Auferbauung unseres Glaubens dienlich sind:

Im übrigen, ihr Brüder, alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend, was irgend eine Tugend oder etwas Lobenswertes ist, darauf seid bedacht! (Phil 4,8)

Das bedeutet, seine Zeit bewußt dafür einzusetzen, um viel in der Bibel, Gottes heiligem Wort, zu lesen, und dann auch in Literatur, die uns hilft, die Bibel besser zu verstehen und in unserem Leben umzusetzen. Auch das Hören guter Wortverkündigungen und Vorträge kann ein Segen sein. Wenn wir uns als Gläubige treffen und austauschen, dann sollte es auch um den Herrn und Sein Wort, um hilfreiche, auferbauende Gegenstände gehen, nicht um Nichtigkeiten und weltliches Gerede.

Nicht alles, was das Etikett „christlich“ trägt, ist wahrhaft auferbauend und hilfreich. Wir müssen hier die Warnung aussprechen, daß die meisten Bücher der großen evangelikalen Verlage seicht oder sogar irreführend sind. Viele „christliche“ Zeitschriften, Romane, „Lebenshilfebücher“, auch moderne Lebensbilder sind glaubensschädigend und machen den inneren Menschen krank, statt ihn zu stärken. Wir sollten sehr darauf achten, sorgfältig ausgesuchte, gesunde geistliche Kost zu uns zu nehmen.

 
 
 

5. Das Wort Gottes soll unser Denken bestimmen

 

Wie gerade schon angedeutet, spielt nach der Lehre der Bibel das Wort Gottes selbst eine zentrale Rolle in der Heiligung unseres Denkens. Wenn wir betend die Bibel lesen, dann wirkt dieses kraftvolle, inspirierte Wort Gottes auch an unserem Herzen und verändert uns.

Darum danken wir auch Gott unablässig, daß ihr, als ihr das von uns verkündigte Wort Gottes empfangen habt, es nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das auch wirksam ist in euch, die ihr gläubig seid. (1Th 2,13)

Diese lebendige Wirksamkeit wirkt sich zunächst auch in der Überführung von Sünde aus – und wenn wir uns diesem Wirken des Wortes nicht stellen, so wird auch die positiv auferbauende Wirkung des Wortes gehemmt oder gar blockiert:

Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. (Hebr 4,12)

Wenn wir das Wort Gottes studieren, dann werden wir dadurch weise und zugerüstet, unseren Weg mit dem Herrn treu zu gehen. Dabei betont das Wort Gottes selbst, wie wichtig es ist, regelmäßig – täglich – und intensiv in ihm zu forschen und über es nachzusinnen (vgl. 5Mo 17,19):

Sei du nur stark und sehr mutig, und achte darauf, daß du nach dem ganzen Gesetz handelst, das dir mein Knecht Mose befohlen hat. Weiche nicht davon ab, weder zur Rechten noch zur Linken, damit du weise handelst überall, wo du hingehst!

Laß dieses Buch des Gesetzes nicht von deinem Mund weichen, sondern forsche darin Tag und Nacht, damit du darauf achtest, alles zu befolgen, was darin geschrieben steht; denn dann wirst du Gelingen haben auf deinen Wegen, und dann wirst du weise handeln! (Jos 1,7-8; vgl. 5Mo 6,5-9)

Wir sollen uns Gottes Wort intensiv einprägen; es soll unser Herz und unsere Seele durchdringen und formen; das ist eine starke Ermutigung zum Auswendiglernen wichtiger Bibelstellen: „So nehmt euch nun diese meine Worte zu Herzen und in eure Seele, und bindet sie zum Zeichen auf eure Hand, und sie sollen zum Erinnerungszeichen über euren Augen sein“ (5Mo 11,18); „Ich bewahre dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht gegen dich sündige“ (Ps 119,11); „Ich will über deine Befehle nachsinnen und auf deine Pfade achten“ (Ps 119,15); „Wie habe ich dein Gesetz so lieb! Ich sinne darüber nach den ganzen Tag“ (Ps 119,97).

 
 
 
 

6. Der Kampf um unsere Gedanken

 

Beim Thema Heiligung der Gedanken dürfen wir auch nicht unterschätzen, daß wir auf diesem Gebiet in einem geistlichen Kampf stehen, bei dem der Widersacher versucht, unser Denken mit unreinen und verkehrten Gedanken anzugreifen, seine feurigen Pfeile auf uns abzuschießen, um uns zu beflecken, zu verwirren oder zu verführen. Davor warnt uns der Apostel Paulus im 2. Korintherbrief:

Ich fürchte aber, es könnte womöglich, so wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, auch eure Gesinnung [od. Denken] verdorben [und abgewandt] werden von der Einfalt gegenüber Christus. (2Kor 11,3)

In diesem geistlichen Kampf um unsere Gedanken gelten die Anweisungen und Lehren von Epheser 6. Wir sollen dem Feind entschlossen widerstehen, auch wenn er feurige Pfeile in unsere Gedanken sendet (das können z.B. unreine Gedanken, Lästergedanken oder depressive, herunterziehende Gedanken sein).

Wir dürfen mit dem Sieg des Herrn Jesus rechnen, der uns ermuntert hat: „Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch“ (Jak 4,7; vgl. 1Pt 5,9).

Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr standhalten könnt gegenüber den listigen Kunstgriffen des Teufels; denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Herrschaften, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis dieser Weltzeit, gegen die geistlichen [Mächte] der Bosheit in den himmlischen [Regionen].

Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr am bösen Tag widerstehen und, nachdem ihr alles wohl ausgerichtet habt, euch behaupten könnt. So steht nun fest, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, und angetan mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit, und die Füße gestiefelt mit der Bereitschaft [zum Zeugnis] für das Evangelium des Friedens.

Vor allem aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt, und nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist, indem ihr zu jeder Zeit betet mit allem Gebet und Flehen im Geist, und wacht zu diesem Zweck in aller Ausdauer und Fürbitte für alle Heiligen (…) (Eph 6,11-18)

In diesem Kampf kann uns auch das Zeugnis des Apostels Paulus eine Hilfe sein, das davon spricht, wie er gegen widergöttliche Gedankenfestungen und Vernunftschlüsse kämpft – wir können nur schlußfolgern, mithilfe von Gottes Wort und Gebet:

Denn obgleich wir im Fleisch wandeln, so kämpfen wir doch nicht nach Art des Fleisches; denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig durch Gott zur Zerstörung von Festungen, so daß wir Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und jeden Gedanken gefangennehmen zum Gehorsam gegen Christus (…) (2Kor 10,3-5)

Es ist also wichtig, daß wir über unseren Gedanken wachen und sie allezeit vom Wort Gottes her beurteilen, prüfen und korrigieren. Wir sollen fleischliche, sündige, zerstörerische Gedanken ablegen bzw. ihnen widerstehen. Wir sollen, wenn wir solche Gedanken gehegt haben, rasch vor Gott kommen, um sie als Sünde zu bekennen und ihnen keinesfalls Raum geben, in uns zu gären und uns womöglich zur Sünde in Wort oder Tat zu verführen.

Dasselbe gilt für unsere Gefühle und Empfindungen. Sie werden oft von unserem Fleisch geprägt und gespeist, und wir sollten sie vom Wort Gottes her prüfen und sündigen, zerstörerischen Gefühlen keinen Raum in unserem Leben geben.

Wir sollen allen sündigen Gefühlen widerstehen, sie ablegen, in den Tod geben und als Sünde vor Gott bekennen, wo wir ihnen Raum gegeben haben (vgl. u.a. Eph 4,26-32; Kol 3,5-8). Wir dürfen nicht dulden, daß solche sündigen Emotionen uns beherrschen und zur Sünde in Wort und Tat treiben.

Besonders jüngeren Gläubigen und Schwestern im Herrn werden die fleischlichen Gefühle vielfach eine geistliche Gefahr. Sie lassen sich von Gefühlen treiben und unterschätzen oft die Macht solcher Gefühle, wenn wir ihnen einmal genügend Raum gegeben haben. Sie sind oft unnüchtern und sehen nicht, daß Gefühle nichts Neutrales, Harmloses sind – entweder sie werden aus dem Geist Gottes gespeist und sind auferbauend und hilfreich (wie etwa herzliche Barmherzigkeit, Güte, Milde), oder sie kommen aus dem Fleisch und haben die Kraft, uns zu Sünde zu verleiten.

Manche ungefestigten Gläubigen sind schon durch scheinbar „positive“, „harmlose“ Gefühle wie Verliebtheit oder Mitleid (es gibt auch fleischliches Mitleid!) in schlimme Sünden wie Hurerei, Beziehungen zu Ungläubigen oder Ehebruch verleitet worden. Der Wunsch nach Anerkennung und Geltungssucht kann uns auch zu vielen Sünden verleiten, ebenso Selbstmitleid.

Natürlich gilt das auch für die negativen Gefühle, die oft in uns hochsteigen und manchmal sehr mächtig und gefährlich sein können – etwa Enttäuschung und Vergeltungssucht, Verbitterung oder Haß, Verachtung, Neid, Wut, Ärger, Spottsucht, Kritiksucht, Verleumdungssucht.

Solchen Gefühlen müssen wir entschieden widerstehen, sobald sie aufkommen wollen; wir müssen sie vor Gott verurteilen, entschieden ablegen und stattdessen die von Gottes Wort gebotenen entgegengesetzten geistlichen Impulse bewußt anziehen.

 
 
 

7. Heiligung in unseren Worten

 

Mit unseren Gedanken eng verbunden sind unsere Worte. Der Mensch hat die Fähigkeit, seine Gedanken und Gefühle in Worten auszudrücken. Diese von Gott gegebene Gabe hat der sündige, gefallene Mensch leider schlimm mißbraucht. Er benutzt seine Worte, um die Wahrheit zu verschleiern oder ganz zu entstellen, um sich selbst in ein gutes Licht zu stellen und um andere zu erniedrigen und zu verletzen.

Dabei geht es nicht nur um die Worte an sich, sondern auch um die Art und Weise, wie wir sie sagen – wir können mit unserem Tonfall und anderen nichtverbalen Hilfsmitteln Überheblichkeit, Verachtung oder Spott zum Ausdruck bringen. Der sündige Mensch mißbraucht seine Lippen und seine Zunge, um viel Böses anzurichten. Unsere Worte können Menschen verletzen wie Schwertstiche, sie können sie entmutigen, in Verzweiflung und Verbitterung treiben. Sie können ihnen schwerwiegende materielle und soziale Nachteile und Schäden zufügen (etwa bei Verleumdungen und Falschaussagen).

Worte können zur Sünde verführen, können Menschen schwerwiegend in die Irre führen, können manchmal Leben ruinieren. Nicht umsonst mahnt uns die Bibel oft, welche zerstörerische Macht in unseren Worten liegen kann (vgl. u.a. Spr 10,19; 12,8; 15,1; 18,8; 29,20).

Denn wir alle verfehlen uns vielfach; wenn jemand sich im Wort nicht verfehlt, so ist er ein vollkommener Mann, fähig, auch den ganzen Leib im Zaum zu halten.

Siehe, den Pferden legen wir die Zäume ins Maul, damit sie uns gehorchen, und so lenken wir ihren ganzen Leib. Siehe, auch die Schiffe, so groß sie sind und so rauh die Winde auch sein mögen, die sie treiben – sie werden von einem ganz kleinen Steuerruder gelenkt, wohin die Absicht des Steuermannes will.

So ist auch die Zunge ein kleines Glied und rühmt sich doch großer Dinge. Siehe, ein kleines Feuer – welch großen Wald zündet es an! Und die Zunge ist ein Feuer, eine Welt der Ungerechtigkeit. So nimmt die Zunge ihren Platz ein unter unseren Gliedern; sie befleckt den ganzen Leib und steckt den Umkreis des Lebens in Brand und wird selbst von der Hölle in Brand gesteckt. (Jak 3,2-6)

Wenn wir nun uns bekehrt haben zu dem heiligen Gott, sollten wir auch über all unseren Zungensünden aufrichtig und gründlich Buße tun und danach streben, unsere Lippen nunmehr zu heiligen und sie dazu gebrauchen, Gott zu ehren, Seine Wahrheit und Sein Wort weiterzugeben, Menschen zu ermuntern, zu trösten und zur Buße zu führen. Heiligung schließt den ganzen Bereich unseres Redens mit ein:

Darum legt die Lüge ab und »redet die Wahrheit, jeder mit seinem Nächsten« (Eph 4,25)

Kein schlechtes Wort soll aus eurem Mund kommen, sondern was gut ist zur Erbauung, wo es nötig ist, damit es den Hörern Gnade bringe. (Eph 4,29)

Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan samt aller Bosheit. (Eph 4,31)

Unzucht aber und alle Unreinheit oder Habsucht soll nicht einmal bei euch erwähnt werden, wie es Heiligen geziemt; auch nicht Schändlichkeit und albernes Geschwätz oder Witzeleien, die sich nicht gehören, sondern vielmehr Danksagung. (Eph 5,3-4)

Wir sollten unsere Reden in Gottesfurcht führen, in dem Wissen, daß auch alle unsere Worte einmal vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden und beurteilt werden (vgl. Mt 12,37; 1Kor 4,5; 2Kor 5,10). Wir sollten die Wahrheit in Liebe sagen (vgl. Eph 4,15), was manchmal auch bedeutet, etwas Schweres, Klärendes zu sagen, das nicht angenehm für den Hörer ist, aber ihm weiterhilft. Immer sollten unsere Worte von der Liebe, Sanftmut und Wahrheit Gottes geprägt sein, in Gnade, allezeit mit Salz gewürzt (Kol 4,6; 2Tim 2,24-25).

Eine besondere Verantwortung haben hier die Verkündiger des Wortes Gottes: „In der Lehre erweise Unverfälschtheit, würdigen Ernst, Unverderbtheit, gesunde, untadelige Rede, damit der Gegner beschämt wird, weil er nichts Schlechtes über euch sagen kann“ (Tit 2,7-8). Gerade der Diener des Wortes sollte sich hüten, durch leichtfertige Reden, durch Erwähnung von Unzüchtigem, durch Witzeleien oder etwas anderes Verdorbenes die Zuhörer zu belasten und das Wort des Herrn in seiner Wirkung zu beeinträchtigen.

 
 
 
 
Dieser Beitrag ist ein gekürzter Auszug aus der ausführlicheren Schrift von Rudolf Ebertshäuser „Seid heilig, denn ich bin heilig!“ Biblische Hilfen zu einem Leben in der Heiligung
 
 

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Weiterführende Literatur

Rudolf Ebertshäuser, Christus – unsere Heiligung. Eine biblische Ermutigung zu einem geheiligten Leben für Gott. Steffisburg (Edition Nehemia)  2011, 224 S.

Rudolf Ebertshäuser, Auf dem Weg zur geistlichen Reife. Biblische Hilfen für unser geistliches Wachstum. Steffisburg (Edition Nehemia)  2010, 192 S.

 

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