Ein Überblick über die Lehren des Römerbriefs

 

Der Apostel Paulus zeigt uns im Römerbrief die wunderbare Errettung des Sünders aus Schuld und Gericht, aus der Macht der Sünde und des Todes auf. Er behandelt die verschiedenen Seiten dieser Errettung: Wie Gott den Sünder, der vor Gott keine Entschuldigung hat und rettungslos verloren ist (Röm 1,18 bis 3,20), aus Gnade durch den Glauben rechtfertigt und mit sich versöhnt durch das vollkommene Sühnopfer Jesu Christi (Röm 3,21 bis 4,25); wie Er dem Sünder durch Christus Gerechtigkeit und Frieden mit Gott verleiht und ihn auf das völligste von der Sünde errettet durch überströmende Gnade (Röm 5,1-21).

In Römer 6 nun zeigt Paulus, daß die Errettung aus Gnade keine Freiheit zum Fortfahren in der Sünde beinhaltet, sondern daß die Gemeinschaft mit Christus, in die der Gläubige gebracht worden ist, ihm durch den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu Christi eine umfassende Befreiung von der Macht der Sünde und des Fleisches schenkt. Er soll sich der Sünde und dem Fleisch für gestorben halten und darf nun in der Kraft der Auferstehung Christi in einem neuen Leben wandeln, indem er sich ganz Gott zur Verfügung stellt.

In Römer 7 zeigt der Apostel dann, daß der Gläubige durch Christus auch von dem Gesetz Moses befreit ist und durch eine Orientierung auf das Gesetz nur zur völligen Kraftlosigkeit und zum Versagen geführt wird. Das Gesetz appelliert nur an das Fleisch und kann dem Gotteskind keine Kraft gegen das Fleisch und die Sünde verleihen. Diese Kraft empfängt er nur, wenn er erkennt, daß er von Gott einsgemacht ist mit Christus und aus dem Geltungsbereich des Gesetzes herausgenommen wurde.

In Römer 8 wird deutlich, daß der Sieg über Sünde und Fleisch durch einen Wandel in der Kraft des Heiligen Geistes gewonnen wird, und daß der Gläubige, der sich durch das Zeugnis des Geistes der Gotteskindschaft und der Liebe Gottes gewiß ist, auch Kraft zum Überwinden aller Versuchungen und Widrigkeiten hat – Kraft zu einem triumphierenden Überwinderleben zur Ehre Gottes.

 
 
 

Die Aussagen von Römer 5,12-21

 

Die Ausführungen des Apostels im zweiten Teil des 5. Kapitels zeigen, daß wir durch unser natürliches Haupt, Adam, Teilhaber der Sünde und des Todes geworden waren, ohne daß wir selbst etwas dazu taten (obgleich wir für die aus unserer Sündennatur folgenden Sünden sehr wohl verantwortlich sind). Adam, unser Haupt, hatte mit seiner Sünde sozusagen alles für uns vollbracht – zum Bösen, zum Verderben.

Nun hat es Gott in seiner Gnade so gefügt, daß wir einem neuen Haupt angehören, dem zweiten Adam (vgl. 1Kor 15,45-47), Seinem Sohn Jesus Christus, der sich für uns opferte am Kreuz. Und jetzt kommen wir durch unsere Gemeinschaft mit Christus in den Genuß alles dessen, was unser Haupt für uns vollbrachte: Wir empfangen Leben und Gerechtigkeit, wir werden aus Gnade in die Stellung von Gerechten gebracht.

Christus hat allen Schaden, den Adam über uns brachte, ausgelöscht und uns völlig aus Sünde, Verderbnis und Tod errettet. Das Kapitel klingt aus in dem triumphierenden Bekenntnis:

Denn wenn infolge der Übertretung des Einen der Tod zur Herrschaft kam durch den Einen, wieviel mehr werden die, welche den Überfluß der Gnade und das Geschenk der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den Einen, Jesus Christus!

Also: wie nun durch die Übertretung des Einen die Verurteilung für alle Menschen kam, so kommt es auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung, die Leben gibt. Denn gleichwie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu Sündern gemacht worden sind [od. in die Stellung von Sündern gebracht worden sind], so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten gemacht [od. in die Stellung von Gerechten gebracht].

Das Gesetz aber ist daneben hereingekommen, damit das Maß der Übertretung voll würde. Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden, damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn. (Röm 5,17-21)

Solcher Triumph der Gnade erweckt in dem gesetzlichen, fleischlichen Sinn des Menschen rasch Widerstand und Mißtrauen: Ja, wenn nun der Gläubige einfach von aller Sünde freigesprochen wird und nicht mehr unter dem Gericht steht – dann wird er womöglich jetzt munter drauflossündigen!

Ist nicht all das Reden von der Gnade nur ein Vorwand, um das Sündigen zu erleichtern? Brauchen wir nicht doch das Drohen des Gesetzes, um die Menschen zum Gehorsam gegen Gottes Gebote zu bringen? So denken heute noch viele Gläubige, die durch das reformatorische Christentum geprägt wurden.

 
 
 

Die Gnade darf kein Vorwand für das Sündigen sein (Römer 6,1-2)

 

Auf solche Einwände (die zu seiner Zeit sicherlich vor allem von gläubigen und ungläubigen Juden kamen) antwortet der Apostel zu Beginn des 6. Kapitels:

1 Was wollen wir nun sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit das Maß der Gnade voll werde? 2 Das sei ferne! Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben?

Das Fleisch des Menschen sucht instinktiv das Gesetz und fühlt sich unbehaglich angesichts der Botschaft von der freien Gnade, die all sein Bemühen, seine Kräfte und Wirkungen einfach beiseitesetzt und das Werk der Errettung nur Gott zuschreibt.

Deshalb deutet das Fleisch auch die Freiheit des Geistes, in die uns die Gnade versetzt, als Freiheit zum Sündigen. Leider geschieht das auch von vielen fleischlichen Christen so, die tatsächlich ihre Freiheit in Christus mißbrauchen, um Sünde und Weltförmigkeit dadurch zu rechtfertigen (vgl. Gal 5,13; 1Pt 2,15-16).

Doch unsere Freiheit in Christus ist uns gegeben, damit wir Gott freiwillig und von Herzen dienen in der Kraft des Geistes und ein fruchtbares Leben zu Seiner Ehre führen. Keineswegs darf sie ein Vorwand sein, ein selbstsüchtiges Leben in Sünde zu führen. „Das sei ferne!“

Der Ausruf des Apostels zeigt, wie empört und entsetzt der Geist Gottes in ihm auf eine solche unreine und bösartige Mißdeutung reagiert. Wer den heiligen Gott erkennt hat und in der Furcht Gottes lebt, kann solch einen Gedanken nur zutiefst zurückweisen. Wie leichtfertig dagegen sind heute oft bekennende Christen mit der Sünde um! Wie oft dient heute eine entstellte Botschaft von der billigen Gnade zum Vorwand, um Sünde zu rechtfertigen!

Paulus zeigt hier eine wichtige Wahrheit auf, die er in dem ganzen folgenden Abschnitt weiter vertiefen wird. Alle wahren, wiedergeborenen Gläubigen sind der Sünde gestorben. Sie sind tot in bezug auf die Herrschaftsansprüche und Versuchungen der Sünde.

Das ist eine objektive Feststellung, ein objektiv vorhandener Zustand, unabhängig davon, wie wir uns fühlen. Es ist ein geistlicher Zustand – unser Leib ist noch lebendig und kann auf die Sünde sehr wohl noch reagieren, aber unser innerer Mensch ist tot für die Sünde, und damit wir als Person. Wir sind der neue Mensch, den Gott in uns schuf! Wie könnten wir, die wir mit Christus in Gemeinschaft sind, noch in der Sünde leben? (Vgl. u.a. 1Kor 6,9-10; Eph 5,5-11; 1Joh 2,4; 3,4; 3,8-10; 5,17-18.)

 
 
 

Der Gläubige ist mit Christus einsgemacht
in Tod und Auferstehung (Römer 6,3-5)

 

Nun kommt der Apostel Paulus auf die entscheidende Wahrheit zu sprechen, die vielen Gläubigen heute nicht klar bewußt ist:

3 Oder wißt ihr nicht, daß wir alle, die wir in Christus Jesus hinein getauft sind, in seinen Tod getauft sind?

Paulus weist hier auf die Taufe hin. Die biblische Wassertaufe als ein symbolisches Zeugnis geschieht ja durch Untertauchen im Wasser, was Tod und Begrabenwerden symbolisiert, ebenso wie das anschließende Wiederauftauchen aus dem Wasser zeichenhaft für die Auferstehung aus dem Tod gedeutet werden kann. Der Gläubige wird in Christus hinein (oder nach anderer Übersetzung: auf Christus; das griechische eis kann beides bedeuten) getauft.

Die innere, geistliche Wirklichkeit dieser Beziehung mit Christus kann natürlich durch das Symbol der Wassertaufe nicht bewirkt werden; die Wassertaufe ist ein äußerliches Bekenntnis, das auch von unechten, nicht wiedergeborenen Christen abgelegt werden kann.

Keineswegs ist die Wassertaufe ein „Sakrament“ im Sinne der heidnischen Irrlehren der Großkirchen, das womöglich geistliche Veränderungen in einem Menschen bewirken könnte. Die innere Realität wird durch den Geist Gottes bei der Wiedergeburt bewirkt (man kann es auch so deuten: durch die Taufe mit dem Geist Gottes, die den Gläubigen laut 1Kor 12,13 in den Leib des Christus und damit in Christus hineinversetzt).

In jedem Fall erinnert uns die Symbolik der Taufe daran, daß wir durch den Glauben an Christus in eine enge Lebensverbindung mit Ihm gebracht sind, die uns zunächst auch in Seinen Tod mithineinversetzt. Wir können also sagen: Als Christus am Kreuz starb, starb auch ich. Sein Tod ist auch mein Tod.

Hier geht es nicht um ein subjektives, mystisches Gefühl, daß wir sagen könnten: „Ich fühle mich mit Christus gestorben“, oder „Ich habe es in einer Vision erlebt, wie ich mit Christus starb“. Es geht um einen objektiven geistlichen Tatbestand, den ich weder spüren noch schauen kann, sondern mit dem ich im Glauben rechnen muß. Das führt der Apostel in den nächsten Versen weiter aus:

4 Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. 5 Denn wenn wir mit ihm einsgemacht und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein;

Als Gläubige haben wir Anteil an dem Christus. Was Sein ist, so dürfen wir das in aller Vorsicht und Demut sagen, das gehört auch uns, weil Er uns aus Gnade an Seiner Fülle Anteil gegeben hat!

Zunächst bedeutet dies: Ich bin in Seinen Tod hineinversetzt; in V. 5 drückt es der Heilige Geist so aus: Ich bin mit Christus einsgemacht und ihm gleich geworden in Seinem Tod. Sein Tod, so darf der Gläubige bekennen, ist auch mein Tod. Ich bin geistlicherweise mit Christus der Sünde gestorben. Wir werden in den folgenden Versen noch sehen, was das für Konsequenzen hat.

Aber unsere Vereinigung mit Christus bleibt nicht bei Seinem Tod stehen. So wie der Tod Jesu Christi den übergeordneten Zweck hatte, unsere Sünden wegzutun, um uns zu rechtfertigen und als Erlöste in Gemeinschaft mit dem Vater zu bringen, so hat auch unser Mitgestorbensein mit Christus den Zweck, unseren alten Menschen und unser Fleisch beiseitezuschaffen, in ihrem sündigen Einfluß auszuschalten, damit wir in einem neuen Leben für Gott Frucht bringen.

Wir sind also auch einsgemacht mit der Auferstehung des Christus und haben Anteil an ihr – nicht nur im Hinblick auf unsere künftige Auferstehung, sondern schon jetzt in diesem Leben. Im Epheserbrief drückt es der Apostel so aus:

Gott aber, der reich ist an Erbarmen, hat um seiner großen Liebe willen, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren durch die Übertretungen, mit dem Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr errettet! – und hat uns mitauferweckt und mitversetzt in die himmlischen [Regionen] in Christus Jesus … (Eph 2,4-6)

Auch wir sind also durch die Herrlichkeit des Vaters aus unserem geistlichen Todeszustand auferweckt worden, weil wir Christus angehören. Dieselbe wunderbare Kraft und Macht und Stärke, die bei der Auferweckung des Christus wirksam war, ist auch in uns wirksam (Eph 1,19-20).

Der Zweck unserer Vereinigung mit Christus ist, daß wir, befreit von der Sünde, für Gott „in einem neuen Leben [w. in Neuheit des Lebens] wandeln“. Die Kraft diesen neuen Lebens ist „Christus in uns“, oder, anders ausgedrückt, die siegreiche Kraft des Auferstehungslebens des Christus, die durch den Heiligen Geist in uns ist und an der wir Anteil haben.

In V. 5 bekräftigt der Apostel Paulus das Argument von V. 4 noch einmal und macht deutlich, daß die Einswerdung mit dem Tod Jesu Christi folgerichtig auch die Einswerdung mit Seiner Auferstehung bedeutet. Dem Zusammenhang nach geht es hier in erster Linie um das gegenwärtige, geistliche Mitauferstandensein, das mit zwingender Logik (so kann die Zukunftsform hier gut verstanden werden) aus dem Einsein mit dem Tod folgt.

Das griechische Wort für „einsgemacht“ in V. 5 (sym-phytos) bedeutet auch „zusammengepflanzt“, „zusammengewachsen“ und kann auch übersetzt werden mit „von Natur einsgemacht/verbunden“.

Das erinnert uns an das Bild vom Weinstock, der mit den Reben organisch verbunden ist; es kann auch darauf hinweisen, daß wir in Christus „eingepfropft“ wurden, um für Ihn Frucht zu bringen (vgl. Röm 11,17). Auf jeden Fall drückt es eine organische Verbindung aus. So wie wir bekennen dürfen: „Ich bin mit Christus gestorben!“, dürfen wir auch bekennen: „Ich bin mit Christus zu neuem Leben auferstanden!“

Und wir dürfen uns immer wieder bewußt machen, was für ein herrlicher Sieg uns zugesichert ist durch die Gemeinschaft mit der Auferstehung des Christus. Unser Herr Jesus Christus hat durch Seine triumphale Auferstehung aus den Toten einen wunderbaren Sieg errungen über den Tod, den Teufel, die Sünde, das Fleisch und die Welt. Er hat das Alte überwunden und ist der Erstling der neuen Schöpfung Gottes geworden.

Dieser Sieg der Auferstehung ist unser Sieg! Und die herrliche Kraft des Auferstehungslebens Jesu Christi, die Ihn über Leid, Not, Sünde, Verderbnis, Lüge, Haß triumphieren ließ, die Ihn siegen ließ über die Macht Satans, diese Kraft ist in uns durch den Glauben wirksam, wenn wir mit dem Herrn wandeln.

 
 
 

Unser alter Mensch ist mitgekreuzigt worden (Römer 6,6-7)

 

Nun geht der Apostel konkreter auf die Grundlage unseres Siegeslebens ein. Es geht nicht um ein Erlebnis oder ein religiöses Gefühl, sondern darum, daß wir eine geistliche Tatsache anerkennen, daß wir darum wissen, daß unser alter Mensch, der sündige Rebell, mit Christus am Kreuz hingerichtet wurde und daher tot ist:

6 wir wissen ja dieses, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde außer Wirksamkeit gesetzt sei, so daß wir der Sünde nicht mehr dienen; 7 denn wer gestorben ist, der ist von der Sünde freigesprochen.

Wir erinnern uns: In Eph 4,22 und Kol 3,9 spricht der Apostel davon, daß wir den alten Menschen abgelegt bzw. ausgezogen haben; hier ist die Rede davon, daß er mitgekreuzigt wurde und daher getötet ist.

Das also ist das Geheimnis, wie wir die Wirkung des Fleisches überwinden können, die unserem geistlichen Leben für Gott so massiv im Wege steht: nicht durch eigene Anstrengungen, asketische Bußübungen oder Versenkung in religiöse Empfindungen, sondern durch ein Im-Glauben-Rechnen mit einer vor 2.000 Jahren geschehenen Tatsache. Auch an anderer Stelle betont Paulus die Wichtigkeit dieses Mit-Christus-Gekreuzigtseins. So bekennt er im Galaterbrief:

Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nun lebe ich, aber nicht mehr ich [selbst], sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. (Gal 2,20)

Durch diese Glaubensstellung bewirkt der Geist Gottes dann, daß auch der Leib der Sünde außer Wirksamkeit gesetzt wird. Diese von Schlachter 1951/2000 gewählte Übersetzung ist hier m.E. sehr treffend; andere Übersetzungen sind z.T. eher mißverständlich. Luther z.B. übersetzt „auf daß der sündliche Leib aufhöre“; Menge übersetzt „vernichtet werde“, Elberfelder „abgetan sei“. Die alte Zürcher hat ähnlich wie Schlachter „kraftlos gemacht werde“.

Später bezeugt er die wichtige Tatsache: „Die aber Christus angehören, die haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten.“ (Gal 5,24). „Von mir aber sei es ferne, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt“ (Gal 6,14).

Also: unser alter Mensch ist durch die Kraft des Kreuzestodes Jesu Christi mit getötet worden, und das wird in dem Moment bei uns wirksam, in dem wir gläubig werden und den Geist Gottes empfangen. Wir sind der Welt, der Sünde, den Versuchungen des Fleisches objektiv gestorben und sollen das im Glauben verwirklichen.

Das ist ganz offenkundig hier der Sinn, denn unser sündlicher Leib ist ja bei der Wiedergeburt nicht vernichtet oder abgetan worden, sondern er bleibt uns bis zum leiblichen Tod oder bis zur Entrückung. Doch seine Wirksamkeit, uns durch sündige Begierden und Lüste zu steuern, wird durch das Mitgekreuzigtsein aufgehoben; er hat, wenn wir unsere Glaubensstellung richtig einnehmen, nicht mehr die Kraft, uns zum Sündigen zu verleiten.

Die Auswirkung ist, daß wir der Sünde nicht mehr als Sklaven dienen (gr. douleuo). Wir haben Freiheit gegenüber der Sünde, Sieg über die Sünde! Wie wunderbar und gewaltig ist diese Verheißung der Schrift!

Kein Gläubiger ist mehr gezwungen zu sündigen. Die Sünde hat keine bestimmende Macht mehr über ihn; sie kann ihn wohl noch verführen, aber nicht mehr beherrschen; er kann noch von der Sünde überrumpelt werden und in ihre Fallstricke fallen, aber er muß darin nicht bleiben. Der Gläubige kann von jeder Sünde und Sündenbindung frei werden, wenn er mit Christus wandelt.

Der Apostel Paulus drückt es hier so aus: Wenn ein Mensch gestorben ist, dann hat die Sünde keinen Rechtsanspruch mehr an ihn; einen Toten kann die Sünde nicht mehr beherrschen; er ist durch höchsten Richterentscheid von ihr freigesprochen (w. gerechtfertigt). In diesem Vers 7 spricht Paulus die Konsequenz des Mitgekreuzigtseins ganz deutlich aus: Ein Mitgekreuzigter ist gestorben; er ist effektiv tot!

Davon spricht der Apostel Paulus auch an anderen Stellen: „Wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben“ (2Kor 5,14; vgl. 2Tim 2,11); also durch den Tod des Christus, unseres Hauptes, sind auch wir geistlich gesehen unserem alten Leben gestorben. In ähnlichem Sinn fragt der Apostel: „Wenn ihr nun mit Christus den Grundsätzen der Welt gestorben seid, weshalb laßt ihr euch Satzungen auferlegen, als ob ihr noch in der Welt lebtet?“ (Kol 2,20).

Wie eindringlich und knapp zeigt uns der Apostel unsere geistliche Stellung zu unserem alten Leben Kol 3,3: „denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott“.

Auch im 1. Petrusbrief finden wir ein verwandtes Zeugnis: „Er hat unsere Sünden selbst an seinem Leib getragen auf dem Holz, damit wir, den Sünden gestorben, der Gerechtigkeit leben mögen; durch seine Wunden seid ihr heil geworden“ (1Pt 2,24).

 
 
 
 
Dieser Beitrag ist ein gekürzter Auszug aus der ausführlicheren Schrift von Rudolf Ebertshäuser Mit Christus gekreuzigt und auferweckt. Biblische Hilfen zu einem Überwinderleben
 
 

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Weiterführende Literatur

Rudolf Ebertshäuser, Christus – unsere Heiligung. Eine biblische Ermutigung zu einem geheiligten Leben für Gott. Steffisburg (Edition Nehemia)  2011, 224 S.

Rudolf Ebertshäuser, Auf dem Weg zur geistlichen Reife. Biblische Hilfen für unser geistliches Wachstum. Steffisburg (Edition Nehemia)  2010, 192 S.

 

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