Die Pfingst- und Charismatische Bewegung versteht sich als eine von Gott gewirkte große endzeitliche Erweckungsbewegung. Entstanden sei diese Erweckungsbewegung durch eine in Joel 3 verheißene Geistesausgießung auf besonders eifrige und geheiligte Christen Anfang des 20. Jahrhunderts. Dabei habe Gott durch die „Geistestaufe“ allen dafür offenen Christen neu die Geistesfülle und die Geistesgaben der Apostelzeit verliehen. Propheten und Apostel standen wieder auf; dieser Bewegung wurde angeblich ein beständiges Reden Gottes in Visionen, Träumen, Prophetenbotschaften und inneren Stimmen gegeben. Wunderzeichen geschahen und geschehen, die den Anspruch erheben, dieselben Wunderzeichen zu sein wie am Anfang der Gemeinde: Sprachenreden, Wunderheilungen, Kraftwirkungen.

Bei alledem versteht sich diese Bewegung nur als die Vorhut, den Beginn einer umfassenden, weltweiten Massenerweckung, die Millionen und Abermillionen, ja, nach Auffassung vieler charismatischer Führer letztlich alle Menschen auf der Welt umfassen und ganze Völker zu Christus führen werde: die Ausgießung des Geistes auf „alles Fleisch“. Diese gewaltige Geistesausgießung wird von den Propheten dieser Bewegung seit fast 100 Jahren vorausgesagt und immer wieder neu als bald bevorstehend angekündigt; sie ist das eine große Endzeitereignis, auf das diese ganze Bewegung ausgerichtet ist.

Für die allermeisten Anhänger der Pfingst- und Charismatischen Bewegung ist die Endzeit daher eine Zeit der Herrlichkeit und des Triumphes der Gemeinde, eine Zeit, in der die apostolischen Anfänge nicht nur wiederkehren, sondern weit übertroffen werden. Diese Aussicht fasziniert und begeistert viele. Der Charismatiker hat das Gefühl, in einen großartigen Strom des Geisteswirkens hineingetaucht zu sein und teilzuhaben am höchsten und letzten Sieg des Reiches Gottes.

Für jeden ernsthaften Gläubigen, der seinem Herrn nachfolgen und dienen will, stellt sich hier die Frage: Ist die Pfingst- und Charismatische Bewegung tatsächlich eine von Gott gewirkte Erweckungsbewegung? Dann müßten wir alle uns ihr so schnell wie möglich anschließen, um Gottes Willen zu erfüllen. Oder ist diese Bewegung eine Verführung und nicht von Gott? Dann müßten wir uns klar von ihr abgrenzen, um dem Herrn treu bleiben zu können.

Für manche charismatisch beeinflußten Christen ist allein diese Frage schon gefährlich und falsch. Sie fürchten sich vor einem „Kritik- und Prüfgeist“, ja sogar vor der Sünde gegen den Heiligen Geist, wenn sie aufgefordert werden, das Geisteswirken in der Pfingst- und Charismatischen Bewegung zu prüfen.

Doch die von Gottes Geist inspirierte Schrift selbst mahnt uns als Gläubige in der letzten Zeit zur Wachsamkeit: „Habt acht, daß euch niemand verführt! (…) Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten auftreten und werden Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. Ihr aber, habt acht! Siehe, ich habe euch alles vorhergesagt“ (Mk 13,5 u. 22-23).

Der Geist Gottes selbst fordert uns ausdrücklich auf, die Geister zu prüfen, ob sie aus Gott sind: „Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind! denn es sind viele falsche Propheten hinausgegangen in die Welt“ (1Joh 4,1).

Der einzig verläßliche Maßstab zur Prüfung der Echtheit des Geisteswirkens in der Pfingst- und Charismatischen Bewegung kann nur das von Gott inspirierte Wort der Heiligen Schrift sein. In diesem Wort der Wahrheit hat Gott den Seinen Sein Wesen geoffenbart, Seine Ratschlüsse mitgeteilt, Seine Unterweisungen gegeben, die uns in allem leiten sollen.

Alles wirklich göttliche Wirken stimmt mit dem Wort Gottes überein und widerspricht ihm nicht. Alle Geistesoffenbarungen und Geisteswirkungen, die im klaren Widerspruch zu dem von Gottes Geist gegebenen Schriftwort stehen, können nicht aus Gott sein; wir müssen sie als Fälschung zurückweisen.

Was sagt also das Wort Gottes über die letzte Zeit vor dem Kommen Jesu Christi, über die „Endzeit“, um diesen vereinfachten Begriff zu gebrauchen? Was sagt sie über Massenerweckungen? Was sagt sie über den Zustand der gläubigen Gemeinde in der letzten Zeit? Stimmen die Aussagen der Schrift mit den Prophetien aus der Pfingst- und Charismatischen Bewegung überein?

 

 

Die Aussagen der Heiligen Schrift über die Endzeit

 

Wir können hier keine ausführliche Darstellung der Aussagen der Bibel zur letzten Zeit geben; jeder Gläubige sollte die entsprechenden Bibelstellen einmal ausführlich nachlesen und bewegen. Aber einige Grundzüge der letzten Zeit sollen hier durch ausgewählte Bibelstellen deutlich gemacht werden:

 

Die Endzeit ist für die Welt eine Zeit der Ausreifung des Bösen

Der Herr Jesus vergleicht die Zeit vor Seiner Wiederkunft als Christus und Richter mit den Tagen Noahs: „Wie es aber in den Tagen Noahs war, so wird es auch bei der Wiederkunft des Menschensohnes sein“ (Mt 24,37). Wie kennzeichnet die Bibel aber die Tage Noahs? Gab es da Erweckung, Umkehr zu Gott? Die Schrift sagt: „Aber die Erde war verderbt vor Gott und mit Frevel erfüllt. Und Gott sah die Erde, und siehe, sie war verderbt; denn alles Fleisch hatte seinen Weg auf Erden verderbt“ (1Mo 6,11-12). Zu der Zeit gab es keine Erweckung, sondern Bosheit und Verderbnis, auf die Gottes Zorngericht folgte, und das wird in der Endzeit genauso sein.

In Lk 17,28-29 vergleicht der Herr die Endzeit mit den Tagen Lots: „an dem Tag aber, als Lot aus Sodom wegging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und vertilgte alle. Gerade so wird es sein an dem Tag, da der Sohn des Menschen geoffenbart wird.“ In der Zeit vor der Wiederkunft des Herrn bekehren sich keine Massen zu Christus, sondern die Gottlosigkeit wird immer schlimmer, wie in Sodom und Gomorra, so daß nur eine kleine Minderheit aus dem Zorngericht gerettet wird.

Diese klare Lehre der Schrift wird auch durch andere Aussagen bestätigt, etwa durch 2. Thessalonicher 2, durch die Offenbarung, die uns zeigt, wie die Massen der Heidenvölker nicht zu Christus kommen, sondern dem Antichristen und dem Satan nachlaufen. Wie kann es denn sein, daß über die Hure Babylon gesagt wird: „und durch deine Zauberei wurden alle Völker verführt“ (Offb 18,23; vgl. 14,8)? Woher sollen denn die unzähligen fanatisierten Heiden kommen, die einmal Jerusalem belagern und den Überrest Israels bedrängen werden, bis das Zorngericht des Messias sie trifft, wenn doch alle Völker durch die endzeitliche Geistesausgießung gläubig werden?

Schließlich zeigt ein nüchterner Blick in das Weltgeschehen jedem klar denkenden Gläubigen, wie recht die Bibel mit ihrer Prophetie hat. Die wahre Gemeinde war immer eine herausgerufene Minderheit, die kleine Herde, und wird das auch bleiben, bis der Herr sie von dieser Erde entrückt! Das sahen auch die Brüder, die 1909 in der „Berliner Erklärung“ die widergöttlichen Irrtümer der Pfingstbewegung beim Namen nannten und dabei bekannten: „Wir erwarten nicht ein neues Pfingsten; wir warten auf den wiederkommenden Herrn.“

Es ist eine schwerwiegende Irreleitung der Gläubigen, wenn die Prophetie dieser Bewegung ihnen vormacht, eine Erweckung und Geistesausgießung sei die Lösung für die ganze Bosheit und Sündenverderbnis dieser Welt, während der Geist Gottes in der Schrift doch bezeugt, daß Gottes Antwort auf die Endzeitverderbnis der wiederkommende Herr Jesus Christus ist, der zunächst Gericht üben und dann Sein Friedensreich aufrichten wird!

 

Die Endzeit führt zum Endgericht Gottes, dem „Tag des Herrn“

Aufgrund der zunehmenden Gottlosigkeit und antichristlichen Auflehnung der Heidenvölker kommt nämlich als Höhepunkt der Endzeit nicht etwa die Geistesausgießung auf alle Menschen, sondern vielmehr das Zorngericht Gottes über alle Gottlosen.

Das schildert uns so ernst und eindringlich der 2. Thessalonicherbrief, wo uns gesagt wird, was geschieht, wenn der erhöhte Herr Jesus Christus mit seiner verherrlichten Gemeinde zusammen zum Gericht kommt: „bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht, in flammendem Feuer, wenn er Vergeltung üben wird an denen, die Gott nicht anerkennen, und an denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorsam sind. Diese werden Strafe erleiden, ewiges Verderben, von dem Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Kraft (…)“ (2Th 1,7-10).

Das Heilszeitalter der Gnade wird in Gottes Zorngericht münden, besonders über jene, die diese Gnade verachtet haben. Das Buch der Offenbarung redet so ernst von den schrecklichen Gerichten, die die gottlose Menschheit überfallen werden, und immer wieder wird von denen, die zu Millionen und Milliarden das Tier anbeten werden, gesagt: „und sie taten nicht Buße“ (Offb 9,21).

Diese nüchterne Schilderung der Bibel steht in krassem Widerspruch zu den euphorischen Endzeitprophetien in der Pfingst- und Charismatischen Bewegung, in denen davon die Rede ist, daß sich riesige Massen, ja ganze Nationen angeblich zu Gott bekehren sollen. Die Schrift sagt nicht „Heilung für die Nationen“, sondern verkündigt das nahende Zorngericht über sie!

 

Die Endzeit ist für die Christenheit eine Zeit des Verfalls und der Verführung

Wie steht es dann aber um die Christenheit in der letzten Zeit? Kann sie auf einen triumphalen Aufschwung hoffen, auf eine Wiederkehr der Zeit der Urgemeinde in noch größerer Herrlichkeit?

Das Wort Gottes spricht auch hier eine völlig andere Sprache:

„Das aber sollst du wissen, daß in den letzten Tagen schlimme Zeiten eintreten werden. Denn die Menschen werden sich selbst lieben, geldgierig sein, prahlerisch, überheblich, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, gewalttätig, dem Guten feind, Verräter, leichtsinnig, aufgeblasen; sie lieben das Vergnügen mehr als Gott; dabei haben sie eine äußere Form von Gottesfurcht, deren Kraft aber verleugnen sie. Von solchen wende dich ab!“ (2Tim 3,1-5).

Und weiter:

„Denn es wird eine Zeit kommen, da werden sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Begierden Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben; und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden“ (2Tim 4,3-4).

Hier geht es beidesmal um die Christenheit, nicht um die Welt! So sieht das Gesicht der endzeitlichen Christenheit in ihrer Gesamtheit aus, und die Charismatische Bewegung selbst ist ein ernstes Beispiel für die Wahrheit dieser Worte.

Der Herr Jesus selbst hat diese Zeit so gekennzeichnet: „Und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt“ – und zwar in der Christenheit, nicht in der Welt! -, „wird die Liebe in vielen erkalten.“ (Mt 24,12).

In Matthäus 13 zeigt der Herr prophetisch den Werdegang der Christenheit als der jetzigen Gestalt des Reiches Gottes. Im Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen zeigt er, wie der Satan mitten unter die wahren Gläubigen seine täuschend ähnliche Nachahmung pflanzt. Im Gleichnis vom Senfkorn zeigt er das unnatürliche, nicht bestimmungsgemäße Wachstum der Christenheit zu einem großen Baum, in dem die Vögel des Himmels nisten – ein Bild für böse Geister (vgl. Hes 31,6; Dan 4,18 u. Offb 18,2).

Im Gleichnis vom Sauerteig wird die Christenheit mit zunächst reinem Mehl verglichen, in das eine Frau heimlich Sauerteig hineinmischt, bis am Ende „das Ganze durchsäuert war“. Sauerteig aber ist in der Schrift überall ein Bild von Sünde und Verderbnis (vgl. 1Kor 5,6-8; Gal 5,9; Mt 16,12).

Die Schrift lehrt uns hier und an anderen Stellen (vgl. Offenbarung 3 – Laodizea!), daß die Christenheit in der letzten Zeit nicht etwa breite Erweckung, Erneuerung und herrliches Größenwachstum zu erwarten hat, sondern in erster Linie Verfall und Untreue, ja Abfall vom Glauben (1Tim 4,1; 2Th 2,3) und Vermischung mit der Welt. Ein nüchterner Blick auf den Zustand der Christenheit heute bestätigt wiederum nur die Wahrheit des echten prophetischen Wortes – und die Unwahrheit der charismatischen Falschprophetien.

In der Endzeit hält nur noch ein kleiner Überrest treu am Herrn und Seinem Wort fest

Dort wo das prophetische Wort der Bibel von dem treuen Überrest der Gemeinde spricht, von denen, welche die allgemeine Entwicklung zur Untreue und zum Abfall nicht mitmachen, da spricht sie keinesfalls von neuen Geistesausgießungen, von Propheten, Aposteln und Wunderzeichen, sondern sie kennzeichnet diesen Überrest als eine kleine, schwache Minderheit, die dennoch am Herrn und an seinem inspirierten Wort treu festhält und dem Sog der endzeitlichen Verführung tapfer widersteht: „(…) du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet. (…) Siehe, ich komme bald; halte fest, was du hast, damit [dir] niemand deine Krone nehme!“ (Offb 3,8.11). Auch hier steht das Wort Gottes in klarem Gegensatz zu den schwärmerischen Endzeitvisionen der charismatischen Propheten.

 

Die verdrehte Deutung von Joel 3 und die Verwechslung von Israel und Gemeinde

 

Der zentrale „Beweistext“ dafür, daß die Pfingstbewegung eine göttliche Geistesausgießung war, ist für ihre Anhänger Joel 3,1-5 (in älteren Bibeln Joel 2,28-32). Dort steht geschrieben:

„1 Und nach diesem wird es geschehen, daß ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Ältesten werden Träume haben, eure Jünglinge werden Gesichte sehen; 2 und auch über die Knechte und über die Mägde will ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen; 3 und ich werde Zeichen geben am Himmel und auf Erden: Blut und Feuer und Rauchsäulen; 4 die Sonne soll verwandelt werden in Finsternis und der Mond in Blut, ehe denn da kommt der große und schreckliche Tag des HERRN. 5 Es soll aber geschehen, daß ein jeder, der den Namen des HERRN anruft, gerettet wird; denn auf dem Berge Zion und zu Jerusalem wird eine Zuflucht sein, wie der HERR versprochen hat, und bei den Übriggebliebenen, die der HERR beruft.“

Dieses Schriftwort wurde ja von Petrus angeführt, als der Geist Gottes zu Pfingsten ausgegossen wurde und die Gemeinde gebildet wurde. Dabei ist jedoch zu beachten, daß Petrus nicht sagt: „Jetzt hat sich erfüllt…“ Er weist die Juden nur darauf hin, daß Gottes Wort eine Ausgießung des Heiligen Geistes vorhersagt.

Das Joelwort hat sich zu Pfingsten auch nicht im Vollsinn erfüllt, sonst hätte der Geist auf ganz Israel kommen müssen, und die damit verbundenen Wunderzeichen am Himmel hätten kommen müssen. Zu Pfingsten geschah nur eine Vor- und Teilerfüllung dieser Prophetie. Der Geist wurde auf eine kleine Minderheit christusgläubiger Juden ausgegossen, und aus ihnen wurde die Gemeinde Gottes gebildet, eine neue, von Israel unterschiedene Heilskörperschaft.

Nun behaupten viele charismatische Lehrer aufgrund von Joel 3, daß für die Gemeinde dem „Frühregen“ von Pfingsten der „Spätregen“ einer Geistesausgießung in der letzten Zeit folgen müsse, ein „zweites Pfingsten“. Die Frage ist nun: An wem erfüllt sich die Prophetie von Joel in der letzten Zeit? An Israel oder an den Heidenvölkern bzw. der Gemeinde?

Zunächst ergibt eine Betrachtung des größeren Textzusammenhangs, daß diese Verheißung sich eindeutig auf das Volk Israel bezieht und nicht auf die Gemeinde. Wer sind „eure Söhne“ und „eure Töchter“? Der Vers zuvor zeigt es eindeutig: Es geht um das am Ende der Zeiten wieder angenommene Volk Israel!

Demnach kann sich „alles Fleisch“ gar nicht auf „alle Menschen“ oder auf die Heiden beziehen, wie das die falschen Lehrer der Pfingst- und Charismatischen Bewegung behaupten. Gemeint ist: das ganze Volk Israel, alle Israeliten, ob jung oder alt, ob Magd oder Knecht. Dazu müssen wir wissen, daß das für Israel ja etwas völlig Neues sein wird, denn unter dem Gesetz kam der Heilige Geist nur auf wenige auserwählte Werkzeuge Gottes, in erster Linie Priester, Könige und Propheten. Nun sollte er auf alles Fleisch, d.h. ganz Israel ausgegossen werde – das ist der einzig mögliche, redliche Wortsinn von Joel 3,1.

Diese Deutung stimmt völlig überein mit anderen alttestamentlichen Zeugnissen von der endzeitlichen Geistesausgießung auf Israel; vor allem sei hier Hes 39,29 genannt: „Und ich werde mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen, wenn ich meinen Geist über das Haus Israel ausgegossen habe, spricht der Herr, HERR“ (alte Elberfelder; vgl. auch Jes 32,15; Sach 12,10). Das wird geschehen, wenn der Herr Jesus Christus als Messias zu Israel kommt und es rettet, die Heidenvölker richtet und Sein 1000jähriges Friedensreich aufrichtet. Genau dieser Zeitpunkt ist auch bei Joel gemeint, wie das ganze Buch des Propheten zeigt.

Was ist aber mit den Heiden, die sich angeblich als ganze Völker bekehren, bevor der Herr wiederkommt? Sind sie vielleicht doch mit gemeint mit „allem Fleisch“? Die Antwort gibt uns das Kapitel 4 des Joelbuches. Dort heißt es nämlich: „Die Heidenvölker sollen sich aufmachen und in das Tal Josaphat hinaufziehen! Dort will ich zu Gericht sitzen über alle Heidenvölker ringsum. Legt die Sichel an, denn die Ernte ist reif; kommt und tretet, denn die Kelter ist voll; die Kufen fließen über, denn ihre Bosheit ist groß!“ (Joel 4,12-14).

Die Heidenvölker werden also in ein massenhaftes Gericht kommen und nicht zu einer Massenerweckung; auf sie gießt Gott bei der Erfüllung von Joel 3 Seinen Zorn aus und nicht etwa Seinen Geist!

Wir sehen hier: Die pfingstlerische Deutung von Joel 3 ist eine Verfälschung der Heiligen Schrift. Das, was das Wort Gottes für die Endzeit eindeutig und ausschließlich dem Volk Israel verheißt, wird in irreführender Weise auf die Gemeinde bezogen. Die angebliche weltweite Geistesausgießung auf alles Fleisch ist also eine unbiblische Verfälschung der Wahrheit! Die diesbezüglichen Weissagungen aus der Pfingst- und Charismatischen Bewegung sind damit ebenfalls als Lügenprophetien erwiesen; nicht der HERR hat durch diese Propheten gesprochen, sondern ein falscher Geist. Die heilsgeschichtliche Vertauschung von Israel und der Gemeinde ist übrigens das Kennzeichen vieler Irrlehren, was sich an den 144.000 aus Israel in Offb 7 zeigt, die u.a. von den „Zeugen Jehovas“ auf sich bezogen werden.

Die Schrift lehrt in bezug auf die Gemeinde, daß der Heilige Geist zu Pfingsten ein für allemal auf sie ausgegossen wurde und in ihr und bei ihr bleibt bis zur Entrückung (vgl. Joh 14,16-17; Apg 2,33; Tit 3, 5-6). Deshalb kennt die Schrift keine mehrfachen Geistesausgießungen auf die Gemeinde. Mit der schriftwidrigen „Geistesausgießung“ der Pfingstbewegung kann also nicht der wahre Heilige Geist ausgegossen worden sein.

Ein Blick in die Geschichte der Gemeinde seit der Apostelzeit zeigt uns, daß die Fehldeutung von Joel 3 sich schon mehrfach als betrügerisches Einfallstor für falschprophetische Bewegungen erwiesen hat:

1. Montanus (2. Jh.): Montanus, ein ehemaliger Zauberpriester der Kybele, verkündete eine Geistesausgießung nach Joel 3. Er hatte zwei falsche Prophetinnen, die in Zungen redeten; es traten Heilungswunder auf. Trotz offenkundiger Lügenprophetien und Irrlehren hielt sich die Bewegung über Jahrhunderte.

2. Irvingianer / Katholisch-apostolische Bewegung (19. Jh.): Auch hier spielte die Erwartung einer „Geistesausgießung“ nach Joel 3 eine wesentliche Rolle. Eine solche kam dann auch mit Zungenreden, Heilungswundern und Falschprophetien. Es wurden 12 Apostel bestimmt, die angeblich die Kirche auf die Wiederkunft des Christus vorzubereiten hatten, die noch zu Lebzeiten der falschen Apostel stattfinden werde. Diese falschprophetische Bewegung mündete letzten Endes in die Sekte der „Neuapostolischen“.

3. Pfingstbewegung (20. Jh.): Auch hier war die Erwartung einer „Geistesausgießung“ nach Joel 3 schon vorher lebendig. Schwärmerisches Gebetsringen um ein solches Geisteserlebnis führte schließlich Anfang des 20. Jh. zu Phänomenen wie Zungenreden, Weissagungen, Ekstase und Umfallen, Wunderheilungen und anderen Wunderzeichen.

 

Dieser Beitrag ist ein gekürzter Auszug aus der ausführlicheren Schrift von Rudolf Ebertshäuser Die Charismatische Bewegung – endzeitliche Erweckung oder endzeitliche Verführung?

 

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Eine gute und übersichtliche Information über die verschiedenen falschen Lehren und Praktiken der Pfingst- und Charismatischen Bewegung erhalten Sie in dem Buch desselben Verfassers: Die Pfingst- und Charismatische Bewegung. Eine biblische Orientierung (Steffisburg: Edition Nehemia 2012; 200 S., Taschenbuch).

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