Sollen Christen den Sabbat halten?

 

Rudolf Ebertshäuser

 

Immer wieder erhalte ich Anfragen von Christen, die verunsichert sind, ob sie das Gebot des Sabbats halten sollen. An dieser Stelle möchte ich einmal kurz darlegen, weshalb ich glaube, daß es für uns Christusgläubige nicht nur unnötig, sondern geradezu falsch ist, den Sabbat zu halten.

 

Wenn Christen dazu angehalten werden, den Sabbat zu halten, dann ist dies eine falsche Lehre, die ich entschieden als unbiblisch ablehne. Sie wird von verführerischen Gruppierungen wie den Adventisten propagiert, die früher sogar behaupteten, daß alle Gläubigen, die den Sonntag begingen statt des Sabbats, deswegen verlorengingen. Auch gewisse sich ans Judentum anpassende christliche Kreise, die nicht verstanden haben, was die Stellung und Berufung der Gemeinde in Christus ist, neigen dazu, den Sabbat als Gebot für Christen zu verkünden.

Wenn wir die Bibel zu dieser Frage studieren, dann finden wir, daß das Gebot des Sabbats eine Gesetzesbestimmung für Israel unter dem Bund des mosaischen Gesetzes ist (vgl. u.a. 2Mo 20,8-11; 2Mo 31,13.1). Die Gemeinde in Christus ist aber nicht unter dem mosaischen Gesetz (vgl. u.a. Röm 614; 7,6; 10,4; Gal 2,19; 4,5; 5,4; 5,18); für sie gilt das Sabbatgebot nicht. Sie hat im Grunde gar keinen verbindlich vorgeschriebenen Feiertag, an dem die Arbeit verboten wäre.

Für sie ist der erste Tag der neuen Woche (entspricht unserem Sonntag), der Tag der Auferstehung, ein besonderer Tag, an dem man sich in apostolischen Zeiten zur Gemeindeversammlung und zum Brotbrechen traf (vgl. Apg 20,7). Damals war aber der erste Tag der Woche – sowie heute noch in zahlreichen Ländern – kein Feiertag, und die Christen konnten sich nur abends treffen, um ihre Versammlung und das Mahl des Herrn zu halten.

Als Christen sollten wir dankbar sein, wenn der Sonntag in unserem Land ein öffentlicher Feiertag ist, und bestrebt sein, ihn für geistliche und auferbauende Aktivitäten sowie Ruhe zu nutzen; wir sollten auch nicht unnötigerweise an diesem Tag Alltagsarbeit tun.

Aber kein Christ sündigt, wenn er sonntags arbeitet, insbesondere nicht, wenn das öffentlich notwendig ist, wie bei Beschäftigungen im Gesundheitssektor, und auch nicht, wenn solche Arbeit im Rahmen des christlichen Gemeindelebens anfällt (Geschirrspülen beim Gemeindenachmittag z.B.). Die strengen Auflagen des alttestamentlichen Sabbatgebotes gelten für den Christen nicht, auch nicht in übertragener Form in bezug auf das Feiern des Sonntags.

Die Gläubigen in Christus sind nicht mehr unter Gesetz, d.h. sie sind nicht verpflichtet, all die 613 Gebote des mosaischen Gesetzes zu halten. Sie halten die neutestamentlichen Gebote ihres Herrn, doch Er hat für die Gemeinde nirgends das Halten des Sabbats geboten. Für die Gemeinde des Christus gilt, daß sie durch die Glaubensverbindung zu dem Herrn Jesus Christus in das geistliche Wesen dessen eingegangen ist, wovon Israel im mosaischen Gesetz nur den Schatten hatte.

Die Israeliten hatten von Gott äußerliche Ordnungen bekommen, die einen Hinweis auf das geistliche Wesen bildeten. Sie glichen einem Erben, der noch zuwenig Einsicht hatte, um das Wesen seines Erbteils zu begreifen, und der deshalb unter Vormündern war (Gal 4,1-3).

Gott zeigte den Israeliten in den schattenhaften, äußeren Bestimmungen des mosaischen Gesetzes eine Ahnung von dem, was sie künftig unter den Neuen Bund in Christus einmal erlangen würden. Die Tieropfer sind z.B. laut Hebräerbrief ebenfalls nur ein Schatten des geistlichen Wesens in Christus, nämlich Seines einmaligen, vollkommenen Sühnopfers am Kreuz.

Die Gemeinde in Christus gleicht einem mündigen Sohn, der durch den innewohnenden Heiligen Geist nunmehr in das Wesen seines geistlichen Erbteils eingeweiht ist und die Vormünder nicht mehr braucht (Gal 4,4-7).

So laßt euch von niemand richten wegen Speise oder Trank, oder wegen bestimmter Feiertage oder Neumondfeste oder Sabbate, die doch nur ein Schatten der Dinge sind, die kommen sollen, wovon aber der Christus das Wesen hat. (Kol 2,16-17)

Denn weil das Gesetz nur einen Schatten der zukünftigen [Heils-] Güter hat, nicht die Gestalt der Dinge selbst, so kann es auch mit den gleichen alljährlichen Opfern, die man immer wieder darbringt, die Hinzutretenden niemals zur Vollendung bringen. (Hebr 10,1)

Der Sabbat war unter dem mosaischen Gesetz ein Schattenbild auf die Ruhe von den eigenen Werken, die in Christus gegeben würde. Das mosaische Gesetz verpflichtete die Israeliten, durch das Halten aller Gebote zum Leben zu kommen, was aber aufgrund des sündigen Fleisches nicht möglich war. Sie waren im alten Bund angehalten und hatten sich auch feierlich dazu verpflichtet, Werke zu tun. Doch der Sabbat sollte sie daran erinnern, daß Gott für sie eine Ruhe von diesen Werken vorgesehen hatte.

Gott gab den Israeliten in Seiner Gnade neben den Geboten und Werken auf der einen Seite die Opfer, welche die Sünden bedecken könnten, die sie begingen, und welche ein Schattenbild auf das vollkommene Sühnopfer des Christus waren, und zum anderen gab Er ihnen den äußerlichen Ruhetag des Sabbat, an dem sie gar keine Werke tun durften, die ihnen doch alle anderen Tage geboten wurden. Doch der Sabbat war unter dem mosaischen Gesetz auch eine strenge Ordnung, deren Übertretung mit dem Tode bestraft wurde.

Der Sabbat ist also geistlich-neutestamentlich betrachtet eine äußere Ordnung des alten Bundes. Sie verweist darauf, daß der Gläubige in Christus, unter dem neuen Bund, zur Ruhe gekommen sein wird von allen seinen Werken, weil vor Gott nur das eine vollkommene Erlösungswerk des Sohnes Gottes zählen würde. Der Hebräerbrief lehrt uns nun, daß wir in diese wesentliche Ruhe von den Werken durch den Glauben an Christus hineingekommen sind. Wir lesen darin:

Also bleibt dem Volk Gottes noch eine Sabbatruhe vorbehalten; denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ruht auch selbst von seinen Werken, gleichwie Gott von den seinen. So wollen wir denn eifrig bestrebt sein, in jene Ruhe einzugehen, damit nicht jemand als ein gleiches Beispiel des Unglaubens zu Fall kommt. (Hebr 4,9-11)

Wir müssen noch einen Schritt weiter gehen. Nach dem Opfertod und der Verherrlichung Jesu Christi ist eine Rückkehr zu den Schattenbildern Sünde und Verführung, weil wir das geistliche Wesen haben, das die äußere Ordnung ersetzt hat (vgl. auch Hebräer 8).

Deshalb sind wir nicht nur keineswegs verpflichtet, den Sabbat zu halten, sondern wir sollten das nicht tun, denn es wäre eine Verleugnung des geistlichen Wesens in Christus, wenn man zu den äußeren Formen des Gesetzes zurückehrt – das wäre so, als wenn ein Christ wieder blutige Opfer darbringen würde, obwohl Christus Sein einmaliges Opfer gebracht hat, das die Tieropfer für immer überflüssig macht.

Ebenso ist es für einen Christusgläubigen eine Sünde, wenn er sich beschneiden läßt, um das Joch des mosaischen Gesetzes auf sich zu nehmen, das Christus ihm doch abgenommen hat. Wir sollten die ernste Warnung des Galaterbriefes beachten:

So steht nun fest in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und laßt euch nicht wieder in ein Joch der Knechtschaft spannen! Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden laßt, wird euch Christus nichts nützen. Ich bezeuge nochmals jedem Menschen, der sich beschneiden läßt, daß er verpflichtet ist, das ganze Gesetz zu halten. Ihr seid losgetrennt von Christus, die ihr durchs Gesetz gerecht werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen!

Wir aber erwarten im Geist aus Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit; denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe wirksam ist. Ihr lieft gut; wer hat euch aufgehalten, daß ihr der Wahrheit nicht gehorcht? Die Überredung kommt nicht von dem, der euch berufen hat! Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig. Ich traue euch zu in dem Herrn, daß ihr nicht anders gesinnt sein werdet; wer euch aber verwirrt, der wird das Urteil tragen, wer er auch sei. (Gal 5,1-10)

Im Galaterbrief tadelt der Apostel Paulus die verführten galatischen Christen auch dafür, daß sie den Sabbat und andere jüdische Feiertage einhielten: „Jetzt aber, da ihr Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wieso wendet ihr euch wiederum den schwachen und armseligen Grundsätzen zu, denen ihr von Neuem dienen wollt? Ihr beachtet Tage und Monate und Zeiten und Jahre. Ich fürchte um euch, daß ich am Ende vergeblich um euch gearbeitet habe“ (Gal 4,9-11). Das Neue Testament kennt nicht nur keinerlei Gebot zum Halten des Sabbats; es warnt die Christen ausdrücklich davor!

Es bleibt zu ergänzen, daß nach dem Zeugnis einiger prophetischer Aussagen sowohl Sabbat als auch Tieropfer in einer gedenkweisen Funktion im künftigen Tausendjährigen Reich wieder eine Rolle spielen werden; aber für die Gemeinde in Christus sind sie abgetan.

 

Laßt euch von niemand in irgendeiner Weise verführen! (2Thess 2,3)

Ich habe dich ja bei meiner Abreise nach Mazedonien ermahnt, in Ephesus zu bleiben, daß du gewissen Leuten gebietest, keine fremden Lehren zu verbreiten und sich auch nicht mit Legenden und endlosen Geschlechtsregistern zu beschäftigen, die mehr Streitfragen hervorbringen als göttliche Erbauung im Glauben; das Endziel des Gebotes aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben. Davon sind einige abgeirrt und haben sich unnützem Geschwätz zugewandt; sie wollen Lehrer des Gesetzes sein und verstehen doch nicht, was sie verkünden und als gewiß hinstellen. Wir wissen aber, daß das Gesetz gut ist, wenn man es gesetzmäßig anwendet und berücksichtigt, daß einem Gerechten kein Gesetz auferlegt ist … (1Tim 1,3-9)

 

 

 

 

 

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