Treuer Dienst in einer schweren Zeit.
Eindrücke aus dem 2. Timotheusbrief

 

 
 

Der geistliche Niedergang in den letzten Tagen
erfordert Treue und Leidensbereitschaft (3,1-12)

 

Der Apostel gibt nun Timotheus und uns allen eine inspirierte Prophetie über die geistliche Verderbnis in der Christenheit der letzten Zeit. Die Endzeit ist für die Christenheit keine Zeit des Triumphes und der Erweckungen im großen Maßstab. Es sind in Gottes Augen „schlimme Zeiten“, in denen wir leben! Die Eigenschaften der Menschen in V. 2-5 beziehen sich auf Namenschristen, denn es wird gesagt, daß sie einen „äußeren Schein von Gottesfurcht (Gottseligkeit)“ haben, deren Kraft aber verleugnen (V. 5). Ganz im Sinne der Belehrungen in 2,19-22 gibt Gottes Wort uns die klare Anweisung: „Von solchen wende dich ab!“

Welch ein prophetischer Spiegel sind diese Worte für die Christenheit unserer Tage! Wie wichtig ist es aber auch, daß wir gläubige Christen über sie nachsinnen, um zu prüfen, wieweit dieser Geist nicht auch uns schon angesteckt hat! Wie viel könnte man allein über das erste Kennzeichen der Christen in den letzten Tagen sagen: „die Menschen werden sich selbst lieben“ (gr. phil-autoi). Selbstliebe und Selbstsucht ist nicht nur ein Merkmal der Herzenshaltung und des Lebensstils heutiger Christen; sie wird immer offener als eine religiöse Tugend angepriesen.

Die Aufzählung zeigt, daß die Namenschristen in Gottes unbestechlicher Prüfung genau mit denselben Sünden behaftet sind wie die Heiden ohne christliches Etikett. Geldgier, Überheblichkeit, Ungehorsam den Eltern gegenüber, Lieblosigkeit, Unversöhnlichkeit, Leichtsinn, Vergnügungssucht … wie mancher Hirte in heutigen biblischen Gemeinden wird mit solchen Sünden konfrontiert, von den klar unbekehrten Namenschristen in den Volkskirchen ganz zu schweigen.

In den Versen 6-9 wird die Taktik und das Wesen der Irrlehrer und Verführer im einzelnen geschildert. Wenn sie in der Gemeinde keinen Raum haben, schleichen sie sich in die Häuser ein. Wieviel Verführung dringt heute, zumeist in Form von Büchern, Zeitschriften und Kassetten oder CDs, in christliche Häuser ein! Charismatisches, ökumenisches, bibelkritisches Gedankengut wird durch scheinbar „evangelikale“ Medien verbreitet. Und vielfach sind Frauen das erste Opfer der Verführung.

Wie Jannes und Jambres arbeiten die endzeitlichen Verführer mit falschen Wunderzeichen und falschen Offenbarungen; sie sind in Wahrheit Zauberer. Diese prophetische Warnung beleuchtet die Arbeitsweise vieler Sekten in der Geschichte, auch die der charismatischen Wunderheiler und Verführer unserer Tage. Aber am Ende wird der Herr alle ihre Machenschaften zuschanden machen; sie werden mit der Wahrheit konfrontiert, wie es auch Mt 7,23 bezeugt: „Und dann werde ich ihnen sagen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen!“

Timotheus soll sich von diesen Dingen weder anstecken noch entmutigen lassen. Mitten in den verderblichen Entwicklungen in der großen Christenheit gibt Gott dem einzelnen Gläubigen die Gnade und den Auftrag, treu und lauter vor Ihm zu wandeln und zu dienen. Hier und an anderen Stellen ruft Paulus dem Timotheus, wenn er ihm von den geistlichen Verderbnissen in der Gemeinde Zeugnis gibt, die Worte zu: „Du aber“ (vgl. 1Tim 6,11; 2Tim 3,14; 4,5).

 
„Du aber bist mir nachgefolgt in der Lehre, in der Lebensführung, im Vorsatz, im Glauben, in der Langmut, in der Liebe, im standhaften Ausharren, in den Verfolgungen, in den Leiden, wie sie mir in Antiochia, in Ikonium und Lystra widerfahren sind. Solche Verfolgungen habe ich ertragen, und aus allen hat mich der Herr gerettet! Und alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung erleiden.“

Auch wir sind gerufen, uns nach dem Vorbild des Paulus weder durch Verführungen noch durch Verfolgungen vom treuen Dienst und der hingegebenen Nachfolge Jesu Christi abhalten zu lassen. Die Lehre ist wichtig für unser Glaubensleben; aber nicht nur sie: auch in unserer Lebensführung und in unserem Vorsatz (unseren Absichten und Plänen) sollen wir uns von dem leiten lassen, was wir im Wort Gottes und gerade in den Briefen des Paulus an biblischen Leitlinien finden.

 
 
 
 

Der Schutz vor Verführungen: das inspirierte Wort der Schrift (3,13-17)

 

Wir können es nicht verhindern, daß die Verführung in der Endzeit vorwärtsschreitet; aber wir haben persönlich eine Gabe der Gnade Gottes, die uns vor den kräftigen Irrtümern schützt: das inspirierte Wort der Heiligen Schrift. Darauf verweist der Apostel nun Timotheus. Welch ein Segen ist es, schon von Kind an mit den heiligen Schriften vertraut zu sein! Welch ein Ansporn für christliche Eltern, ihren Kindern das Wort Gottes lieb zu machen und sie darin zu unterweisen!

Die berühmte Aussage zur Inspiration der Heiligen Schrift steht nicht umsonst in diesem Brief, der die Abwehr von Verführungen zum Thema hat. Es ist auch kein Zufall, daß die zweite wichtige Stelle zu diesem Thema im 2. Petrusbrief steht (1,19-21), der dieselbe Thematik behandelt. „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“

Alle heilige Schrift (des Alten und des Neuen Testaments; Paulus selbst hat in 1Tim 5,18 das Lukasevangelium als heilige Schrift gekennzeichnet und Petrus in 2Pt 3,16 die Briefe des Paulus) ist von Gott eingegeben oder „inspiriert“. Im Griechischen steht hier theo-pneustos = „gottgegeistet / gottgehaucht“, d.h. von Gott durch den Geist gehaucht oder eingegeben; in dem zusammengesetzten Verb steckt das gr. Wort pneuma = Geist, Hauch, Wind. Dies betrifft jede einzelne Heilige Schrift und das Ganze der Heiligen Schrift.

Dieses Wort Gottes ist nützlich zur Erbauung und Stärkung des Wiedergeborenen, der hier als „Mensch Gottes“ bezeichnet wird. Es ist interessant, was alles als Wirkung des Wortes der Schrift genannt wird: „Belehrung“ = Lehre und Unterweisung; „Überführung“ = Aufdecken von Sünde und Verfehlungen; „Zurechtweisung“ = Korrektur von Fehlhaltungen; Zurückführung auf den rechten Weg; „Erziehung in der Gerechtigkeit“ = Unterweisung, Zucht und Charakterprägung, so daß der Gläubige Gottes Willen tut.

Das Wort der Schrift allein genügt vollständig, um den Menschen Gottes ganz zuzubereiten für seinen Wandel und Dienst, und um ihn für jedes gute Werk völlig auszurüsten. „Die Schrift allein“ – weder weltliche Psychologie oder Managementtechniken noch charismatische Falschprophetien oder mystische Offenbarungen sind von Gott dafür vorgesehen, sondern ganz allein die Heilige Schrift!

 
 

Der Auftrag zur kompromißlosen Verkündigung des Wortes (4,1-8)

 

Mit großem Ernst spricht der Apostel, der vor den Toren der Ewigkeit steht, nun den jungen Diener des Herrn an: „Daher ermahne ich dich ernstlich (w. bezeuge ich ernstlich) vor dem Angesicht Gottes und des Herrn Jesus Christus, der Lebendige und Tote richten wird, um seiner Erscheinung und seines Reiches willen: Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen; überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung!“

Dieses ernste Gebot gilt auch allen Dienern des Wortes in unserer heutigen Zeit; es legt ihnen mit großem Nachdruck eine heilige Verpflichtung auf. Das von Gott eingegebene Bibelwort muß getreulich und unermüdlich verkündigt werden, so wie ein Herold die Botschaft seines Königs hinausruft und laut verkündet – ganz gleich, wie die Menschen auf diese Botschaft reagieren, sie muß verkündigt werden, weil der große Gott sie erlassen hat.

Auch wenn die Menschen diese Botschaft nicht genehm finden, nicht zeitgemäß, nicht passend – wir müssen dieses Wort unverkürzt und ungeschönt verkündigen. Auch wenn die Menschen nach einer anderen Botschaft verlangen, die ihnen schmeichelt, die ihr Ichleben bestärkt und ihnen etwas „Positiveres“ bieten soll, auch wenn sie murren und fordern, das Kreuz aus unserer Botschaft zu entfernen und sie dem Zeitgeist anzupassen – wir müssen diese ewiggültige, göttliche Wahrheit kompromißlos uns klar verkündigen, zu gelegener oder ungelegener Zeit – so lange, bis der Herr der Herrlichkeit wiederkommt.

Paulus warnt uns Gläubige in der Endzeit, daß die biblische Verkündigung in unseren Tagen nicht populär sein wird, und zwar wohlgemerkt auch unter den Christen nicht: „Denn es wird eine Zeit kommen, da werden sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben; und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden.“ Diese Worte kennzeichnen ganz besonders die Entwicklung der heutigen Christenheit, und zwar bis hinein in Kreise, die sich als „evangelikal“ und „bibeltreu“ bezeichnen.

Timotheus sollte sich von diesen widrigen Strömungen nicht einschüchtern noch beirren lassen. Er sollte alle Widrigkeiten, die eine treue Verkündigung des Wortes unter solchen Umständen mit sich bringen würde, geduldig ertragen und seinen Dienst völlig ausrichten, wobei Paulus hier besonders die Verkündigung des Evangeliums betont.

Paulus selbst sieht seinen Lauf als vollendet; er hat das himmlische Ziel vor Augen. Seine Äußerungen zeigen uns, wie wir unser Leben und das Ende unseres irdischen Lebens als Gläubige ansehen dürfen: der Blick auf den himmlischen Richter wie auf den himmlischen Lohn „an jenem Tag“ darf uns Ansporn sein, in Treue auch unseren Lauf zu vollenden.

 
 
 
 
Dieser Beitrag ist ein gekürzter Auszug aus der ausführlicheren Schrift von Rudolf Ebertshäuser Jage nach der Gottesfurcht. Ein kurzer Überblick über den 1. und 2. Timotheusbrief
 
 

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Weiterführende Literatur

 
Rudolf Ebertshäuser, Bewahre das Wort! Eine Auslegung des 2. Timotheusbriefes. Steffisburg (Edition Nehemia) 2013, Hardcover, 196 S.
 

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