Jesus Christus – der auferstandene Herr.
Eine biblische Betrachtung

Rudolf Ebertshäuser

 

 

Einleitung

Wir haben uns in zwei vorhergehenden Betrachtungen daran erinnert, was die Bibel über die Menschwerdung des Sohnes Gottes sagt, der vom Himmel auf die Erde kam, um zu dienen und Sein Leben zum Lösegeld zu geben für viele, und was die Bibel über den Opfertod des Herrn Jesus Christus am Kreuz und seine erlösende Bedeutung für uns bezeugt. Nun wollen wir die dritte große geschichtliche Tatsache betrachten, die für unsere Rettung von ausschlaggebender Bedeutung ist – die Auferstehung des Herrn Jesus Christus aus dem Toten und Seine Aufnahme in den Himmel.

Auch hier gilt, daß wir die volle Bedeutung und viele Einzelheiten dieses wunderbaren Vorgangs nicht ergründen können; es ist für uns genug, wenn wir über die Dinge nachdenken, die uns in der Bibel darüber klar gesagt sind. Wir können dann erkennen, daß die leibliche Auferstehung Jesu Christi ein notwendiger Akt in Gottes Heilsplan darstellt und ebenso Seine triumphale Aufnahme in den Himmel, wo Er nun zur Rechten Gottes in der Herrlichkeit thront.

 

1. Die Notwendigkeit der Auferstehung Jesu Christi und ihre prophetische Ankündigung

Der Tod Jesu Christi am Kreuz auf Golgatha war begleitet worden von übernatürlichen Kundgebungen Gottes. Schon in den Stunden Seines Todesringens hatte sich der Himmel verfinstert (Matthäus 27,45). Als Er den Geist aufgab, geschahen weitere Wunderzeichen:

Jesus aber schrie nochmals mit lauter Stimme und gab den Geist auf. Und siehe, der Vorhang im Tempel riß von oben bis unten entzwei, und die Erde erbebte, und die Felsen spalteten sich. Und die Gräber öffneten sich, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt und gingen aus den Gräbern hervor nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. Als aber der Hauptmann und die, welche mit ihm Jesus bewachten, das Erdbeben sahen und was da geschah, fürchteten sie sich sehr und sprachen: Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn! (Matthäus 27,50-54)

All das zeigte, daß hier nicht ein gewöhnlicher Sterblicher sein Leben aushauchte. Wäre Jesus von Nazareth nur ein gewöhnlicher Mensch gewesen, so wäre diese Stunde unwiderruflich seine letzte gewesen; es wäre aus mit Ihm gewesen und damit auch mit allen Hoffnungen, die Er erweckt hatte. So empfanden es die ungläubigen Jünger, die meinten, mit dem Tod des Herrn habe alle ihre Hoffnung auf den Messias sich als vergeblich erwiesen (Lukas 24,19-21). Doch hier war der Sohn Gottes gestorben, der eben deswegen einen menschlichen Leib angenommen hatte, um ihn als Opfer darzubringen (Hebräer 10,4-10).

Dieser heilige und gerechte Sohn des Menschen, der Messias, konnte unmöglich im Tode bleiben und die Verwesung erleben. Die Verwesung war Teil des Fluches über die Sünde, Teil des Zorngerichts, das die Nachkommen Adams unweigerlich alle miteinander trifft: „Denn du bist Staub, und zum Staub wirst du wieder zurückkehren!“ (1. Mose 3,19). Deshalb bezeugt der Apostel Petrus freimütig vor seinen Volksgenossen die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten:

Ihn hat Gott auferweckt, indem er die Wehen des Todes auflöste, weil es ja unmöglich war, daß Er von ihm festgehalten würde. David nämlich sagt von ihm: »Ich sah den Herrn allezeit vor mir, denn er ist zu meiner Rechten, daß ich nicht wanke. Darum freute sich mein Herz, und meine Zunge frohlockte; zudem wird auch mein Fleisch auf Hoffnung ruhen; denn du wirst meine Seele nicht dem Totenreich preisgeben und nicht zulassen, daß dein Heiliger die Verwesung sieht. Du hast mir die Wege des Lebens gezeigt; du wirst mich mit Freude erfüllen vor deinem Angesicht!«

Ihr Männer und Brüder, es sei mir erlaubt, freimütig zu euch zu reden von dem Stammvater David: Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist unter uns bis zu diesem Tag. Da er nun ein Prophet war und wußte, daß Gott ihm mit einem Eid verheißen hatte, daß er aus der Frucht seiner Lenden, dem Fleisch nach, den Christus erwecken werde, damit er auf seinem Thron sitze, hat er vorausschauend von der Auferstehung des Christus geredet, daß seine Seele nicht dem Totenreich preisgegeben worden ist und auch sein Fleisch die Verwesung nicht gesehen hat. (Apostelgeschichte 2,24-31)

Es war unmöglich, daß der Messias Jesus Christus vom Tode festgehalten werden konnte. Das wäre im Widerspruch zum Wesen Gottes und zu den Zusagen und Verheißungen gestanden, die Gott in bezug auf Seinen Messias gegeben hatte. So hatte es der Herr selbst schon Seinen Jüngern angekündigt und ausgelegt:

Von da an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, daß er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten, den obersten Priestern und Schriftgelehrten, und getötet werden und am dritten Tag auferweckt werden müsse. (Matthäus 16,21)

Nach Seiner Auferstehung hat der Herr es den ungläubigen Jüngern noch einmal ausführlich dargelegt, weshalb Er auferstehen mußte:

Und er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen, wie ist doch euer Herz träge, zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben! Mußte nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht. (…)

Er aber sagte ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch geredet habe, als ich noch bei euch war, daß alles erfüllt werden muß, was im Gesetz Moses und in den Propheten und den Psalmen von mir geschrieben steht. Da öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verstanden, und sprach zu ihnen: So steht es geschrieben, und so mußte der Christus leiden und am dritten Tag aus den Toten auferstehen, und in seinem Namen soll Buße und Vergebung der Sünden verkündigt werden unter allen Völkern, beginnend in Jerusalem. (Lukas 24,25-27 u. 44-47)

Wir wollen nachfolgend einige Gründe betrachten, welche die Auferstehung des Sohnes Gottes notwendig machten.

 

Der Sohn Gottes mußte notwendigerweise auferstehen, weil Er gerecht und sündlos war

Der Tod wurde von dem heiligen und gerechten Gott über den Menschen, über Adam und seine Nachkommen verhängt, weil sie in Sünde gefallen waren und nun wesensmäßig verdorbenen Sünder waren. Der Grundcharakter und das innerste Wesen des gefallenen, sündigen Menschen ist von Natur aus durch Auflehnung gegen Gott und Seine Gebote, durch Stolz und Eigenwillen, durch Eigensucht und böse Begierden gekennzeichnet.

Die Gerechtigkeit des allmächtigen Schöpfergottes konnte es nicht zulassen, daß ein solches entartetes Wesen für immer lebt, Sünde auf Sünde häuft und in seiner Bosheit immer weiter zunimmt, bis schließlich die ganze Erde durch die Vielzahl solcher Sünder verdorben würde. Genau das hatte letztlich auch zum Gericht der Sintflut geführt (vgl. 1. Mose 6,5-13). Der leibliche Tod des einzelnen Sünders verhindert, daß er seine Sünden ins Gigantische anhäufen kann. Dieses von Gott verordnete Ende eines Sünderlebens ist in gewisser Weise auch barmherzig, weil sonst auch die ewige Strafe für die Masse der Sünden immer schlimmer sein müßte.

Doch hier hatte der eine und einzige Mensch den Tod geschmeckt, der innerlich keinerlei Sünde und Verderbnis an sich hatte, und auch äußerlich keinerlei Sünde getan hatte, sondern als der Sohn Gottes vollkommen heilig und gerecht war. Dieser heilige und gerechte Mensch hatte für sich selbst nicht den Tod verdient; es wäre ungerecht gewesen, wenn Er im Tode geblieben wäre. Wohl hatte Er den Tod geschmeckt für andere, für Sünder, die durch Ihn gerettet werden sollten, aber deren Sünde hatte Er ja im Gehorsam gegen Gottes Ratschluß auf sich genommen, und das war eine zutiefst gerechte Tat, in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes.

So erforderte es die heilige, vollkommene Gerechtigkeit Gottes, daß dieser Gerechte den Tod nicht dauerhaft erleiden durfte; er erlitt den Tod, um Sein Blut zum Lösegeld für uns zu geben, aber dann wurde Er von Gott wieder aus den Toten auferweckt und damit öffentlich als Sohn Gottes und Erretter der sündigen Menschen beglaubigt, wie geschrieben steht:

Paulus, Knecht Jesu Christi, berufener Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes, das er zuvor verheißen hat in heiligen Schriften durch seine Propheten [nämlich das Evangelium] von seinem Sohn, der hervorgegangen ist aus dem Samen Davids nach dem Fleisch und erwiesen ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist der Heiligkeit durch die Auferstehung von den Toten, Jesus Christus, unseren Herrn … (Römer 1,1-4)

… diesen, der nach Gottes festgesetztem Ratschluß und Vorsehung dahingegeben worden war, habt ihr genommen und durch die Hände der Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und getötet. Ihn hat Gott auferweckt, indem er die Wehen des Todes auflöste, weil es ja unmöglich war, daß Er von ihm festgehalten würde. David nämlich sagt von ihm: »Ich sah den Herrn allezeit vor mir, denn er ist zu meiner Rechten, daß ich nicht wanke. Darum freute sich mein Herz, und meine Zunge frohlockte; zudem wird auch mein Fleisch auf Hoffnung ruhen; denn du wirst meine Seele nicht dem Totenreich preisgeben und nicht zulassen, daß dein Heiliger die Verwesung sieht. (Apg 2,23-27)

 

Der Sohn Gottes mußte notwendigerweise auferstehen, weil Er der Mann ist, der Gottes Ratschlüsse vollendet

Wir haben gesehen, daß der Auftrag des Herrn Jesus Christus mit Seinem Kreuzestod keinesfalls vollendet war. Nicht nur mußte Er auferstehen, um für uns als Hoherpriester einzutreten, nein, Er wurde auch von Gott auferweckt, damit wir Teilhaber Seiner Gerechtigkeit und Seines Auferstehungslebens würden. Als verherrlichter Mensch im Himmel lebt Er, um Gottes Plan auszuführen und alle Ratschlüsse Gottes zur Vollendung hinauszuführen.

Wenn wir nur in diesem Leben auf Christus hoffen, so sind wir die elendesten unter allen Menschen! Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt; er ist der Erstling der Entschlafenen geworden. Denn weil der Tod durch einen Menschen kam, so kommt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen; denn gleichwie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in seiner Ordnung: Als Erstling Christus; danach die, welche Christus angehören, bei seiner Wiederkunft; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, wenn er jede Herrschaft, Gewalt und Macht beseitigt hat.

Denn er muß herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Als letzter Feind wird der Tod beseitigt. Denn »alles hat er seinen Füßen unterworfen«. Wenn es aber heißt, daß ihm alles unterworfen ist, so ist offenbar, daß derjenige ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allen sei. (1. Korinther 15,19-28)

 

Die Auferstehung Jesu Christi gibt allen, die an Ihn glauben und Ihm angehören, Anteil an Seiner Gerechtigkeit und an dem übernatürlichen, geistlichen Herrlichkeitsleben, das Er in der Auferweckung offenbarte.

Es steht aber nicht allein um seinetwillen geschrieben, daß es ihm angerechnet worden ist, sondern auch um unsertwillen, denen es angerechnet werden soll, wenn wir an den glauben, der unseren Herrn Jesus aus den Toten auferweckt hat, ihn, der um unserer Übertretungen willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt worden ist. (Römer 4,23-25)

Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. (Römer 6,4)

Gott aber, der reich ist an Erbarmen, hat um seiner großen Liebe willen, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren durch die Übertretungen, mit dem Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr errettet! – und hat uns mitauferweckt und mitversetzt in die himmlischen [Regionen] in Christus Jesus, damit er in den kommenden Weltzeiten den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade in Güte an uns erweise in Christus Jesus. (Epheser 2,4-7)

Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns aufgrund seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel aufbewahrt wird für uns … (1. Petrus 1,3-4)

 

Der Herr wurde auferweckt, um den Seinen in der Auferweckung voranzugehen; Er ist es, der einmal alle die Seinen auferwecken wird aus den Toten.

Und das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, daß ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern daß ich es auferwecke am letzten Tag. Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, daß jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. (Johannes 6,39-40)

Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du das? (Johannes 11,25-26)

Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt. (Römer 8,11)

Weil wir aber denselben Geist des Glaubens haben, gemäß dem, was geschrieben steht: »Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet«, so glauben auch wir, und darum reden wir auch, da wir wissen, daß der, welcher den Herrn Jesus auferweckt hat, auch uns durch Jesus auferwecken und zusammen mit euch vor sich stellen wird. (2. Korinther 4,13-14)

Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt; er ist der Erstling der Entschlafenen geworden. Denn weil der Tod durch einen Menschen kam, so kommt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen; denn gleichwie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in seiner Ordnung: Als Erstling Christus; danach die, welche Christus angehören, bei seiner Wiederkunft … (1. Korinther 15,20-23)

 

Der Herr wurde auch auferweckt, um als der kommende Richter und König die Ratschlüsse Gottes hinauszuführen.

Nun hat zwar Gott über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen, jetzt aber gebietet er allen Menschen überall, Buße zu tun, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er für alle beglaubigte, indem er ihn aus den Toten auferweckt hat. (Apg 17,30-31)

Denn dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden und wieder lebendig geworden, daß er sowohl über Tote als auch über Lebende Herr sei. (Römer 14,9)

 

 

2. Die Ereignisse der Auferstehung Jesu Christi und Seiner Aufnahme in den Himmel im geschichtlichen Bericht der Evangelien

 

Das so überaus wichtige historische Ereignis der Auferstehung Jesu Christi aus den Toten am dritten Tag nach Seiner Kreuzigung wird in allen vier Evangelienberichten, im Matthäus-, Markus, Lukas- und Johannesevangelium, ausführlich bezeugt. Dabei berichtet jeder der vier Evangelisten aus seiner Perspektive; jeder greift aus der komplexen Gesamtkette der Ereignisse in seinem komprimierten Zeugnis bestimmte Begebenheiten heraus und läßt andere weg.

Die vier Zeugnisse ergänzen einander und widersprechen sich keineswegs, auch wenn sich der ganz genaue Ablauf der Ereignisse aus ihnen nicht ohne weiteres rekonstruieren läßt. Dafür wurden diese Berichte aber auch nicht geschrieben; sie bezeugen mit Kraft und Glaubwürdigkeit die großartige und weltenerschütternde Realität der Auferstehung des Messias – nicht mehr und nicht weniger.

Wir wollen hier den kurzen Bericht des Evangelisten Matthäus anführen, der die wichtigsten Begebnisse schildert:

Nach dem Sabbat aber, als der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um das Grab zu besehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben, denn ein Engel des Herrn stieg vom Himmel herab, trat herzu, wälzte den Stein von dem Eingang hinweg und setzte sich darauf. Sein Aussehen war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Vor seinem furchtbaren Anblick aber erbebten die Wächter und wurden wie tot.

Der Engel aber wandte sich zu den Frauen und sprach: Fürchtet ihr euch nicht! Ich weiß wohl, daß ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her, seht den Ort, wo der Herr gelegen hat! Und geht schnell hin und sagt seinen Jüngern, daß er aus den Toten auferstanden ist. Und siehe, er geht euch voran nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt!

Das erste Zeugnis der Auferstehung ist das leere Grab, in dem der Herr drei Tage zuvor (nach jüdischer Zeitrechnung zählt jeder angebrochene Tag wie ein voller) von Joseph von Arimathia und Nikodemus begraben worden war. Dieses Grab war den zwei gläubigen Frauen Maria Magdalena und Maria bekannt; sie hatten dem Begräbnis als Zuschauer beigewohnt (Matthäus 27,61).

Nun wollten sie nach jüdischer Sitte noch ihrerseits Weihrauch und Gewürze herbeibringen, um den Leichnam die letzte Ehre zu erweisen. Doch das Grab, eine in Fels gehauene Höhle, war mit einer riesigen, schweren, runden Steinplatte verschlossen, um es gegen Grabräuber und alle Eingriffe von außen zu schützen; diese Steinplatte war versiegelt worden und wurde von römischen Soldaten bewacht. Daher war ihre Sorge: „Wer wälzt uns den Stein vom Eingang des Grabes?“ (Markus 16,3).

Als sie dann zum Grab kamen, da fanden sie es geöffnet, und es lag kein Leichnam mehr darin! Sie konnten sich diesen Umstand nur so erklären, daß irgendwer den Leichnam des Herrn weggenommen hätte. Doch kein Grabräuber hätte dies angesichts der römischen Wache gewagt. Die waffenstarrenden römischen Soldaten lagen von einer übernatürlichen Macht überwältigt bewußtlos am Boden. Maria Magdalena holte angesichts des leeren Grabes rasch Petrus und Johannes herbei, die sich auch davon überzeugten, daß der Herr nicht mehr in Seiner Grabstätte war (Johannes 20,1-9).

Das leere Grab ist ein bleibendes Zeugnis von der Realität der Auferstehung Jesu Christi. Daß es leer war und niemand den Leichnam Jesu vorweisen konnte, wurde in den Jahren danach weder von den Juden noch von den Römern bestritten. Es war eine unabweisbare Tatsache; anderenfalls hätten die Juden das volle Grab wirkungsvoll in ihrem Kampf gegen die Verkündigung der Apostel von der Auferstehung Jesu Christi eingesetzt.

Daß die Jünger den Leichnam selbst geraubt haben könnten, ist eine ausgesprochen unglaubwürdige Behauptung. Sie waren zu der Zeit so schwach und feige, daß sie niemals die Wache hätten überwältigen können; auf der anderen Seite wären ihr kühner Zeugenmut und ihre Bereitschaft, für ihren Herrn zu leiden und zu sterben, völlig unerklärlich, wenn sie gewußt hätten, daß Er nicht auferstanden gewesen wäre.

Das zweite Zeugnis der Auferstehung war das Zeugnis von Engeln, die Gott gesandt hatte. Die Aufklärung ihrer Zweifel und Fragen am leeren Grab bekamen die Frauen zunächst durch diese Gottesboten, der den erschreckten Frauen die Botschaft brachten, daß der Herr Jesus tatsächlich aus den Toten auferweckt worden war, wie Er es so oft angekündigt hatte.

Ein heiliger Engel hatte zuvor in furchtbarer Gestalt den großen Stein vom Grab weggewälzt und die Kriegsknechte so erschreckt, daß sie bewußtlos wurden. Den Frauen aber erschien er nicht schreckenerregend, sondern einfach und nahbar, wie ein junger Mann, wie es der parallele Bericht des Markusevangeliums bezeugt (vgl. Markus 16,5). Später kamen wohl weitere Frauen herzu und hörten nach der Besichtigung des leeren Grabes dasselbe Zeugnis von zwei Engeln (vgl. Lukas 24,1-9).

Diese Engel beauftragten die Frauen, das Gesehene zu bezeugen und den Jüngern mitzuteilen. Das war für Juden ungewöhnlich, weil das Zeugnis einer Frau damals eigentlich nichts oder jedenfalls weniger galt als das eines Mannes. Doch Gott erwählte bewußt Frauen als die ersten Zeugen der Auferstehung, Frauen, die mehr Mut, Glauben und Liebe zum Herrn bewiesen hatten als die Jünger selbst. Wir finden keinen Anhaltspunkt, daß die Engel auch den Jüngern erschienen wären.

Das dritte und entscheidende Zeugnis kam von dem auferstandenen Herrn selbst. Wieder erwählte Gott eine Frau als erste Zeugin des Auferstandenen. Maria Magdalena hatte auf dem Weg, nahe beim Grab, eine direkte Begegnung mit dem auferstandenen Herrn (vgl. Johannes 20,11-18; Markus 16,9). Später begegnete Er offenkundig auch noch anderen Frauen, die auf dem Weg zu den Jüngern waren:

Und sie gingen schnell zum Grab hinaus mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkünden. Und als sie gingen, um es seinen Jüngern zu verkünden, siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Sie aber traten herzu und umfaßten seine Füße und beteten ihn an. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin, verkündet meinen Brüdern, daß sie nach Galiläa gehen sollen; dort werden sie mich sehen! (…)

Später begegnete der auferstandene Herr Jesus Christus zwei Jüngern auf dem Weg nach Emmaus (Lukas 24,13-32; Markus 16,12-13). Er erschien auch Petrus (Lukas 24,34; 1Kor 15,5). Danach erschien Er den Jüngern an dem Ort, wo sie sich verbargen (vermutlich in der Nähe von Jerusalem oder in der Stadt selbst), und tadelte sie wegen ihres Unglaubens (vgl. Markus 16,14; Lukas 24,36-43; Johannes 20,19-23). Später erschien Er den Jüngern noch mehrmals, wie Johannes 20 und 21 sowie 1. Korinther 15 bezeugen.

Ihnen erwies er sich auch nach seinem Leiden als lebendig durch viele sichere Kennzeichen, indem er ihnen während 40 Tagen erschien und über das Reich Gottes redete. (Apostelgeschichte 1,2)

Denn ich habe euch zu allererst das überliefert, was ich auch empfangen habe, nämlich daß Christus für unsere Sünden gestorben ist, nach den Schriften, und daß er begraben worden ist und daß er auferstanden ist am dritten Tag, nach den Schriften, und daß er dem Kephas erschienen ist, danach den Zwölfen. Danach ist er mehr als 500 Brüdern auf einmal erschienen, von denen die meisten noch leben, etliche aber auch entschlafen sind. Danach erschien er dem Jakobus, hierauf sämtlichen Aposteln. Zuletzt aber von allen erschien er auch mir, der ich gleichsam eine unzeitige Geburt bin. (1. Korinther 15,3-8)

Diese Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen selbst, der in Seinem Herrlichkeitsleib für sie nicht sofort erkennbar war, ist entscheidend für den weiteren Weg der Jünger. Erst in dieser persönlichen Begegnung mit dem auferweckten Gottessohn wird ihr Glaube ganz fest, sodaß sie danach mutig und mit großer Vollmacht von Ihm Zeugnis ablegen. Als der Auferstandene in ihre Mitte tritt, erschrecken sie zuerst und halten ihn für eine Geisterscheinung; erst als sie Seine Wundmale sehen und Ihn betasten können und Er vor ihren Augen Speise zu sich nimmt, sind sie vollends überzeugt (Lukas 24,36-43; Johannes 20,19-29).

Die Wirklichkeit der Auferstehung Jesu Christi ist der entscheidende Antrieb für die Zeugniskraft und Leidensbereitschaft der frühen Christen. Niemals hätten diese Menschen für ein Hirngespinst, für eine Truggestalt oder einen selbst erfundenen Mythos solche Leiden und sogar den Tod auf sich genommen. Wie der Apostel Paulus berichtet, lebten auch um 50 n. Chr. noch sehr viele Zeugen, die den Herrn mit eigenen Augen als Auferstandenen gesehen hatten. Die Auferstehung Jesu Christi war eine so vielfältig bezeugte Tatsache, daß auch die ungläubigen Juden keine Möglichkeit hatten, sie zu widerlegen.

Eine wichtige Begebenheit war die erneute Beauftragung der Jünger auf dem Berg (dem Berg der Verklärung?) in Galiläa, die von Matthäus besonders hervorgehoben wird, weil der Herr hier Seinen Jüngern (und allen Gläubigen späterer Generationen) den so bedeutsamen Auftrag gab, bis ans Ende der Weltzeit das Evangelium zu verkündigen und aus allen Völkern Menschen zu lehren und zu Jüngern zu machen:

Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte. Und als sie ihn sahen, warfen sie sich anbetend vor ihm nieder; etliche aber zweifelten. Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit! Amen. (Matthäus 28,1-20)

Die abschließende Belehrung der Jünger vor der Aufnahme des Herrn in den Himmel fand offenkundig in Jerusalem statt und wird von dem Evangelisten Lukas berichtet. Lukas berichtet auch, wie der Herr dann beim Ölberg, in der Nähe des kleinen Dorfes Bethanien, in den Himmel aufgenommen wurde:

Er aber sagte ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch geredet habe, als ich noch bei euch war, daß alles erfüllt werden muß, was im Gesetz Moses und in den Propheten und den Psalmen von mir geschrieben steht. Da öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verstanden, und sprach zu ihnen: So steht es geschrieben, und so mußte der Christus leiden und am dritten Tag aus den Toten auferstehen, und in seinem Namen soll Buße und Vergebung der Sünden verkündigt werden unter allen Völkern, beginnend in Jerusalem. Ihr aber seid Zeugen hiervon! Und siehe, ich sende auf euch die Verheißung meines Vaters; ihr aber bleibt in der Stadt Jerusalem, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe!

Er führte sie aber hinaus bis in die Nähe von Bethanien und hob seine Hände auf und segnete sie. Und es geschah, indem er sie segnete, schied er von ihnen und wurde aufgehoben in den Himmel. Und sie warfen sich anbetend vor ihm nieder und kehrten nach Jerusalem zurück mit großer Freude; und sie waren allezeit im Tempel und priesen und lobten Gott. Amen. (Lukas 24,44-53)

Derselbe Verfasser, Lukas, ergänzt diesen Bericht am Anfang seiner Apostelgeschichte durch weitere Einzelheiten. Da wir hier zwei zeitlich und inhaltlich eng verknüpfte Berichte vom selben Verfasser haben, können wir das biblische Prinzip der sich ergänzenden Zeugnisse durch parallele Berichte, die aus ein und demselben Ereignisstrang unterschiedliche, einander vervollständigende Einzelheiten auswählen, gut erkennen.

Und als er mit ihnen zusammen war, gebot er ihnen, nicht von Jerusalem zu weichen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten, die ihr [- so sprach er -] von mir vernommen habt, denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit Heiligem Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Da fragten ihn die, welche zusammengekommen waren, und sprachen: Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel die Königsherrschaft wieder her? Er aber sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, die Zeiten oder Zeitpunkte zu kennen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht festgesetzt hat; sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde!

Und als er dies gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf von ihren Augen weg. Und als sie unverwandt zum Himmel blickten, während er dahinfuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißer Kleidung bei ihnen, die sprachen: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr hier und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird in derselben Weise wiederkommen, wie ihr ihn habt in den Himmel auffahren sehen! Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, welcher Ölberg heißt, der nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt. (Apostelgeschichte 1,4-12)

Auch das Markusevangelium bezeugt ins seinen letzten Versen die Aufnahme des Herrn in den Himmel:

Der Herr nun wurde, nachdem er mit ihnen geredet hatte, aufgenommen in den Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber gingen hinaus und verkündigten überall; und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die begleitenden Zeichen. Amen. (Markus 16,19-20)

 

 

3. Der auferstandene Herr in der Herrlichkeit des Himmels

 

Nach Seiner Himmelfahrt hat der auferstandene Gottessohn und Herr Jesus Christus nun eine besondere, einmalige Stellung, die für uns auch ein Geheimnis ist, das wir nicht völlig ergründen können. Er wurde nach Seiner Menschwerdung und Kreuzigung von Gott mit einem besonderen Herrlichkeitsleib auferweckt und ist nun der verherrlichte Gott-Mensch in den Himmeln – etwas nie zuvor Dagewesenes. Er ist auch im Himmel der „Sohn des Menschen“, zugleich aber weiterhin der ewige Sohn Gottes.

Er hat einen menschlichen Leib, an dem immer noch die Nägelmale Seines Kreuzesleidens sichtbar sind, aber das ist nicht mehr der sterbliche Fleischesleib, den Er bekam, als Er als der Knecht des HERRN auf Erden wandelte. Nunmehr hat Er einen geistlichen, himmlischen Leib, der mit dem Er sich zwar auf der Erde bewegen konnte wie ein Mensch, der auch berührt werden konnte und mit dem Er Speise aufnehmen konnte –aber zugleich war dies ein übernatürlicher Leib, der durch geschlossene Türen gehen, seine Gestalt verändern, verschwinden und seinen Standort übernatürlich wechseln konnte.

 

Was der Begriff „Herrlichkeit“ bedeutet

Der Begriff „Herrlichkeit“ ist nicht ganz einfach zu verstehen und etwas vielschichtig, aber wir wollen doch versuchen, ihn etwas näher zu kennzeichnen. Im Alten Testament finden wir unter anderem den Begriff kabod mit „Herrlichkeit“ oder „Ehre“ übersetzt, und kabod bedeutet zunächst „Gewicht“, dann „Ehre“, „Majestät“, „Herrlichkeit“. Das griechische Wort doxa bedeutet u.a. „Ansehen, Wertschätzung, Ehre“ im Sinne der guten Meinung, die andere über eine Person haben, dann aber auch ein Wesen, das des Ruhmes und der Ehre wert ist, die wesensmäßige Ehre und Herrlichkeit, Majestät, Erhabenheit einer Person, wobei es in diesem Sinn meist auf Gott bzw. den Herrn Jesus Christus angewandt wird.

Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, ist herrlich; Er besitzt eine wesensmäßige Herrlichkeit, d.h. Er ist erhaben, allmächtig, allwissend, allgegenwärtig, voller Majestät; Er ist vollkommen und wunderbar, sodaß der Mensch nicht anders kann als Ihn zu rühmen und zu ehren, weil Er so groß, so über alles Menschliche und Geschöpfliche erhaben, so gut und schön, so voller Liebe, Güte und Tugend ist. All das umfaßt die Herrlichkeit Gottes.

Und eben diese göttliche Herrlichkeit hat auch der Sohn Gottes, unser Herr Jesus Christus. Er hatte sie schon vor Seiner Menschwerdung; in einem kleinen Satz offenbart uns der Apostel Johannes, daß der Prophet Jesaja in seiner gewaltigen Vision von der Herrlichkeit des HERRN, der auf Seinem Thron sitzt und dessen Säume den Tempel erfüllen, den Herrn Jesus Christus schaute:

Im Todesjahr des Königs Ussija sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und seine Säume erfüllten den Tempel. Seraphim standen über ihm; jeder von ihnen hatte sechs Flügel: mit zweien bedeckten sie ihr Angesicht, mit zweien bedeckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie. Und einer rief dem anderen zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen; die ganze Erde ist erfüllt von seiner Herrlichkeit! Da erbebten die Pfosten der Schwellen von der Stimme des Rufenden, und das Haus wurde mit Rauch erfüllt. (Jesaja 6,1-4)

Dies sprach Jesaja, als er seine Herrlichkeit sah und von ihm redete. (Johannes 12,41)

Der Apostel Paulus nennt Ihn den „Herrn der Herrlichkeit“: „… die keiner der Herrscher dieser Weltzeit erkannt hat – denn wenn sie sie erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt“ (1. Korinther 2,8). Der Sohn Gottes hatte diese Herrlichkeit auch in gewissem Maß in Seinen Erdentagen, wenn sie auch vor den Augen der meisten Menschen verborgen war.

Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Johannes 1,14)

In gewisser Weise hatte Er sich aber auch mancher Aspekte seiner göttlichen Herrlichkeit entäußert, als Er als Mensch auf der Erde wandelte; sonst hätten alle die Ihm begegneten, vergehen müssen. Ja, einmal, auf dem Berg der Verklärung, durften die drei engsten Jünger die Herrlichkeit des Herrn Jesus anschauen: „Petrus aber und seine Gefährten waren vom Schlaf übermannt. Als sie aber erwachten, sahen sie seine Herrlichkeit und die zwei Männer, die bei ihm standen“ (Lukas 9,32). Der Apostel Petrus bezeugt am Ende seines Lebens von diesem gewaltigen Ereignis:

Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit, als eine Stimme von der hocherhabenen Herrlichkeit an ihn erging: »Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!« (2. Petrus 1,17)

Doch dies war nur eine Vorschattung Seiner Herrlichkeit, die Er nach Seiner Auferstehung empfangen sollte. Bei Seiner Aufnahme in den Himmel verlieh der Vater Ihm wieder die Fülle der göttlichen Herrlichkeit, die Er bereits zuvor bei dem Vater gehabt hatte:

Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. (Johannes 17,5)

… damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. (Johannes 17,24)

 

Aus der Selbstentäußerung zur Herrlichkeit

Der Apostel Paulus enthüllt uns, daß diese Herrlichkeit im Zusammenhang steht mit der freiwilligen Selbsterniedrigung des Gottessohnes, der sich entäußerte und den Weg ans Kreuz ging, um Gottes Willen zu erfüllen und Seinen Vater zu verherrlichen. Deshalb erhielt Er den Ehrentitel „Herr“ (oder „Herrscher“, gr. kyrios), der ausdrückt, daß Ihm alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist (vgl. Matthäus 28,18).

Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz.

Darum hat ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über allen Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. (Philipper 2,5-11)

Mußte nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? (Lukas 24,26)

Der auferstandene Sohn des Menschen im Himmel hat schon jetzt die Herrlichkeit Gottes, Er wird der „Herr der Herrlichkeit“ genannt (vgl. Jakobus 2,1). In Zukunft werden alle Menschen Ihn in Seiner Herrlichkeit sehen – dann, wenn Er als König und Richter auf die Erde kommt, um die Gottlosen zu bestrafen und Sein Reich aufzurichten:

Denn der Sohn des Menschen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln kommen, und dann wird er jedem einzelnem vergelten nach seinem Tun. (Matthäus 16,27)

Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen, und dann werden sich alle Geschlechter der Erde an die Brust schlagen, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. (Matthäus 24,30)

Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen wird, auch auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. (Matthäus 19,28)

… bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht, in flammendem Feuer, wenn er Vergeltung üben wird an denen, die Gott nicht anerkennen, und an denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorsam sind. Diese werden Strafe erleiden, ewiges Verderben, vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Kraft, an jenem Tag, wenn Er kommen wird, um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in denen, die glauben … (2. Thessalonicher 1,7-10)

Diese göttliche Herrlichkeit voll Macht, Majestät und heiligem Lichtglanz des auferstandenen Menschensohnes wird auch darin offenbar, daß Er in den Himmeln zur Rechten Gottes, des Vaters, Platz genommen hat – das heißt in der Ehrenstellung auf dem Thron der Herrlichkeit, der Seine Autorität als Herrscher im Auftrag des Vaters bezeugt. Davon gibt schon Stephanus Zeugnis:

Er aber, voll Heiligen Geistes, blickte zum Himmel empor und sah die Herrlichkeit Gottes, und Jesus zur Rechten Gottes stehen; und er sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen! (Apg 7,55-56)

Dieser ist seit seiner Himmelfahrt zur Rechten Gottes; und Engel und Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen. (1. Petrus 3,22)

Uns Glaubenden ist der Blick auf diese Herrlichkeit nicht in Visionen oder Gesichten gegeben, sondern wir schauen den verherrlichten Herrn im Geist, im Herzen, wenn wir Sein Wort betrachten und darüber nachsinnen. Dann erkennen sie „das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus“, „welcher Gottes Ebenbild ist“ (2. Korinther 4,4). Dann verklärt uns der Geist Gottes den Herrn Jesus Christus in Seiner Herrlichkeit:

Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn. (2. Korinther 3,18)

Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten, er hat es auch in unseren Herzen licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi. (2. Korinther 4,6)

Denn nicht Engeln hat er die zukünftige Welt, von der wir reden, unterstellt; sondern an einer Stelle bezeugt jemand ausdrücklich und spricht: »Was ist der Mensch, daß du an ihn gedenkst, oder der Sohn des Menschen, daß du auf ihn achtest? Du hast ihn ein wenig niedriger sein lassen als die Engel; mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt und hast ihn gesetzt über die Werke deiner Hände; alles hast du seinen Füßen unterworfen.« Indem er ihm aber alles unterworfen hat, hat er nichts übriggelassen, das ihm nicht unterworfen wäre.

Jetzt aber sehen wir noch nicht, daß ihm alles unterworfen ist; wir sehen aber Jesus, der ein wenig niedriger gewesen ist als die Engel wegen des Todesleidens, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; er sollte ja durch Gottes Gnade für alle den Tod schmecken. (Hebräer 2,5-9)

 

Die Herrlichkeit des Gottessohnes im Buch der Offenbarung

Im letzten Buch der Bibel gibt uns der Geist Gottes durch den Apostel Johannes noch eine inspirierte Schau der Herrlichkeit des Menschensohnes in den Himmeln, über die wir immer wieder nachdenken sollten:

Ich war im Geist am Tag des Herrn, und ich hörte hinter mir eine gewaltige Stimme, wie von einer Posaune, die sprach: Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte! und: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es den Gemeinden, die in Asia sind: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamus und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea!

Und ich wandte mich um und wollte nach der Stimme sehen, die mit mir redete; und als ich mich umwandte, da sah ich sieben goldene Leuchter, und mitten unter den sieben Leuchtern Einen, der einem Sohn des Menschen glich, bekleidet mit einem Gewand, das bis zu den Füßen reichte, und um die Brust gegürtet mit einem goldenen Gürtel.

Sein Haupt aber und seine Haare waren weiß, wie weiße Wolle, wie Schnee; und seine Augen waren wie eine Feuerflamme, und seine Füße wie schimmerndes Erz, als glühten sie im Ofen, und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser. Und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne, und aus seinem Mund ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert hervor; und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne in ihrer Kraft.

Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen nieder wie tot. Und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebende; und ich war tot, und siehe, ich lebe von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen! Und ich habe die Schlüssel des Totenreiches und des Todes. (Offenbarung 1,10-18)

 

4. Der auferstandene Herr ruft uns zur Entscheidung

 

Wir haben versucht, in wenigen und schwachen Worten darzulegen, was die Bibel über die Auferstehung des Herrn Jesus Christus und Seine Aufnahme in die Herrlichkeit des Himmels sagt. Diese wunderbaren Aussagen sind uns nicht gegeben, um unsere intellektuelle Neugier zu befriedigen oder lediglich einige religiöse Gefühle wachzurufen.

Die Botschaft der Bibel von Jesus Christus, dem herrlichen Sohn Gottes, der sich entäußerte und Mensch wurde, um am Kreuz die Sünde der Welt auf sich zu nehmen, und der nach Seinem Kreuzestod aus den Toten auferweckt wurde und nun zur Rechten Gottes in der Himmelsherrlichkeit thront, ist ein Appell an unser Herz und Gewissen.

Jeder einzelne, der diese Botschaft gehört oder gelesen hat und also kennt, ist von Gott ernstlich aufgerufen, eine Entscheidung zu treffen. Bin ich bereit, das Sühnopfer, das der Sohn Gottes am Kreuz für mich darbrachte, anzunehmen und mich damit als schuldiger Sünder vor Gott zu bekennen, der auf keinem anderen Weg als durch das Blut Jesu Christi Rettung erlangen kann? Bin ich bereit, mein ganzes Leben Jesus Christus als meinem Herrn zu übergeben, der von nun an das unbeschränkte Recht über mich hat, mich so zu führen, wie es Ihm gefällt?

Der auferstandene, verherrlichte Herr Jesus Christus, ruft alle Menschen zur Umkehr, zum Glauben an Ihn, zu einem neuen Leben in der Gemeinschaft mit Ihm, dem auferstandenen Herrn der Herrlichkeit im Himmel. Wie werde ich antworten? Gehöre ich zu denen, die den Herrn verwerfen und sagen: „Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche!“ (vgl. Lukas 19,14)? Oder gehöre ich zu denen, die Ihn als Herrn und Erretter annehmen und dadurch vom Tod zum Leben hindurchdringen?

Denen, die an Ihn glauben, schenkt Er schon jetzt die innige Gemeinschaft mit Ihm, durch die wir in unserem alltäglichen Leben Anteil an Seinen Segnungen, an Seiner Auferstehungskraft, an Seinem Sieg über Sünde, Welt und Satan bekommen. Wir dürfen als Mit-Auferstandene aus der übernatürlichen Geisteskraft leben, die Er uns immer wieder neu schenkt. Wir erfahren Seine Liebe und Fürsorge, Seinen Schutz, Seine Leitung jeden Tag neu.

Wer aber den Auferstandenen verwirft und sich weigert, Seinem Wort zu glauben, der bleibt in der geistlichen Finsternis und Gottesferne und wird einmal dem Auferstandenen als dem heiligen Richter begegnen; das Zorngericht Gottes und die ewige Verdammnis sind das Teil, das er mit der Verwerfung des einzigen Retters erwählt.

Heuten noch ergeht der liebende Ruf des gekreuzigten und auferstandenen Erlösers um die ganze Erde, an jeden Menschen, gleich wie tief er gesunken sein mag:

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. (Matthäus 11,28-30)

Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, um das Verlorene zu retten. (Matthäus 18,11)

Nachdem aber Johannes gefangengenommen worden war, kam Jesus nach Galiläa und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! (Markus 1,14)

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen. (Johannes 5,24)

Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird niemals dürsten. Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Denn ich bin aus dem Himmel herabgekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.

Und das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, daß ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern daß ich es auferwecke am letzten Tag. Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, daß jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. (…) Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat ewiges Leben. (Johannes 6,35-40.47)

Gesegnet ist, wer sich dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus so im Glauben anvertraut. Er bekommt Anteil an der Auferstehung aus den Toten und an der Himmelsherrlichkeit, in der sein Herr und Erlöser schon jetzt auf ihn wartet!

 

 

 

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