Der ökumenische Welteinheitstext des NT
und die Bedeutung des Textus Receptus heute

 

 

Als Gläubige, die in der letzten Zeit vor der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus leben, müssen wir besonders wachsam gegen Verführungen jeglicher Art sein. Unser treuer Herr hat seine Jünger gewarnt: „Habt acht, daß euch niemand verführt!“ (Mt 24,4). Wir leben in schlimmen Zeiten (vgl. 2Tim 3,1) und sind in ernste geistliche Kämpfe hineingestellt.

Diese Zeit ist besonders gekennzeichnet von einer immer stärker werdenden Tendenz zum Abfall vom biblischen Glauben, zur Relativierung und Auflösung von Gottes Wort. Sie bringt immer lautere Lippenbekenntnisse zu Christus und einem falschen Christentum mit sich („Verliebt in Jesus“, „Leidenschaft für Jesus“), gepaart mit einer Verleugnung des biblischen Herrn Jesus Christus und des echten Glaubenslebens in Gehorsam und Kreuzesnachfolge. Bibelkritik und Mystik, Lügen-Offenbarungen falscher Propheten und die Mißachtung des inspirierten Schriftwortes gehen Hand in Hand.

All diese widergöttlichen Entwicklungen drängen mit zunehmender Kraft auf die Zerstörung der Fundamente des biblischen Glaubens, auf die Auflösung evangelisch-bibeltreuer Glaubenspositionen zugunsten eines breiten, vermischten Stroms ökumenischer Einheit. Das wahre biblische Evangelium wird zunehmend verwässert und verfälscht, so daß der Unterschied zu dem anderen, falschen Evangelium der römisch-katholischen Kirche (oder auch dem falschen „Glaubens“- und „Wohlstands“evangelium vieler Charismatiker) nicht mehr erkennbar ist.

Die Lehre und das Zeugnis der Reformation, der biblischen Täufer und der anderen evangelischen treuen Gläubigen soll untergraben, verfälscht und umgedeutet werden, um der großen, antichristlichen Einheit willen, die zwischen Namenschristen und echten Christen, zwischen Katholischer Kirche und Protestanten, zwischen biblischen Gemeinden und unbiblischen Kirchen und Sekten geschmiedet werden soll. Das große Ziel dieser Entwicklung ist uns in der Bibel geoffenbart: BABYLON, DIE GROSSE, die Hure, die antichristliche Welteinheitskirche (vgl. Offb 17 und 18).

In diese geistliche Sicht der Endzeit und ihrer Herausforderungen für den treuen Überrest der Gläubigen müssen wir auch den veränderten Grundtext der modernen Theologie und der modernen Bibelübersetzungen einordnen. Es muß doch jedem nüchternen, treuen Gläubigen zu denken geben, daß der heute überall gültige „Nestle-Aland“-Text von einer Handvoll ungläubiger Wissenschaftler herausgegeben wird, die einen bibelkritischen, ökumenischen Standpunkt haben, darunter einem Kardinal der Katholischen Kirche. Diese Männer entscheiden per Mehrheitsabstimmung (!), was in den modernen Bibeln stehen soll und was nicht.

Können wir als Gläubige der Entscheidung solcher Leute das Wort Gottes anvertrauen? Der von ihnen herausgegebene Text stützt sich ganz in Übereinstimmung mit seinen Vorgängern einseitig und willkürlich auf die gnostisch verfälschten alexandrinischen Handschriften und verwirft den zuverlässigen byzantinischen Mehrheitstext an fast allen Stellen. Er bedeutet eine verhängnisvolle Abkehr von dem bewährten Text der Reformation und eine Hinwendung zu der von der Katholischen Kirche vertretenen Textüberlieferung. Es ist deshalb bezeichnend, daß die Katholische Kirche den Nestle-Aland-Text offiziell anerkannt und übernommen hat!

Der „Nestle-Aland“-Text wurde, wie schon erwähnt, durch ein Abkommen zwischen dem Vatikan und den liberal-bibelkritischen Weltbibelgesellschaften im Jahr 1968 zum allein verbindlichen Text für alle Bibelübersetzungen weltweit, ob katholisch oder evangelisch, erklärt. (Der Wortlaut der Vereinbarung ist inzwischen auf Das-Wort-der-Wahrheit.de nachzulesen, siehe unten.) Auch in Forschung, Lehre und kirchlicher Praxis nimmt er eine international beherrschende Stellung ein. Damit ist der Text der Gnostiker und Irrlehrer der frühen Jahrhunderte zum ökumenische Welteinheitstext der endzeitlichen Namenschristenheit geworden! Der zuverlässige Text der Reformation dagegen wird beiseitegedrängt, verächtlich gemacht und soll in Vergessenheit geraten.

Diese Entwicklungen sind für den geistlich wachsamen Gläubigen nicht zufällig oder unwichtig. Sie gehören in den Rahmen der oben beschriebenen endzeitlichen Verführungs- und Auflösungstendenzen. Den treuen Gläubigen soll ihr zuverlässiger, untrüglicher Maßstab genommen werden und durch einen ungenauen, verkürzten Maßstab ersetzt werden. Das scharf geschliffene Schwert des Geistes, das die Bibeln der Reformations- und Erweckungslinie noch darstellten, soll durch ein schartiges, mit Bruchstellen durchsetztes Schwert ersetzt werden, das im Kampf nicht recht taugt. Das ist besonders ernst im Hinblick auf die schwerer werdenden Kämpfe, die aufgrund der zugespitzten endzeitlichen Entwicklung vor uns stehen.

Wir dürfen dankbar sein, daß durch Gottes Gnade doch einige bibeltreue Christen sich von diesen verführerischen Tendenzen ferngehalten haben. Viele treue Gläubige haben an den altbewährten Bibelübersetzungen wie der Luther 1912, der King-James-Bibel, der Reina-Valera usw. festgehalten. Das Wissen um den geistlichen Hintergrund der neuen, veränderten Bibeln fehlt zwar vielfach, aber das geistliche Gespür vieler Gläubiger leitete sie, an dem Bewährten festzuhalten.

Was wir heute brauchen, ist darüber hinaus eine klare Erkenntnis der geistlichen Hintergründe der Textkritik und der modernen Bibeln, und ein ganz nüchternes, waches, bewußtes Festhalten am überlieferten Text der Reformation.

Es ist sehr bedauerlich, daß die unterschiedlichen Auffassungen über den Grundtext des NT heute immer wieder zu polemischen Auseinandersetzungen führen. Auch aufrichtige, bibeltreue Verkündiger des Wortes Gottes verteidigen heute den Nestle-Aland-Text und sprechen sich gegen den Textus Receptus aus.

Die Prägung durch Traditionen (z. B. in der „Brüderbewegung“) oder der Einfluß der akademischen Theologie spielen dabei oft eine traurige Rolle und trüben das geistliche Urteil von Brüdern, die in anderen Fragen noch klar sehen. Wir sollten solchen Brüdern in Liebe begegnen und sie nicht verurteilen, aber wir müssen uns ihren fehlgeleiteten Ansichten nicht unterwerfen.

Die nötige Aufklärung über die modernen Bibelübersetzungen sollte auf jeden Fall nicht zu Spaltungen und ungeistlichen Auseinandersetzungen unter bibeltreuen Christen führen. Deshalb braucht es heute viel Gebet für die verantwortlichen Brüder und für bibeltreue Gemeinden, daß die schädlichen Einflüsse der Textkritik doch noch erkannt werden, und daß der Herr Gnade schenkt, damit diese Fragen von allen Verantwortlichen in einer geistlichen Weise behandelt werden.

Dazu ist auch Besonnenheit und geistliche Gesinnung der Befürworter des Textus Receptus vonnöten. Jede wilde, überzogene Polemik, wie sie etwa manche Anhänger der „King-James-Only“-Bewegung üben, kann in einer solchen Frage nur Schaden anrichten. Es bedarf einer geduldigen geistlichen Überzeugungsarbeit, um die Einheit des Geistes auch bei unterschiedlichen Auffassungen zu bewahren.

Heute ist es wichtiger denn je, gesunde, nach bibeltreuen Grundsätzen und dem bewährten Grundtext übersetzte Bibelübersetzungen zu bewahren und zu fördern. Dazu gehört im deutschsprachigen Raum neben der Lutherbibel 1912 auch die revidierte Schlachterbibel.

Das ist mit eingeschlossen in den Auftrag, den wir alle gemäß dem Wort aus 2Tim 1,13-14 haben: „Halte dich an das Muster der gesunden Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe, die in Christus Jesus ist! Dieses edle anvertraute Gut bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt.“

Wir müssen über unseren Bibeln wachen und den hohen Wert einer geistlich gesunden Übersetzung erkennen. Möge der Herr selbst noch vielen Gläubigen in diesen ernsten Tagen die Augen öffnen, damit sie die Bedeutung der Bibelfrage in der letzten Zeit erkennen!

Das Gesetz des HERRN ist vollkommen,
es erquickt die Seele;
das Zeugnis des HERRN ist zuverlässig,
es macht die Unverständigen weise.
Die Befehle des HERRN sind richtig,
sie erfreuen das Herz;
das Gebot des HERRN ist lauter,
es erleuchtet die Augen.
Die Furcht des HERRN ist rein,
sie bleibt in Ewigkeit;
die Bestimmungen des HERRN sind Wahrheit,
sie sind allesamt gerecht.
(Psalm 119,8-10)

 

Dieser Beitrag ist ein gekürzter Auszug aus der ausführlicheren Schrift von Rudolf Ebertshäuser Der zuverlässige Text des Neuen Testaments. Der Textus Receptus und die Veränderungen in den modernen Bibeln.

 

Hier können Sie das vollständige PDF-Dokument herunterladen

 

Das Originaldokument der hier erwähnten Vereinbarung zwischen dem Vatikan und den Weltbibelgesellschaften ist auf dieser Webseite auf englisch mit deutsch übersetzten Abschnitten veröffentlicht:

 

Vereinbarung zwischen dem Vatikan und den Internationalen Bibelgesellschaften von 1987

 

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