Wim Ouweneel
tritt für das falsche Evangelium des „Inklusivismus“ ein

 

 

In der letzten Ausgabe von „Zeit + Schrift“, einer Zeitschrift aus den Reihen der deutschen „Brüderbewegung“, erschien ein unscheinbarer Artikel unter dem Titel „Christus und die Heidenwelt“. Dieser Tatbestand wäre gewiß keine Notiz auf dieser Webseite wert, wenn der Autor dieses Artikels nicht Wim Ouweneel hieße und wenn dieser Artikel nicht die Aussagen des biblischen Evangeliums mit einigen Worten beiseite schieben würde, um einer heute neu aufgewärmten Irrlehre das Wort zu reden – dem „Inklusivismus“, der Behauptung, auch Menschen, die nicht zum persönlichen Glauben an Jesus Christus gekommen sind, seien in das von Christus bewirkte Heil schon eingeschlossen und hätten an ihm teil.

Es ist eigentlich ein Skandal (auch im ursprünglichen, biblischen Sinn des Wortes, ein skandalon, ein Anstoß zur Sünde), daß Wim Ouweneel mit seiner 2008 veröffentlichten Stellungnahme in dieser Zeitschrift Raum findet. Zeit+Schrift hat sich bisher den Anstrich eines seriösen, im Rahmen bibeltreuer Grundüberzeugungen und auch im Rahmen des geistlichen Selbstverständnisses der Brüderbewegung argumentierenden Diskussionsforums gegeben. Wer die Zeitschrift allerdings genau verfolgt, findet bald heraus, daß der Trägerkreis, vorwiegend ehemalige Angehörige der exklusiven „Alten Versammlung“, sich auf der Suche nach neuer Orientierung vielfach von bibeltreuen Grundsätzen wegbewegt. Einige Autoren und Artikel bezeugen eine Öffnung für bibelkritische und modern-evangelikale Einflüsse. Doch mit der Veröffentlichung von Ouweneels Artikel wird ein deutliches Signal zur Abkehr von biblischen Grundsätzen gegeben, das nicht unwidersprochen bleiben darf.

 

Wim Ouweneel – der Bibellehrer, der zum Irrlehrer wurde

Nicht alle kennen die Geschichte Wim Ouweneels, und deshalb soll sie hier in aller Kürze skizziert werden. Der Holländer Ouweneel war einer der begabtesten Bibellehrer der exklusiven Brüderversammlungen, der auch im deutschsprachigen Raum viel Einfluß hatte – weit über den Kreis der „Brüderbewegung“ hinaus. Der hochintelligente Mann wollte sich trotz Warnungen nicht mit seinem Dienst als Bibellehrer unter den Gläubigen zufriedengeben. Er begann, die drei Fächer zu studieren, die am ehesten geeignet sind, den Glauben eines Menschen zu zerstören: Philosophie, Psychologie und Theologie. Er kam dabei zu akademischen Ehren, aber er verlor etwas Entscheidendes: den einfältigen Glauben an die Inspiration und Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift. Er öffnete sich für die Bibelkritik und dann auch für die okkulte Psychologie C. G. Jungs und distanzierte sich von seinen früheren bibeltreuen Überzeugungen.

Es folgte ein eindrucksvolles Gericht Gottes: Dieser hochintelligente Akademiker, der die gesunde Lehre der Bibel so gut kannte, verfiel dem faulen Zauber eines afrikanischen Wunderheilers und Falschpropheten, der so extrem unbiblisch war, daß sogar afrikanische Pfingstler sich von ihm distanzierten. Ouweneel ging zu ihm und ließ sich von ihm bezaubern. Er meinte, dieser T. B. Joshua sei ein Mann Gottes und habe echte Offenbarungen. In der Folge wurde Ouweneel selbst zum Charismatiker, behauptete, er habe die Gabe der Heilung und schrieb ein dementsprechendes verführerisches Buch über Krankenheilung. Er führte in den letzten Jahren die überwiegende Mehrheit der ehemaligen exklusiven Brüderversammlungen in Holland auf einen völlig unbiblischen neu-evangelikalen, pro-charismatischen, pro-ökumenischen Irrweg. Es ist zwar schmerzlich für alle Gläubigen und besonders für die, die ihn einst schätzten, aber die Wahrheit muß dennoch klar ausgesprochen werden: dieser Mann ist zu einem Irrlehrer und Verführer in der Gemeinde geworden, und alle wahren Gläubigen müssen gemäß der Lehre der Bibel ihm gegenüber handeln (Röm 16,17; 1Tim 6,3-5).

Daß nun angesehene Vertreter einer neuen, für alles Mögliche „offenen“ Strömung der Brüderbewegung diesem Mann eine Plattform bieten, ist ein schlimmer Fehltritt, denn sie müssen eigentlich wissen, was sie tun. Sie kennen Wim Ouweneel und seinen bösen Weg sicherlich recht gut. Aber offensichtlich ist sein Weg in ihren Augen recht, und vielleicht sind manche ihm schon weiter gefolgt, als es öffentlich sichtbar ist. Mit ihrer vorbehaltlosen und empfehlenden Veröffentlichung geben sie ihren Lesern jedenfalls das Signal, daß sie ihn trotz seiner Irrlehren zu den vertrauenswürdigen Lehrern der „Brüderbewegung“ und der Gemeinde des Herrn zählen. So verbreitet Ouweneel jetzt mit ihrer ausdrücklichen Zustimmung ernste Irrlehren, ein falsches Evangelium, das unter dem Fluch von Galater 1,10 steht.

 

Das falsche Evangelium des „Inklusivismus“

Ouweneel beginnt seinen Artikel mit der Aussage eines bekannten Katholiken: „Vor einiger Zeit sprach der niederländische Kardinal Simonis die Erwartung aus, daß manche Muslime im Himmel einen höheren Platz bekommen würden als er. Priester Antoine Bodar setzte noch eins drauf, indem er dasselbe von Hindus sagte. – Können Menschen, die das Evangelium nie gehört haben, dennoch errettet werden?“ Er zählt dann fünf Auffassungen über Errettung auf und bekennt, daß er sich dem Standpunkt des „Inklusivismus“ anschließt, den er wie folgt definiert: „Das Heil steht allen zur Verfügung, also auch denen, die das Evangelium nie zu hören bekommen, aber es beruht auf jeden Fall auf dem Werk Christi“. Als Befürworter dieses Standpunktes erwähnt er Justin den Märtyrer, John Wesley, C. S. Lewis, den evangelischen liberalen Theologen Wolfhart Pannenberg und den katholischen Theologen und Jesuiten Karl Rahner.

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wenn wir uns mit den Argumenten Ouweneels im einzelnen auseinandersetzen würden, aber einige Punkte sollen in aller Kürze genannt werden.

1. An sehr vielen Stellen bezeugt das NT, daß nur der errettet wird und ewiges Leben hat, der an den Herrn Jesus Christus glaubt (vgl. u.a. Joh 3,18.36; Joh 5,23-24; Joh 6,40; Röm 10,13-14). In Adam (von Natur aus) sind alle Menschen Sünder, die Gottes Gericht und den Tod verdient haben (vgl. u.a. Röm 1,18-20; Röm 2,12; Röm 3,10-18; Röm 5,12-21) und unter Gottes Zorn stehen: „wir waren von Natur Kinder des Zorns, wie auch die anderen“ (Eph 2,1-3).

Nur wenn jemand in Christus ist, von neuem geboren und eine neue Schöpfung, hat er auch Vergebung der Sünden und ewiges Leben (vgl. u.a. Röm 8,1). Dafür ist die Voraussetzung die Bekehrung, Buße und Glauben an Jesus Christus (vgl. u.a. Gal 2,15-16; Gal 3,22-29; Eph 1,13; Eph 2,4-10; 2Th 2,13-14). Gerettet werden alle, die den Namen des Herrn anrufen (Röm 10,13), und das ist nur möglich, wenn sie an Ihn glauben und von Ihm gehört haben (Röm 10,14). „Wer an mich glaubt, der hat ewiges Leben“ (Joh 6,47); „Jeder, der glaubt, daß Jesus der Christus ist, der ist aus Gott geboren“ (1Joh 5,1); „Wer den Sohn hat, der hat das Leben; werden Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht“ (1Joh 5,12).

2. Ouweneel und andere Befürworter des Inklusivismus meinen, es könne „fromme Heiden“ geben – moralisch einwandfreie Anhänger des Islam oder des Buddhismus, die vor Gott angenehme gute Werke tun, die das Gesetz erfüllen, soweit sie es verstehen, und die durch solche „guten Werke“ gerettet würden, ohne das Evangelium von Jesus Christus gehört zu haben und geglaubt zu haben. Römer 3 zeigt jedoch, daß es solche Menschen gar nicht geben kann, daß vor Gott keiner gerecht ist, auch nicht einer. Oft wird Cornelius als Beispiel angeführt, aber er kannte die Offenbarung Gottes des AT und war ein gottesfürchtiger Heide, der schon an die alttestamentlichen Messiasverheißungen glaubte. Beispiele aus dem AT wie Melchisedek oder Hiob können für die Zeit nach Pfingsten keine Beweiskraft haben; nach der Gesamtlehre der Schrift wurden auch sie durch den Glauben an die ihnen bekannte Offenbarung des Wortes Gottes gerettet (etwa das Ur-Evangelium 1Mo 3,16) und nicht unabhängig davon.

Ergänzend bringt Ouweneel eine Theorie ins Spiel, nach der solche Heiden gerettet werden könnten, wenn sie durch die Wirkung des Geistes Gottes zu Reue und Sündenbekenntnis kommen, auch wenn sie nicht an Christus glauben. Zu diesem Zweck behauptet Ouweneel gegen jede gesunde Bibelauslegung, daß die Verheißung in 1Joh 1,9 unbegrenzt für alle Menschen gelte und nicht nur für wiedergeborene Gläubige (was aber der Textzusammenhang eindeutig zeigt). Die Bibel kennt für die heutige Heilszeit nur eine Errettung durch Glauben an Jesus Christus, nicht aber durch eine vom Glauben abgelöste Reue oder ein bloßes Sündenbekenntnis (wem werden denn die Sünden bekannt? Irgendwelchen Götzen?).

3. Nach der Bibel sind sowohl Muslime als auch Hindus und Buddhisten oder Animisten Götzendiener, die unter dem Zorngericht Gottes stehen – gerade auch „moralische“, „aufrichtige“, „eifrige“ Hindus und Muslime. Alle diese Religionen stehen unter dem Verdammungsurteil Gottes, weil sie andere Götter anbeten (und damit die Dämonen, 1Kor 10,20), und nicht zuletzt, weil sie den Sohn Gottes nicht anerkennen, sondern leugnen (1Joh 2,22-23). Die absurden Theorien des Inklusivismus würden letztlich bedeuten, daß es für manche „gute Hindus“ oder „fromme Moslems“ besser wäre, das Evangelium würde ihnen nicht bezeugt – sie könnten es ja ablehnen und stünden am Ende schlechter da, als wenn sie durch ihre guten Werke als fromme Heiden schon das Ticket in den Himmel verdient hätten. Zumindest erscheinen der Missionsbefehl und die Bemühungen um die Ausbreitung des Evangeliums als nicht so dringlich, wenn man diese Irrlehre glaubt.

Der Inklusivismus ist heute beliebt, denn er scheint eine Lösung zu bieten, die manche Fragen humanistisch denkender Kritiker des christlichen Glaubens befriedigend beantworten kann. Er umgeht die heute anstößige Ausschließlichkeit des Herrn Jesus Christus als des einzigen Erretters (Joh 14,6; Apg 4,12) mit einem raffinierten philosophisch-dialektischen Winkelzug: Alle werden durch Christus gerettet, aber nicht alle müssen an Christus glauben. Aber diese moderne Lehre widerspricht eindeutig der Lehre der Apostel. Sie deutet einzelne Bibelstellen willkürlich um und reißt sie aus ihrem Zusammenhang, während sie vielen klaren Bibelstellen einfach widerspricht. Das ist das klassische Konstruktionsmuster für Verführung und Irrlehre.

Vom bibeltreuen Standpunkt aus müssen wir bekennen, daß manche Einzelfragen offen bleiben, daß aber ganz klar gilt: ohne persönlichen Glauben an Christus gibt es kein Heil, kein ewiges Leben. Wir sind überzeugt, daß Gott in Seiner Souveränität Wege findet, um das Evangelium von Christus zu einer wahrhaft heilsverlangenden Seele zu bringen. Wenn das Verlangen des Heils, wie Ouweneel zu recht sagt, nur durch die Wirkung des Heiligen Geistes zustandekommt – weshalb sollte der Geist Gottes solchen Menschen nicht auch zum Evangelium führen bzw. das Evangelium zu ihm? Es wird in der Ewigkeit keinen einzigen Menschen geben, der zu Gott sagen kann: „Ich hätte an Christus geglaubt, wenn ich die Chance dazu gehabt hätte – aber du hast es nicht gewollt!“

 

Die Hintergründe für die Ausbreitung des Inklusivismus

Obwohl er der Bibel klar widerspricht, ist der Inklusivismus unter den Evangelikalen stark im Kommen. Das kommt daher, daß er das Ärgernis des Kreuzes scheinbar elegant und intellektuell akzeptabel auflöst. Hinter dieser Irrlehre steckt ein falscher humanistischer Geist, der Gott der Ungerechtigkeit anklagt, wenn Er einen Sünder verurteilt, und der eine Errettung aufgrund von Unwissenheit und guten Werken erfindet, die die Bibel nirgends kennt. Letztlich ist der Inklusivismus eine abgeschwächte Spielart der Allversöhnung (Universalismus) und der erste Schritt zu einem Pluralismus der Weltreligionen, wie er immer häufiger von der abgefallenen ökumenischen Bewegung propagiert wird. Wer sich zu dieser halben Allversöhnung hinverführen läßt und damit die biblische Lehre verwirft, der wird auch bald die Welteinheitsreligion befürworten; dazu ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Der Inklusivismus ist das Glaubenbekenntnis der Emerging Church, soweit sie nicht die Allversöhnung vertritt. Der Inklusivismus beeinflußt auch bekannte Evangelikale wie Billy Graham. Laut der Zeitschrift McCall’s vom Januar 1978 sagte Graham in einem Interview: „Ich glaubte früher, die Heiden in fernen Ländern seien verloren, gingen zur Hölle, wenn ihnen nicht das Evangelium von Jesus Christus gepredigt würde. Ich glaube das nicht länger … Ich glaube, daß es andere Wege gibt, die Existenz Gottes zu erkennen, zum Beispiel durch die Natur, und deshalb auch viele andere Möglichkeiten, zu Gott ‚Ja’ zu sagen.“ Viele heutige vom biblischen Glauben abgedriftete Evangelikale vertreten heimlich oder offen den Inklusivismus in irgendeiner Spielart.

Der Hauptförderer des Inklusivismus ist jedoch die römische Kirche, die den Irrlehren eines Karl Rahner folgend beim 2. Vatikanischen Konzil dieses falsche Evangelium verkündete. „Wer nämlich das Evangelium Christi und seine Kirche ohne Schuld nicht kennt, Gott aber aus ehrlichem Herzen sucht, seinen im Anruf des Gewissens erkannten Willen unter dem Einfluß der Gnade in der Tat zu erfüllen trachtet, kann das ewige Heil erlangen. Die göttliche Vorsehung verweigert auch denen das zum Heil Notwendige nicht, die ohne Schuld noch nicht zur ausdrücklichen Anerkennung Gottes gekommen sind, jedoch, nicht ohne die göttliche Gnade, ein rechtes Leben zu führen sich bemühen“ (Lumen Gentium, 16).

Diese Lehren sind Teil der Verführungsoffensive der katholischen Kirche, die mit ihrer Hilfe die Brücke zur Vereinigung mit anderen Religionen baut. Der Inklusivismus ist ein Wegbereiter für den Dialog zwischen den Weltreligionen und letztlich für die Welteinheitsreligion der Hure Babylon. Deshalb ist es auch so wichtig, klar vor dieser verführerischen Lehre zu warnen.

Heute gilt es wachsam zu sein. In dieser Zeit des beschleunigten Abfalls vom Glauben kann es vorkommen, daß angesehene Leute, denen man früher meinte vertrauen zu können, mit wohlklingenden neuen Botschaften und Lehren aufwarten, um die Gläubigen zu verwirren und ihren Glauben zu verderben. Wer davor warnt, wird rasch als „lieblos“ und „zertrennend“ abgestempelt, aber wir müssen warnen, um die kostbare Herde Gottes vor Schaden zu bewahren.

So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat, um die Gemeinde Gottes zu hüten, die er durch sein eigenes Blut erworben hat! Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied räuberische Wölfe zu euch hineinkommen werden, die die Herde nicht schonen; und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen in ihre Gefolgschaft. (Apg 20,28-30)

Mich wundert, daß ihr euch so schnell abwenden laßt von dem, der euch durch die Gnade des Christus berufen hat, zu einem anderen Evangelium, während es doch kein anderes gibt; nur sind etliche da, die euch verwirren und das Evangelium von Christus verdrehen wollen. Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium verkündigen würden als das, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht! (Gal 1,6-8)

 
 
 
Quelle: Zeit+Schrift XX/2010, S. 15-18
 
 

Rudolf Ebertshäuser    das-wort-der-wahrheit.de   erweiterte Fassung  10. 8. 2010       

 

Zu diesem Thema können Sie auf dieser Webseite lesen:

Grundaussagen des biblischen Evangeliums

Eine biblische Beurteilung der Emerging Church [ausführlicherer Beitrag, insbes. S. 9-13]

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