Die Auseinandersetzung um Norbert Lieth und seine neuen Lehren

 

 

 
Zum dem Beitrag Zählen für uns nur die Paulusbriefe? Gefahren einer überzogenen Schriftteilung, der im Rahmen der Aktuellen Notizen im Januar erschien und sich kritisch mit Norbert Lieths Verkündigung eines überzogenen Dispensationalismus befaßt, sind einige Echos von Lesern bei mir eingegangen. Manche waren dankbar für die Aufklärung; andere sprachen von einem „unnötigen Bruderkrieg“ und wünschten sich, daß über solche Fragen gar keine Auseinandersetzung geführt werden sollte. Ich will hier keine weitergehende Debatte auslösen, aber mein Vorgehen doch noch einmal kurz begründen:

1. Für mich ist Norbert Lieth beim jetzigen Stand der Dinge kein „Irrlehrer“ oder „Verführer“, sondern ein Bruder im Herrn, dem ich erst einmal bibeltreue Grundüberzeugungen unterstellen möchte. Ich habe ihn auch nicht als etwas Ähnliches bezeichnet, habe allerdings festgestellt, daß er mit seiner Öffnung für den Hyperdispensationalismus eine falsche, unbiblische Lehre angenommen und verkündigt hat, die zumindest in ihrer voll entwickelten Form von ernstzunehmenden Brüdern als Verführungslehre mit gefährlicher, spalterischer Wirkung gekennzeichnet wird (ich habe den bekannten Bibellehrer H. A. Ironside mit dieser Einschätzung angeführt).

2. Ich hatte zunächst, als Meldungen über diese neuen Lehren Norbert Lieths aufkamen, keine Notwendigkeit gesehen, darauf näher einzugehen. Ich bin im Grunde froh, wenn ich mich in bestimmten Bereichen nicht näher mit schwierigen Entwicklungen beschäftigen muß, sondern sehe, daß andere Brüder das übernehmen. Erst später sah ich eine Notwendigkeit, Stellung zu beziehen, vor allem, weil ich mitbekam, daß die falschen Lehren doch sehr viele Geschwister verunsicherten und in Nöte brachten. Dazu kam der Umstand, daß die überzogenen dispensationalistischen Aussagen Lieths bei vielen Gläubigen die ganze heilsgeschichtliche Schriftauslegung in Verruf zu bringen drohten, die mir persönlich in ihrer ausgewogenen, gemäßigten Form überaus wichtig ist.

3. Auch mir sind grundsätzlich der Friede und die Eintracht unter bibeltreuen Gläubigen wichtig und wertvoll. Ich überlege mir schon, bei welchen Fragen ich eine warnende Aussage machen sollte und welche Fragen man unterschiedliche Sichtweisen unter ernsten Gläubigen stehen lassen kann. Aber mir wurde klar, daß der Hyperdispensationalismus keine bloße Erkenntnisfrage ist, bei der jeder seiner Überzeugung gewiß sein kann. Er verdreht nicht nur klare Aussagen der Bibel, sondern engt die Basis für biblische Lehre so weit ein, daß daraus fast zwangsläufig falsche Lehrauffassungen erwachsen müssen. Deshalb sah ich es als gerechtfertigt an, hier öffentlich Stellung zu nehmen.

4. Grundsätzlich war ich bereit, mit Nobert Lieth selbst zu sprechen. Allerdings erfuhr ich aus glaubwürdiger Quelle, daß andere dies mehrfach und ohne Erfolg getan hatten. Auf der anderen Seite bin ich der Meinung, daß Brüder, die öffentlich Dinge verkündigen, es auch akzeptieren müssen, wenn öffentlich dazu Stellung genommen wird. Wenn jemand mit seinen Botschaften Hunderte von Gläubigen beeinflußt, ist auch eine öffentliche Richtigstellung berechtigt und am Platz, wenn er Irrtümer verkündet.

 
Als aber Petrus nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn er war im Unrecht. (…) Als ich aber sah, daß sie nicht richtig wandelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Petrus vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, was zwingst du die Heiden, jüdisch zu leben? (Gal 2,11.14)
 
Eine sachliche Debatte über die Richtigkeit bestimmter Lehraussagen ist auch kein „Krieg“, sondern muß manchmal geführt werden und fördert auch das geistliche Urteilsvermögen und die Mündigkeit der Gläubigen. Und das ist dringend nötig in einer Zeit, in der immer mehr unbiblische Lehren verkündet werden und auf der anderen Seite die biblische Gründung vieler Gläubiger immer mehr abnimmt.
 
Prüft alles, das Gute behaltet! (1Thess 5,21)

Ich rede ja mit Verständigen; beurteilt ihr, was ich sage! (1Kor 10,15)

Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf; und sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte. (Apg 17,11)

 
 
Rudolf Ebertshäuser    das-wort-der-wahrheit.de   16. 4. 2015
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