Humanismus als Endzeitreligion:
Der Mensch als das Maß aller Dinge

 

Rudolf Ebertshäuser

 

Laßt euch von niemand in irgendeiner Weise verführen! Denn es muß unbedingt zuerst der Abfall kommen und der Mensch der Sünde geoffenbart werden, der Sohn des Verderbens, der sich widersetzt und sich über alles erhebt, was Gott oder Gegenstand der Verehrung heißt, sodaß er sich in den Tempel Gottes setzt als ein Gott und sich selbst für Gott ausgibt.

Denkt ihr nicht mehr daran, daß ich euch dies sagte, als ich noch bei euch war? Und ihr wißt ja, was jetzt noch zurückhält, damit er geoffenbart werde zu seiner Zeit. Denn das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon am Wirken, nur muß der, welcher jetzt zurückhält, erst aus dem Weg sein; und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr verzehren wird durch den Hauch seines Mundes, und den er durch die Erscheinung seiner Wiederkunft beseitigen wird … (2Thess 2,3-8)

 

In diesem prophetischen Wort des Apostels Paulus kommt ein wichtiger Zug endzeitlicher Entwicklungen deutlich zum Ausdruck: es ist die Selbstvergottung des Menschen. Diese götzendienerische falsche Religion nimmt schon mit der betrügerischen Verheißung der Schlange im Garten Eden ihren Anfang. Der Satan sagt dort Adam und Eva: „Ihr werdet sein wie Gott!“ (1Mo 3,5). Züge dieses frevlerischen Wahns finden wir immer wieder in der Bibel, so bei Nebukadnezar (Dan 3,1-6; Dan 4) und bei Herodes Agrippa (Apg 12,22-23).

 

 

Die Selbstvergottung des Menschen als Gipfelpunkt der Sünde

 

Hier im 2. Thessalonicherbrief zeigt der Apostel Paulus den Gipfelpunkt dieses religiösen Betruges auf: einmal wird der Antichrist, die Verkörperung der Sünde und Gesetzlosigkeit, sich in den Tempel Gottes setzen. Das wird nach meiner Überzeugung der künftig noch zu errichtende jüdische Tempel in Jerusalem sein (vgl. Dan 11,31; Mt 24,15).

Mit diesem frevelhaften Schritt wird die betrügerische Religion des „Humanismus“ ihre letzte und höchste Entwicklungsstufe erreicht haben. Ein sterblicher, sündiger, nichtiger Mensch, allerdings ein außergewöhnlicher Mensch, erfüllt mit der bösen Macht des Teufels, dringt in das Heiligtum des allein wahren Gottes, des Schöpfers und Allherrschers, ein und erklärt dort sich selbst zu Gott, zum Gegenstand der Anbetung und Verehrung. Daß er diesen frechen Frevel überhaupt begehen kann, liegt allein daran, daß Gott, der Allmächtige, es so beschlossen hat, um die Sünde der Menschheit zur Ausreifung zu bringen.

Auf diesen Akt, der zu Recht als „Greuel der Verwüstung“ bezeichnet wird, folgt das ernste Zorngericht Gottes. Der Messias, der Herr Jesus Christus, wird diesen anmaßenden, verblendeten Menschen, der doch nichtiger Staub vor Ihm ist, mit dem Hauch Seines Mundes töten. In ihm ist die jahrtausendealte Sünde des Menschen, seine Selbstüberhebung und Auflehnung gegen den wahren Gott, seine Neigung, das Geschöpf zu verehren statt den Schöpfer (vgl. Röm 1,18-32), zum Extrem ausgewuchert. Nun kann nichts mehr das Gericht Gottes zurückhalten.

 

 

Der antichristliche Kurs des säkularen Humanismus heute

 

Heute leben wir in der Endzeit, in den Tagen kurz vor der Wiederkunft unseres Herrn, und das heißt auch: in der vor-antichristlichen Zeit. Wir können in unseren Tagen schon deutlich beobachten, wie in den Ländern des einstmals „christlichen“ Westens ein aggressiver, gottfeindlicher Humanismus immer mehr um sich greift und ein betont antichristliches Klima schafft. Sein Glaubensbekenntnis ist, daß der Mensch von Natur aus gut ist und sich immer höher entwickeln kann, hin zur Gottgleichheit. Über ihm ist nichts mehr, er ist das Maß aller Dinge und sich selbst das Gesetz. Dieser „Humanismus“ beinhaltet als Kult um den Menschen im Verborgenen heute schon die Selbstvergottung.

Der christliche Glaubensstandpunkt sieht den Menschen als schwaches, vergängliches, durch den Sündenfall ganz entartetes und todgeweihtes Geschöpf Gottes; ihm steht der unsichtbare Gott gegenüber, welcher der Schöpfer aller Dinge ist, der Allherrscher, der Richter, aber auch der einzige, der retten und begnadigen kann und dies in Christus auch tut. Der „Humanismus“ sieht den Menschen als Zentrum aller Dinge, als sich selbst genügend und damit als „Gott“; dem wahren Gott aber mißt dieser Irrglaube entweder nur eine untergeordnete Randstellung zu, oder er leugnet Ihn in seiner atheistischen Spielart ganz.

Die Ideologie des diesseitigen, widergöttlichen Humanismus hat ihre Wurzeln in der griechischen Philosophie und in den Ideen der „Renaissance“, aber sie kam das erstemal ungehemmt zur Entfaltung in der Französischen Revolution, als der sündige Mensch offen das „Joch“ der Gottesverehrung abzuwerfen trachtete und stattdessen die menschliche „Vernunft“ vergottete. Der Mensch setzte Gott ab und setzte sich selbst als höchstes Wesen ein; das fand seine Fortsetzung im Marxismus/Sozialismus bis hin zum Kommunismus. Überall, wo dieser Geisteseinfluß sich ungehindert entfalten konnte, brachte er brutale Gewalt, revolutionäre Greuel, Willkürherrschaft und Auflösung aller menschlichen sozialen Bande mit sich.

Im 20. und 21. Jahrhundert festigte der atheistische Humanismus seine führende Rolle unter den Zeitgeistströmungen des „Abendlandes“. Ein Dammbruch war diesbezüglich die 68er-Kulturrevolution. Er verbündet sich mit esoterischen Lehren des New Age, der Theosophie und des Freimaurertums, die alle ebenfalls eine Selbstvergottung des Menschen lehren, und bedient sich der Irrlehren der evolutionistischen Weltsicht. Ganz besonders begegnen wir dieser Ideologie heute im allgegenwärtigen Neomarxismus, Feminismus und der Gender-Ideologie. Durchweg ist sein Anliegen die „Befreiung“ des autonomen Menschen aus allen „Zwängen“ biblischer Gebote und Ordnungen. Das ist endzeitlich und bedeutet die Entfaltung des „Geheimnisses der Gesetzlosigkeit“ (2Thess 2,7). Prophetisch ist diese Tendenz schon vorhergesagt in Psalm 2:

Warum toben die Heiden und ersinnen die Völker Nichtiges? Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Fürsten verabreden sich gegen den HERRN und gegen seinen Gesalbten: »Laßt uns ihre Bande zerreißen und ihre Fesseln von uns werfen!« Der im Himmel thront, lacht; der Herr spottet über sie. Dann wird er zu ihnen reden in seinem Zorn und sie schrecken mit seinem Grimm: »Ich habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg! (Ps 2,1-6)

 

 

Gender-Ideologie, „Antidiskriminierung“ und die kommende Christenverfolgung

 

Seit einigen Jahrzehnten erleben wir, wie, ausgehend von der esoterisch und humanistisch geprägten Führung der Vereinten Nationen und unterstützt von der Führung der EU, ein radikaler Umbau des früheren, noch stark auf biblisch-christlichen Grundlagen beruhenden abendländischen Rechts- und Moralsystems erfolgt. Alle Rechts- und Gesellschaftsordnungen, die irgendwie auf die Bibel zurückgehen, werden radikal aufgelöst und durch rein menschenbezogene Ordnungen ersetzt. Das läßt sich beispielhaft an der „Ehe für alle“ festmachen. Ehe und Familie sind die grundlegendsten, wichtigsten Ordnungen der menschlichen Gesellschaft; ohne sie versinkt die Menschheit im Chaos. Und gerade Ehe und Familie werden heute massiv angegriffen und ihres eigentlichen Gehaltes beraubt.

Doch die antichristliche Revolution geht noch weiter. In Gestalt des Gender-Wahns, einer extrem-humanistischen Ideologie, die dreist allen biologischen Gegebenheiten beiseitefegt und das dogmatische Wunschbild zur Wirklichkeit erklärt, sucht sich der Gott-lose Mensch bis in die biologischen Gegebenheiten von Gottes Schöpfungsordnung loszusagen. Selbst das leiblich vorgegebene Mann- und Frausein soll nicht mehr gelten; der autonome Mensch begehrt selbst zu bestimmen, was er ist.

Im Kult um die „Trans-Menschen“ scheint das uralte esoterische Ideal des androgynen (männlich-weiblichen) Mischmenschen auf; in der Überhöhung der von Gottes Wort klar als Sünde verurteilten Homosexualität wird das zur neuen ethischen Norm gemacht, was vor Gott schöpfungswidrig und verkehrt ist.

Der Bibelleser erinnert sich, daß der Herr die Zeit kurz vor seiner Wiederkunft mit dem Zustand von Sodom und Gomorra verglichen hat (Lk 17,28), und auch mit dem Zustand der Menschheit vor der Flut: „Aber die Erde war verderbt vor Gott, und die Erde war erfüllt mit Frevel. Und Gott sah die Erde an, und siehe, sie war verderbt; denn alles Fleisch hatte seinen Weg verderbt auf der Erde. Da sprach Gott zu Noah: Das Ende alles Fleisches ist bei mir beschlossen; denn die Erde ist durch sie mit Frevel erfüllt, und siehe, ich will sie samt der Erde vertilgen!“ (1Mo 6,11-13).

In eine ähnliche Richtung der entschlossenen Abkehr von allem durch Gott Gebotenen und von Gott selbst als dem allmächtigen Schöpfer gehen die frevelhaften Versuche, durch genetische Manipulationen Mischwesen aus Mensch und Tier zu schaffen, oder genetisch veränderte „neue Menschen“, die idealerweise nicht mehr krank sein und nicht mehr sterben sollen und durch Verknüpfung ihrer Gehirne mit den modernsten Supercomputern zu übermenschlichen, „gottähnlichen“ Fähigkeiten gelangen sollen.

Ja, wir leben in den allerletzten Zeiten. Auch die durch die Computertechnik möglich gewordene totale Überwachung und Steuerung der Menschen in allen ihren Lebensaspekten (vgl. China!) erinnert uns daran, daß die Zeiten von Offenbarung 13 nicht mehr fern sein dürften. Und wir als gläubige Christen wissen: all das hektische Streben der Menschen, sich von Gott zu „befreien“, wird kläglich scheitern. Auf die Selbstvergottung des Menschen folgt notwendigerweise das schreckliche Zorngericht Gottes über die Rebellen.

Wohl dem, der jetzt noch umkehrt und Frieden mit Gott in Christus sucht und findet! Er wird vom Zorngericht verschont. Er hat mitten in unseren unsicher, ja, chaotisch werdenden Zeiten eine feste Hoffnung: Jesus Christus, unseren wiederkommenden Herrn und Erretter.

Wir aber sind es Gott schuldig, allezeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder, daß Gott euch von Anfang an zur Errettung erwählt hat in der Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit, wozu er euch berufen hat durch unser Evangelium, damit ihr die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangt. So steht denn nun fest, ihr Brüder, und haltet fest an den Überlieferungen, die ihr gelehrt worden seid, sei es durch ein Wort oder durch einen Brief von uns. Er selbst aber, unser Herr Jesus Christus, und unser Gott und Vater, der uns geliebt hat und uns einen ewigen Trost und eine gute Hoffnung gegeben hat durch Gnade, er tröste eure Herzen und stärke euch in jedem guten Wort und Werk! (2Thess 2,13-17)

 

 

Zu diesem Beitrag gibt es eine vertiefende Lektüre:

Rudolf Ebertshäuser: Paßt euch nicht der Welt an!

Dieses im Juli 2018 erschienene Buch behandelt unser Verhältnis als Kinder Gottes zu dieser Welt nach der Lehre der Bibel und geht ausführlich auf die Zeitgeisteinflüsse ein, die heute das Denken und den Lebensstil vieler Christen beeinflussen, und die zumeist auf die 68er-Kulturrevolution zurückgehen. Dieses Buch können Sie bei Ihrem christlichen Buchhändler bestellen oder von folgenden Versandbuchhandlungen erwerben: in Deutschland und Österreich beim Samenkorn Verlag, in der Schweiz bei der Edition Nehemia.

 

 

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