Bibelkritischer Weltanschauungswächter
greift „fundamentalistisches“ Bibelverständnis an

 

 

In einem ausführlichen Interview mit der Zeitschrift idea spektrum äußerte sich der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin, Reinhard Hempelmann, unter anderem auch über bibeltreue Christen, die er unter dem polemischen Schlagwort „christlicher Fundamentalismus“ einordnet. Er meinte: „Der christliche Fundamentalismus entnimmt der Bibel ein Informationswissen zur Weltentstehung, zum Endzeitablauf, zum Ausschluß von Frauen aus dem Verkündigungsamt“.

Den schlichten Bibelglauben, der Gottes Wort für wahr nimmt und von der Erschaffung der Welt in sechs Tagen ausgeht, bezeichnet der gründlich liberaltheologisch geprägte Weltanschauungsexperte als „eine bestimmte Form der Auslegung der Bibel, die keine Auslegungsspielräume zulässt. Wer etwa die Überlieferung der Schöpfungsgeschichte in Genesis 1 und 2 so auslegt, dass Gott die Welt in 6mal 24 Stunden geschaffen habe, vertritt meines Erachtens eine bibelfundamentalistische Position, die die Eigenart dieser Texte als Zeugnis von Gottes Handeln nicht ernst nimmt. (…) Oft wird versucht, dies mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu verbinden, aber der Kern ist ein Bibelverständnis, das der Bibel fälschlicherweise ein unfehlbares und irrtumsloses naturwissenschaftliches Informationswissen entnimmt“ (idea spektrum 30-31/2010, S. 16-19).

Gleichzeitig stellt der Fachmann bereitwillig den Evangelikalen aus der Evangelischen Allianz das Zeugnis aus, daß sie keine solchen einfältig-bibelgläubigen Fundamentalisten seien. Doch dieses Zeugnis dient den Allianzkreisen eher zur Schande und zeigt, daß sie vom einfachen Glauben an Gottes wahres und irrtumsloses Wort schon weit abgedriftet sind. Durchaus zutreffend führt Hempelmann aus: „Die evangelikale Bewegung existierte bereits vor dem Entstehen des christlichen Fundamentalismus und ist von einer größeren Offenheit geprägt. So war die Evangelische Allianz, die den Großteil der Evangelikalen vereint, von einem ökumenischen Geist geprägt (!). Die evangelikale Bewegung vereint unterschiedliche Strömungen, zum Beispiel Pietisten und Charismatiker, so dass der Begriff ‚evangelikal’ zur Beschreibung eigentlich sehr unscharf geworden ist.“

Damit beschreibt er durchaus zutreffend, wie unklar und widersprüchlich die nur noch formal bibeltreue Basis der Evangelischen Allianz eigentlich ist. Die Allianz hatte von Anbeginn an einen ungesunde Neigung zu lehrmäßigen Kompromissen und nahm in ihrem Bemühen um Weite viele Kräfte auf, die nicht wirklich auf dem Boden des biblischen Glaubens standen. Diese Tendenz zur Abweichung von bibeltreuen Überzeugungen hat in den Verführungsentwicklungen der letzten Jahrzehnte immer mehr zugenommen. Wer heute wirklich bibeltreu sein will, muß sich vom Kurs der Allianz und der großen Mehrheit der heutigen Evangelikalen klar distanzieren.

Wir aber wollen trotz der kritischen Einwürfe von Herrn Hempelmann weiter an dem „fundamentalistischen“ Glauben festhalten, daß die Bibel Wort für Wort von Gott eingegeben und völlig wahr ist. Natürlich hat der lebendige Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen – Er hätte es auch in sechs Sekunden oder in einer Nanosekunde tun können! Wir glauben einfach Gottes Offenbarungswort mehr als den armseligen Spekulationen irgendwelcher bibelkritischer Theologen.

 
Die ebenfalls in ihren Erkenntnissen so begrenzte und in ihren widergöttlichen Hypothesen und Theorien so verblendete Naturwissenschaft kann uns nicht davon abhalten, die Bibel als höhere, von Gott stammende Offenbarungswahrheit anzusehen. Wo Gott klar gesprochen hat, gibt es keine intellektuellen Spielchen, keine „Auslegungsspielräume“ des verfinsterten Menschenverstandes. Es ist klar, daß dieser schlichte, echte Glaube uns die Feindschaft der Weisen dieser Welt einbringen wird, und unter ihnen sind die ungläubigen Theologen mit die schlimmsten. Aber das hat uns unser Herr bereits vorhergesagt, und wir wollen mutig dazu stehen, daß die Bibel Wahrheit ist!

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht. Durch diesen haben die Alten ein gutes Zeugnis erhalten. Durch Glauben verstehen wir, daß die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, so daß die Dinge, die man sieht, nicht aus Sichtbarem entstanden sind. (Hebr 11,1-3)

Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Wortgewaltige dieser Weltzeit? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt durch [ihre] Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Verkündigung diejenigen zu retten, die glauben. (Kol 1,20-21)

Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, so daß wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist; und davon reden wir auch, nicht in Worten, die von menschlicher Weisheit gelehrt sind, sondern in solchen, die vom Heiligen Geist gelehrt sind, indem wir Geistliches geistlich erklären. Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muß. (1Kor 2,12-14)

 
 
 

Quelle:  idea spektrum 30-31/2010, S. 16-19

 
Rudolf Ebertshäuser    das-wort-der-wahrheit.de   11. 9. 2010
 

Zu diesem Thema können Sie auf dieser Webseite lesen:

Die Heilige Schrift – Gottes Offenbarungswort an uns Menschen

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