Das charismatische „Lobpreis“-Ritual –
von einem Insider beschrieben

 

 

Am Anfang dieser Untersuchung soll eine Beschreibung der Praxis von „Lobpreis und Anbetung“ in charismatischen Kreisen stehen. Es ist wichtig, zu wissen, welchen Stellenwert die charismatischen Lieder für diejenigen haben, die sie schreiben und singen. Das ist den meisten nichtcharismatischen Gläubigen unbekannt, aber für das geistliche Urteil über diese Lieder bedeutsam. Diese Schilderung beruht auf den mehrjährigen persönlichen Erfahrungen des Verfassers, der mit seiner Frau längere Zeit in einer „Lobpreisgruppe“ war; sie kann von jedem Charismatiker, der aus dieser Verführung herauskommen durfte, bestätigt werden.

„Lobpreis und Anbetung“ nimmt in den Veranstaltungen charismatischer Gemeinden einen zentralen Stellenwert ein. Die dafür verwandte Zeit kann manchmal länger sein als die für die Predigt, und ihre Bedeutung für die Charismatiker manchmal wichtiger. Die „Lobpreis- und Anbetungszeit“ ist in fast allen charismatischen Kreisen ein aufwendiges Ritual, das sorgfältig inszeniert wird, wo immer möglich mit einer „Lobpreisband“, mit elektronischer Musik, Mischpult und Schallanlage. Der (manchmal auch weibliche) „Lobpreisleiter“ ist eine wichtige Schlüsselfigur in einer charismatischen Gemeinde und wird an Bedeutung dem Pastor oder Prediger fast gleichgestellt. Er muß musikalisch begabt sein und sich intuitiv völlig von dem charismatischen Irrgeist leiten lassen. Er entscheidet normalerweise über die Gestaltung des Lobpreises, welche Lieder spontan gesungen werden, wo ein Zungengesang dazwischengeschaltet werden soll usw.

Der charismatische Lobpreis findet fast immer am Anfang einer Veranstaltung statt und wird u.U. zu bestimmten Höhepunkten noch einmal aufgenommen. Oft gibt es lange zusammenhängende Lobpreiszeiten (20 Minuten bis über eine halbe Stunde), bei denen charismatische Lieder z.T. 2-3mal wiederholt werden, manchmal unterbrochen von Zungengesängen oder Weissagungen, Proklamationen oder Aufrufen, für sich beten zu lassen oder sich die Hände auflegen zu lassen.

Von den Verantwortlichen wird die Lobpreiszeit zumeist bewußt auf einen bestimmten Höhepunkt hin gesteuert, den „Durchbruch“. Durch verschiedene suggestive Methoden wie gemeinsames Klatschen und Halleluja-Rufen, immer wiederholte Refrains und Liedstrophen, das Einschalten besonders stark wirksamer Lieder oder längerer Zungengesänge mit Instrumentalbegleitung werden die Anwesenden in eine Haltung der Passivität und völligen Öffnung für den Irrgeist gebracht, der einem hypnotischen Zustand gleicht. Die bewußte Kritik und Selbstkontrolle ist weitgehend ausgeschaltet, alle warten ergeben auf das Reden und Wirken des Geistes.

Erst an diesem Punkt kommt es in aller Regel zu den erwünschten schwärmerischen Geisteswirkungen: Menschen fallen um oder beginnen zu weinen, Leute stehen auf und bringen Weissagungen, jemand geht auf einen anderen zu und will für ihn beten. Heilungen werden angekündigt, jemand fordert zur geistlichen Kriegsführung und gemeinsamem Zungengebet auf. Über der ganzen Versammlung breitet sich eine geistlich aufgeladene Atmosphäre aus, die von den Charismatikern als „Gegenwart Gottes“ verstanden und gesucht wird. Darin empfangen sie Kraftaufladung und eine gewisse Freude, sie spüren vermeintlich die Nähe Gottes; es kommt zu Visionen und inneren Bildeindrücken, so daß sie meinen, Gott rede jetzt.

Es muß betont werden, daß diese Wirkungen ganz massiv von den charismatischen Liedern abhängen. In einer stark wirksamen Lobpreiszeit darf es, wenn überhaupt, nur wenige alte, nüchtern-biblische Glaubenslieder geben, sonst wird die suggestive Wirkung beeinträchtigt. Kommt es beim Lobpreis einmal nicht zum „Durchbruch“, dann wird der Gottesdienst oft als trocken und enttäuschend empfunden, als kraftlos und unfruchtbar. Es gibt dann kaum Geistesmanifestationen, und die Charismatiker sind enttäuscht, denn sie sind von dem „Kick“ der Lobpreiszeit abhängig wie von einer Droge.

Das Erlebnis des Lobpreises putscht zwar auf und gibt vielen ein euphorisches Empfinden, aber diese Wirkung hält nur kurz an, oft nicht einmal bis zum nächsten Tag. Deshalb suchen viele dasselbe Erlebnis unter der Woche in Hauskreisen, Gebetskreisen, Konzerten oder durch CD-Konsum immer wieder. Manche charismatische Gemeinden bieten ihren Anhängern ein Rundum-Programm an mehreren Tagen die Woche. Sehr beliebt sind Konzerte und „Lobpreisgottesdienste“, wo die Musik noch mehr im Vordergrund steht, sowie Konferenzen, bei denen der Name des international renommierten „Lobpreisleiters“ und seiner „Band“ mindestens ebenso wichtig ist wie der der Referenten.

 

Dieser Beitrag ist ein gekürzter Auszug aus der ausführlicheren Schrift von Rudolf Ebertshäuser Der charismatische „Lobpreis“ und die biblische Anbetung.

 

 

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