Jesus Christus – der Sohn Gottes wird Mensch
um unsertwillen

Eine biblische Betrachtung

 

Rudolf Ebertshäuser

 

Einleitung

In dieser Betrachtung wollen wir vorsichtig und voll Ehrfurcht von einem göttlichen Geheimnis sprechen. Die Grundlage dafür, daß wir darüber überhaupt sprechen können, ist die Bibel, das von Gott selbst eingegebene Offenbarungswort. In der Bibel redet der allein wahre, allmächtige, ewige Gott zu sterblichen, geringen Menschen und zeigt ihnen den Weg, wie sie zu Ihm finden können.

Die Bibel ist ein überaus kraftvolles, lebensveränderndes Buch, sie ist das Wort des lebendigen Gottes. Sie offenbart uns eine höhere Wahrheit, als der arme Menschenverstand je erdenken oder erforschen kann. Sie offenbart uns Gottes Wahrheit und Gottes Gedanken aus der Himmelswelt, in der der Schöpfer und Allherrscher thront, die für uns Menschen nicht zugänglich und auch nicht erkundbar ist.

Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, daß keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet. (2. Petrus 1,20-21)

Darum danken wir auch Gott unablässig, daß ihr, als ihr das von uns verkündigte Wort Gottes empfangen habt, es nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das auch wirksam ist in euch, die ihr gläubig seid. (1. Thessalonicher 2,13)

Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben. (Hebräer 4,12-13)

Wenn wir etwas von Gott erkennen und Ihn suchen wollen, dann muß unsere Grundlage immer die Bibel sein, in der Er sich offenbart. Nicht leere Menschenspekulationen oder Theologenlehren führen uns zu Gott, sondern allein das betende Lesen Seines Wortes. Diesem Wort dürfen wir einfach vertrauen und brauchen uns nicht um ungläubige Gelehrte zu kümmern, die es als bloßes Menschenwort und Legende abtun wollen.

Das Gesetz (die Weisung) des HERRN ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des HERRN ist zuverlässig, es macht den Unverständigen weise. (Psalm 19,8)

In der Bibel bringt uns der ewige, unsichtbare Gott Seine Ratschlüsse und Taten zur Kenntnis. Das Wort Gottes bezeugt uns, daß Gott, der Vater, vor aller Zeit, in der Ewigkeit den Beschluß faßte, einmal Seinen Sohn als Menschen auf die Erde zu senden, damit dieser dort einen gewaltigen, über die Zukunft der ganzen Menschheit und des Kosmos entscheidenden Auftrag ausführen sollte.

Wenn wir im folgenden einen kleinen Blick in die wunderbaren Ratschlüsse Gottes tun wollen, die dazu führten, daß der Sohn Gottes Mensch wurde, dann wollen wir es in Demut tun, im Bewußtsein unserer Begrenztheit in bezug auf die Erkenntnis tiefer göttlicher Geheimnisse. In der Christenheit haben Theologen und Philosophen vergeblich versucht, diese Dinge in irgendwelche Formeln zu pressen, und konnten doch nur Unzulängliches erreichen. Aber der einfältige Glaube kann einiges davon erfassen und darüber anbeten.

Zu jener Zeit begann Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß du dies vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen geoffenbart hast! Ja, Vater, denn so ist es wohlgefällig gewesen vor dir. Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden, und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater; und niemand erkennt den Vater als nur der Sohn und der, welchem der Sohn es offenbaren will. (Matthäus 11,25-27)

… sondern, wie geschrieben steht: »Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und keinem Menschen ins Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben«. Uns aber hat es Gott geoffenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes. Denn wer von den Menschen kennt die [Gedanken] des Menschen als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? So kennt auch niemand die [Gedanken] Gottes als nur der Geist Gottes.

Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, so daß wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist; und davon reden wir auch, nicht in Worten, die von menschlicher Weisheit gelehrt sind, sondern in solchen, die vom Heiligen Geist gelehrt sind, indem wir Geistliches geistlich erklären. Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muß. (1. Korinther 2,9-14)

 

 

1. Der ewige Sohn Gottes in der Himmelsherrlichkeit

 

Gott ist Seinem Wesen nach ewig und steht über aller Zeit. Gott ist Geist; Er ist der Schöpfer aller Materie und herrscht über sie. Der ganze Kosmos, der Himmel mit seinen ungezählten Sternen, und die Erde mit ihren wunderbar geschaffenen Lebewesen, ist das Werk des allmächtigen Gottes. Der Kosmos folgt den Gesetzen, die der Schöpfer ihm gegeben hat. Gott steht über diesem Universum und kann jederzeit darin eingreifen und darin Dinge tun, die den Ordnungen des Geschaffenen widersprechen. Er ist überall gegenwärtig im Kosmos und Er ist allwissend in bezug auf alles, was in Seiner Schöpfung vor sich geht, aber der wahre Gott, der sich in der Bibel offenbart, ist von der Schöpfung unterschieden und keinesfalls eins mit ihr, wie die östlichen Religionen behaupten.

Von diesem ewigen Gott, der so ganz anders ist als die Götter der Weltreligionen und der Heidenvölker oder die Gottesvorstellungen der Philosophen, bekennt der Apostel Paulus:

Denn wenn es auch solche gibt, die Götter genannt werden, sei es im Himmel oder auf Erden — wie es ja wirklich viele »Götter« und viele »Herren« gibt —, so gibt es für uns doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir für ihn; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind, und wir durch ihn. (1. Korinther 8,5-6)

Der allein wahre Gott, der Vater, hat vor aller Zeit, bevor irgend etwas geschaffen wurde, Seinen eingeborenen Sohn dazu erwählt, Mensch zu werden, um für die in Sünde gefallenen Menschen Rettung zu bewirken (1. Petrus 1,18-20). Das ist ein staunenswerter, gewaltiger Plan, den der Vater faßte; er bedeutete, daß Er Seinen herrlichen Sohn auf einen beispiellosen Weg der Selbsterniedrigung und der Leiden senden würde.

Der ewige Sohn Gottes hat Anteil an Gottes Wesen, er ist selbst Gott von Wesen und damit Geist. Er ist eins mit dem Vater, und der Vater redet und wirkt durch den Sohn. „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist“ (Johannes 1,1-3). Daß der Vater den Sohn Seiner Liebe einen solchen mit Leiden und Not verbundenen Auftrag geben hat, zeigt, wie sehr Ihm die Rettung der Menschen, unsere Errettung am Herzen lag.

Das sind göttliche Geheimnisse, die der Mensch nicht völlig ergründen kann; Gott hat uns in Seinem Wort einiges darüber mitgeteilt, aber längst nicht alles, sodaß wir ehrfürchtig und vorsichtig darüber reden wollen. Dabei wollen wir auf jede Spekulation der Theologen und Philosophen verzichten und uns an das halten, was die Bibel als das untrügliche Wort Gottes darüber bezeugt.

Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater, Friedefürst. (Jesaja 9,5)

Dieser (Jesus Christus, der Sohn Gottes) ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene, der über aller Schöpfung ist. Denn in ihm (oder: durch ihn) ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; und er ist vor allem, und alles hat seinen Bestand in ihm. (Kolosser 1,15-17)

Der Sohn Gottes war im überzeitlichen Ewigkeitszustand allezeit bei dem Vater und hatte glückselige, herrliche Gemeinschaft mit dem Vater. Vater und Sohn waren vereint in vollkommener Liebe und Harmonie, in vollkommener Glückseligkeit. Als der Vater die Himmel und die dienenden Engel (= Boten) sowie die Erde und den Menschen erschuf, da erschuf Er alle Dinge in dem Sohn und durch den Sohn. Das wird in einem wunderbaren Abschnitt aus dem Buch der Sprüche angedeutet:

Der HERR besaß mich am Anfang seines Weges, ehe er etwas machte, vor aller Zeit. Ich war eingesetzt von Ewigkeit her, vor dem Anfang, vor den Ursprüngen der Erde. Als noch keine Fluten waren, wurde ich geboren, als die wasserreichen Quellen noch nicht flossen. Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln wurde ich geboren. Als er die Erde noch nicht gemacht hatte und die Fluren, die ganze Summe des Erdenstaubes, als er den Himmel gründete, war ich dabei; als er einen Kreis abmaß auf der Oberfläche der Meerestiefe, als er die Wolken droben befestigte und Festigkeit gab den Quellen der Meerestiefe; als er dem Meer seine Schranke setzte, damit die Wasser seinen Befehl nicht überschritten, als er den Grund der Erde legte, da war ich Werkmeister bei ihm, war Tag für Tag seine Wonne und freute mich vor seinem Angesicht allezeit; ich freute mich auf seinem Erdkreis und hatte meine Wonne an den Menschenkindern. (Sprüche 8,22-31)

Am Anfang der Schöpfung war alles in perfekter Harmonie und Herrlichkeit, so, wie der Schöpfergott es sich gedacht hatte: die Engel, geschaffene, dienende Geistwesen, folgten zuerst alle den Anweisungen Gottes; sie dienten willig und beteten Gott an. Die Menschen lebten in der ersten Zeit nach ihrer Erschaffung voller Glück und Vertrauen in dem herrlichen Paradiesgarten, den Gott für sie bereitet hatte. Doch Gott wußte, daß dies nicht so bleiben würde.

Als es dem Vater gefiel, die Welten zu erschaffen, da wußte Er im voraus schon darum, daß das höchste Wesen, das Er im Himmel erschaffen würde, der schirmende Cherub bei Seinem Thron, sich einmal gegen Ihn auflehnen und von Ihm abfallen würde. Er wußte auch darum, daß sich das höchste Wesen, das Er auf der Erde erschaffen würde, der Mensch, durch den Satan verführt, ebenfalls von Ihm abkehren und in Sünde fallen würde.

Dennoch war Gott bereit, diese Welt so zu erschaffen und sowohl Engeln als auch Menschen einen freien Willen zu geben, der die Möglichkeit der Abkehr von Gott offenließ. Auch das sind Geheimnisse, wie wir nicht völlig erfassen können, aber Gott hatte Seine guten Gründe, und alles, was Gott tut, ist gerecht, gut und vollkommen.

Denn ich will den Namen des HERRN verkünden: Gebt unserem Gott die Ehre! Er ist der Fels; vollkommen ist sein Tun; ja, alle seine Wege sind gerecht. Ein Gott der Treue und ohne Falsch, gerecht und aufrichtig ist er. (5. Mose 32,3-4)

 

 

2. Der Heilsplan Gottes von Ewigkeit her

 

Der Sündenfall der abtrünnigen Engel und später des abtrünnigen Menschen bedeutete eine kosmische Katastrophe, die das Angesicht und das Leben der ganzen Schöpfung veränderte. In die ursprünglich sehr gute Schöpfung Gottes drangen Elemente des Bösen, der Zerstörung, der Gier, des Hasses. Gott hatte Seinem Lieblingsgeschöpf, dem Menschen, wunderbare, perfekte Lebensbedingungen geschaffen. Doch als der Mensch abtrünnig wurde, da formte Gott Seine Schöpfung um, sodaß sie dem Menschen sein Gefallensein und sein Getrenntsein von dem Schöpfer täglich vor Augen führte.

Nun gab es unter all den guten Nahrungspflanzen auch Unkraut, Dornen und Disteln; es gab giftige Pflanzen, Schädlinge, Krankheiten in der Natur. Ein Teil der ursprünglich friedlichen, pflanzenfressenden Tiere wurde in fleischfressende Raubtiere verwandelt, von denen manche auch dem Menschen selbst gefährlich werden konnten. Es gab Krankheit und Seuchen, Umweltkatastrophen, Unwetter, Mißernten, Dürre und Hagel. All das war Teil des göttlichen Gerichts über die Sünde. Der Mensch hatte sich den Satan als falschen Gott erwählt und ihm vertraut und gehorcht; nun mußte er das Gericht Gottes ertragen.

Der Mensch selbst war gefallen und verdorben, in seinem ursprünglich reinen, unschuldigen Herzen wohnten nun Bosheit und Auflehnung, Gier und Undankbarkeit, Neid und Mordlust, Herrschsucht und Lust an der Erniedrigung anderer. Der Mensch hatte sich selbst zu Gott gemacht, zur höchsten Autorität, und hatte die gütige, lebensbringende Autorität seines Schöpfers verworfen. Er trug nun die stolzen, boshaften, perversen Züge jenes rebellischen Engels, dem er gefolgt war, und er vererbte diese sündige Wesensart auf alle seine Nachkommen, denn sie war in seine Gene einprogrammiert, wie wir heute sagen würden.

Der düsterste Zeuge der Sünde und des gefallenen Zustands des Menschen aber war der Tod. Der Mensch kannte ursprünglich keinen Tod, doch als Gott den Adam vor der Sünde warnte, erwähnte er die Gefahr des Todes als Folge des Ungehorsams:

Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du nach Belieben essen; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon ißt, mußt du gewißlich sterben! (1. Mose 2,16-17)

Der Apostel Paulus faßt dieses universelle Gesetz später in die Worte: „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod“ (Römer 6,23). Der Tod ist der dunkle Mahner, der den selbstsicheren, stolzen, selbstverliebten Sünder immer wieder daran erinnert, daß etwas nicht gut ist, daß etwas nicht stimmt mit seinem Zustand, seinem Sündenleben. Der Tod spricht deutlich und unüberhörbar davon, daß der Mensch dem Verfall und der Verderbnis ausgesetzt ist; sein einst schöner und kraftvoller Leib verwest und zerfällt zu Staub, und zuvor muß er oft schlimme Qualen leiden und den allmählichen Verfall seiner geistigen, seelischen und körperlichen Kräfte mit ansehen.

Doch der Tod zeigt uns auch noch etwas anderes. In ihm haucht der Mensch buchstäblich sein Leben aus. Sein Herz schlägt nicht mehr; er hört auf zu atmen, und plötzlich ist mit dem letzten Atemzug etwas Entscheidendes von ihm gewichen, sodaß nun die Totenstarre und die Verwesung einsetzt: sein Lebensatem.

Dieser geheimnisvolle Lebensatem, den Gott Seinem Geschöpf einhauchte (vgl. 1. Mose 2,7), ist die Voraussetzung dafür, daß der Körper des Menschen wirklich lebt. Dieser Lebensodem ist eine Leihgabe, ein Geschenk des ewigen, lebensspendenden Gottes. Nach dem Sündenfall, da der Mensch dieses geschenkte Leben mißbrauchte, um sich gegen seinen Gott aufzulehnen und die Schöpfung zu verwüsten und zu beflecken mit lauter Bösem, sah sich der heilige und gerechte Gott gezwungen, Seinen gefallenen Geschöpfen nach einer begrenzten Lebenszeit diesen Lebensatem durch den Tod wieder zu entziehen.

Und doch begegnen wir gerade hier, angesichts des Sündenfalles und des Todes, der wunderbaren Gnade Gottes. Eigentlich hätte Adam und Eva sofort nach ihrer ersten Sünde sterben müssen. Eigentlich hätte Gott diese von Ihm abgefallene Menschheit bei unzähligen Gelegenheiten völlig vertilgen müssen. Doch Gott verschonte die ersten Sünder und ließ sie weiterleben. Wieder und wieder verschonte Gott sündige Menschen, obwohl sie alle den Tod verdient hatten; selbst bei dem großen weltweiten Gericht der Sintflut verschonte Gott Noah und seine Familie und machte mit ihnen einen Neuanfang.

Daran sehen wir, daß der heilige, gerechte Gott zugleich voller Gnade und Barmherzigkeit ist. Er ist ein Gott des Gerichts; Er muß oft richten und das Todesurteil über Sünder aussprechen, aber in Seiner ewigen Liebe gab Er Seinen Sohn hin, damit Er sündigen Menschen die Chance zur Umkehr geben konnte. Er wollte Sünder retten, wollte, daß der Gottlose umkehre und lebe.

Oder habe ich etwa Gefallen am Tod des Gottlosen, spricht GOTT, der Herr, und nicht vielmehr daran, daß er sich von seinen Wegen bekehrt und lebt? (Hesekiel 18,23)

Wer ist ein Gott wie du, der die Sünden vergibt und dem Überrest seines Erbteils die Übertretung erläßt, der seinen Zorn nicht allezeit festhält, sondern Lust an der Gnade hat? (Micha 7,18)

Doch damit Gott Sünden vergeben konnte, mußte einer gefunden werden, der anstelle der Sünder ihre Schuld und Sünde trug und sühnte. Gott konnte Seine Gerechtigkeit nicht brechen oder aussetzen; jede einzelne Sünde mußte bestraft und gesühnt werden. Damit Gott den sündigen Menschen begnadigen konnte, was Sein ernstliches Verlangen war, brauchte Er einen Mittler, einen Erlöser für den Menschen, der dessen Schuld auf sich nahm und vor Gott sühnte, so daß der göttlichen Gerechtigkeit Genüge getan war. Dieser Mittler sollte der Sohn Gottes sein, und dafür mußte er Mensch werden – das war, in kurzen Worten, der Heilsplan Gottes von Ewigkeit her.

 

Das Vorauswissen Gottes und Seine Heilsgedanken

Aus den verschiedenen Äußerungen unseres Herrn und seiner Apostel können wir erschließen, daß der ewige, allwissende, allmächtige Gott den Plan zur Errettung sündiger Menschen schon gefaßt hatte, bevor diese Welt überhaupt erschaffen wurde. Wieder stehen wir vor einem Geheimnis, das wir nur unzureichend ergründen können. Gott ist ewig, das heißt: Er steht über der Zeit. Gott hat Seine Schöpfung so geschaffen, daß sie den Gesetzmäßigkeiten von Raum und Zeit unterworfen ist, aber Er, der Schöpfer, ist außerhalb und über aller Zeit. Für Ihn ist die Zukunft genauso klar und völlig erkennbar wie auch die Gegenwart und die Vergangenheit.

So wußte Gott im Voraus vom Sündenfall Satans und seiner Engel. Er wußte im Voraus von der Sünde Adams und Evas im Paradies. Er wußte bereits vor Grundlegung der Welt von Kain und Abel, von Noah und der Flut, von Abraham und Mose. „Gott sind alle seine Werke von Ewigkeit her bekannt“ (Apostelgeschichte 15,18). Es ist müßig und töricht, wenn Menschen deswegen Gott anklagen und fragen: „Warum hast Du das alles nicht verhindert? Weshalb bin ich dann überhaupt erschaffen worden?“. Mit Recht sagt Gottes Geist durch den Apostel Paulus: „Ja, o Mensch, wer bist denn du, daß du mit Gott rechten willst? Spricht auch das Gebilde zu dem, der es geformt hat: Warum hast du mich so gemacht?“ (Römer 9,20).

Gott wußte also um den Sündenfall und seine ganzen schrecklichen Auswirkungen. Er wußte, daß der Mensch, der ursprünglich edel und gut geschaffen war, in seinem Wesen ganz und gar verdorben sein würde – eigensüchtig, aufrührerisch, neidisch, boshaft, untreu, seinen Begierden folgend. Ja, der gefallene Mensch trägt seit Adams Fall von Natur aus die Wesenszüge des Teufels an sich, den er sich in seiner Torheit zum Gott erwählte statt seines gütigen Schöpfers. Gott wußte um all das Leid, die ganze düstere Wegstrecke von Lüge und Trug, Intrige und Verrat, Untreue, Raub, Mord und Totschlag, die vor den gefallenen Menschen liegen würde.

Auf der anderen Seite wußte Gott auch um Seinen geliebten Sohn, der sich zum festgesetzten Zeitpunkt als das Lamm Gottes opfern würde, um die Schuld und Sünde gefallener Menschen hinwegzunehmen, die an Gott glauben würden (Johannes 1,29).

 

Der Sohn Gottes und Sein Auftrag, Mittler und Erlöser für den gefallenen Menschen zu werden

Der ewige Sohn, dessen Name unter anderem auch „Das Wort“ ist (vgl. Offenbarung 19,13), war also in der Ewigkeit bei Gott, und Er war schon von Ewigkeit her als das Opferlamm bestimmt, das einmal die Sünde der Welt sühnen sollte. Durch den Sohn wurden alle Dinge; durch Ihn handelte Gott in der Schöpfung, durch Ihn offenbarte sich Gott den Menschen, und durch Ihn wirkte Er auch de Errettung der sündigen Menschen.

In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen. (…) Das wahre Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, doch die Welt erkannte ihn nicht. (…) Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Johannes 1,1-5 u. 9-10 u. 14)

Ja, der Sohn Gottes wußte von Ewigkeit her von dem großen Auftrag, den Er einmal ausführen sollte. Er hat zu diesem Auftrag „Ja“ gesagt in dem brennenden Verlangen, seinen Gott und Vater zu ehren und die wunderbaren göttlichen Heilsratschlüsse auszuführen. Dabei wußte der Sohn um alle Selbstverleugnung, die das fordern würde, und um alles Leid, das Er tragen müßte um unseres Heiles willen. Er war einverstanden, diesen Auftrag auszuführen, auch, weil Er voller Liebe und Erbarmen uns gegenüber war, den irregegangenen, in der Sünde gefangenen Geschöpfen, die ohne Seine Erlösungstat rettungslos verloren gewesen wären.

Im Hinblick auf das Sühnopfer Jesu Christi am Kreuz vergab Gott die Schuld von sündigen Menschen, die zu Ihm umkehrten und Ihm vertrauten. Er tat dies schon mit den ersten Menschen, Adam und Eva. Er tat dies mit Abel, Seth und Henoch, mit Noah und Sem, mit Abraham und Isaak und Jakob, mit Mose und Aaron, mit Josua, Samuel und David, und mit ungezählten anderen Glaubenden.

Denn ihr wißt ja, daß ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, losgekauft worden seid aus eurem nichtigen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blut des Christus, als eines makellosen und unbefleckten Lammes. Er war zuvor ersehen vor Grundlegung der Welt, aber wurde offenbar gemacht in den letzten Zeiten um euretwillen … (1. Petrus 1,18-20)

Die Grundlage für die göttliche Vergebung war das von Ewigkeit her festgesetzte Sühnopfer Seines Sohnes, der alle Schuld auf sich nehmen würde und das gerechte Zorngericht Gottes tragen würde, der mit Seinem Blut bezahlen würde für die Übertretungen der sündigen Menschengeschöpfe. Weil Gott der vollkommene gerechte Herrscher und Richter ist, ist es Ihm unmöglich, die Sünden der Menschen einfach so zu übersehen, ohne daß dafür eine gerechte Sühnung erfolgt wäre. Deshalb war dieses Sühnopfer Jesu Christi von Ewigkeit her in den Ratschlüssen Gottes festgesetzt und ist der Grundstein für das große Heil Gottes.

In gewisser Weise ruhte auf dem Sohn Gottes das Geschick der ganzen Welt, der Menschheit, des Universums. Er war ja das Haupt der ganzen Schöpfung, „der Erstgeborene, der über aller Schöpfung ist“ (Kolosser 1,15). Er sollte das Sühnopfer vollbringen, das die Grundlage für das Zuwarten Gottes mit der ganzen Welt bildete, das vor allem aber die Erlösung aller derer bewirkte, die an Gottes Verheißungen in bezug auf den Erretter glaubten. Doch dafür mußte etwas Unerhörtes, Gewaltiges geschehen – der ewige Sohn Gottes mußte ein geringer Mensch werden.

Die tiefe Kluft zwischen dem in Sünde gefallenen, verdorbenen, verfinsterten Menschengeschöpf und dem heiligen, erhabenen Gott machte es unbedingt notwendig, daß ein Mittler gefunden wurde – einer, der sowohl Anteil an Gottes heiligem Wesen hatte wie auch am Menschsein. Dieses Bedürfnis erkennt schon der leidende Hiob in seinem Ringen mit Gott:

Denn Er ist nicht ein Mann wie ich, daß ich Ihm antworten dürfte, daß wir miteinander vor Gericht gehen könnten; es gibt auch keinen Mittler zwischen uns, der seine Hand auf uns beide legen könnte. (Hiob 9,32-33)

Die völlige Verderbnis und von Adam vererbte Sündhaftigkeit des ganzen Menschengeschlechts machte es unmöglich, daß sich einer der Menschenkinder zu Gott erheben und so als Mittler wirken konnte. Das bezeugt der Römerbrief wie auch die alttestamentliche Offenbarung:

… wie geschrieben steht: »Es ist keiner gerecht, auch nicht einer; es ist keiner, der verständig ist, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen, sie taugen alle zusammen nichts; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer! (Römer 3,10-12)

Und doch vermag kein Bruder den anderen zu erlösen; er kann Gott das Lösegeld nicht geben – zu teuer ist die Erlösung ihrer Seelen, er muß davon abstehen auf ewig! (Psalm 49,8-9)

So war es eine Notwendigkeit, wenn Gottes Rettungspläne verwirklicht werden sollten, daß der Sohn Gottes Mensch wurde, sich herabließ aus Seiner göttlichen Herrlichkeitsfülle in die Niedrigkeit der geschöpflichen Existenz. Der Sohn Gottes mußte einen menschlichen Leib annehmen und sich in gewisser Weise eins machen mit den Menschen, um Seinen Mittlerauftrag zu erfüllen. Das war insbesondere nötig, weil die Mittlerschaft auch die Erlösung, den Loskauf der sündigen Menschen von ihrer Schuld vor Gott durch den stellvertretenden Tod des gerechten Mittlers, voraussetzte. Diesen wunderbaren Weg der freiwilligen Selbstentäußerung beschreibt uns der Philipperbrief so eindrücklich:

Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz. (Philipper 2,5-8)

Das Geheimnis dieser Menschwerdung wird uns eindrücklich im 2. Kapitel des Hebräerbriefs beschrieben; dort lesen wir von dem herrlichen Sohn Gottes, daß Er als Mensch vorübergehend niedriger als die Engel war, um durch sein Todesleiden Sünder zu Kindern Gottes, zu Seinen Brüdern zu machen:

Da nun die Kinder an Fleisch und Blut Anteil haben, ist er gleichermaßen dessen teilhaftig geworden, damit er durch den Tod den außer Wirksamkeit setzte, der die Macht des Todes hatte, nämlich den Teufel, und alle diejenigen befreite, die durch Todesfurcht ihr ganzes Leben hindurch in Knechtschaft gehalten wurden. Denn er nimmt sich ja nicht der Engel an, sondern des Samens Abrahams nimmt er sich an. Daher mußte er in jeder Hinsicht den Brüdern ähnlich werden, damit er ein barmherziger und treuer Hoherpriester würde in dem, was Gott betrifft, um die Sünden des Volkes zu sühnen … (Hebräer 2,14-17)

Der Sohn Gottes mußte aber ein ganz besonderer Mensch sein, um als Mittler und Erlöser zu wirken. Er mußte am menschlichen Fleisch und Blut Anteil haben, denn sonst hätte Er nicht für Menschen das Sühnopfer vollbringen können und auch nicht den leiblichen Tod sterben können; aber Er konnte nicht an der Sündennatur und Sündenverderbnis der Menschen Anteil haben, denn sonst wäre Sein Tod die Strafe für seine eigene Sünde gewesen und hätte keine stellvertretende, erlösende Wirkung gehabt. Kurz: Er mußte wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich sein, menschlich und sterblich und zugleich gerecht, rein und sündlos vollkommen.

Das ist wiederum ein Geheimnis, das wir nur unvollkommen begreifen können. Jesus Christus war, als Er auf Erden war, ein echter Mensch mit einem realen Leib aus Fleisch und Blut. Er war hungrig und müde, Er reiste zu Fuß statt auf Engelswagen; Er wurde geschlagen und gequält und spürte diese Qualen. Und doch war Er immer zugleich göttlichen Wesens und eins mit dem Vater. Er war sündlos vollkommen und hatte keinen Anteil an der Sündennatur, denn Er war aus Gott durch den Geist in einer Jungfrau gezeugt und nicht von einem menschlichen Vater. Seine Wunder bezeugten immer wieder Seine Gottheit, als Er als Mensch auf der Erde wandelte.

Er war ein Mensch wie es nie zuvor einen gegeben hatte. Sonst hätte Er nicht als der von Gott eingesetzte Hohepriester uns erretten können:

Denn ein solcher Hoherpriester tat uns not, der heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert und höher als die Himmel ist, der es nicht wie die Hohenpriester täglich nötig hat, zuerst für die eigenen Sünden Opfer darzubringen, danach für die des Volkes; denn dieses [letztere] hat er ein für allemal getan, indem er sich selbst als Opfer darbrachte. Denn das Gesetz bestimmt Menschen zu Hohenpriestern, die mit Schwachheit behaftet sind; das Wort des Eidschwurs aber, der nach der Einführung des Gesetzes erfolgte, den Sohn, der in Ewigkeit vollkommen ist. (Hebräer 7,26-28)

Der Ratschluß Gottes ist ganz präzise und knapp zusammengefaßt in den Worten, die der Apostel Paulus im 1. Timotheusbrief niederschreiben durfte:

… denn dies ist gut und angenehm vor Gott, unserem Retter, welcher will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat. (1. Timotheus 2,3-6)

 

 

3. Die Menschwerdung: In der Fülle der Zeit sandte Gott Seinen Sohn

 

Der Heilsplan Gottes war in der Ewigkeit gefaßt worden, in den Himmeln, vor aller Zeit, aber er mußte verwirklicht werden in Raum und Zeit, unten auf der von Sünde und Tod belasteten und verseuchten Erde. Das geschah nicht irgendwann und willkürlich, auch wenn das den Menschen so scheinen konnte. Alles Handeln Gottes ist vollkommen, weise und bedacht; alles folgt einer großen Notwendigkeit, die wir Menschen oft nur unvollkommen oder gar nicht nachvollziehen können.

Wir leben in der gleichmäßig dahinfließenden Zeit, die das Neue Testament mit dem griechischen Wort chronos beschreibt. Aber Gott greift darin ein in besonderen, von Ihm festgesetzten und geheiligten Zeitpunkten, welche die Bibel mit dem Begriff kairos wiedergibt. Er steht auch geschrieben, wenn der allmächtige Gott Sein Handeln bei der Menschwerdung Seines Sohnes beschreibt:

Als aber die Zeit (kairos) erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen. (Galater 4,4)

Alles bei der Menschwerdung des ewigen Sohnes Gottes geschah nach Gottes Ratschluß, und alles geschah in Erfüllung der zahlreichen Weissagungen, in denen der Geist Gottes das Kommen des Messias, des von Gott gesalbten Retters, zuvor durch die Propheten des Alten Testaments angekündigt hatte.

Der Messias, der Gesalbte, welcher griechisch übersetzt „der Christus“ genannt wird, Er, der Retter der Welt, mußte als Jude auf die Erde kommen, „denn das Heil kommt aus den Juden“ (Johannes 4,22). Er mußte als Nachkomme Davids im Stamm Juda geboren sein, denn Gott hatte dem David viele Jahrhunderte zuvor verheißen, daß aus seiner Nachkommenschaft der Messias entspringen sollte (vergleiche 1. Chronik 17,11-14).

Deshalb gehörte Maria, die auserwählte Frau, durch die der Sohn Gottes auf die Welt kommen sollte, dem Stamm Juda an, wie auch sein Pflegevater Joseph, dessen rechtlicher Erbe Jesus von Nazareth war. Der Messias mußte in Bethlehem geboren sein, der Stadt Davids, denn das war schon Jahrhunderte zuvor durch den Propheten Micha geweissagt (Matthäus 2,1-6).

Und Er mußte von einer Jungfrau geboren sein, die noch kein Mann erkannt hatte, wie es in Jesaja 7,14 als ein Wunderzeichen Gottes vorhergesagt worden war. In der ersten Verheißung, die Gott über Ihn aussprach, wird Er nicht umsonst der „Same (Nachkomme) der Frau“ genannt, obgleich sonst in der Bibel überall die Nachkommen dem Vater zugeordnet werden (vgl. 1. Mose 3,15).

Über die Jungfrauengeburt des Herrn Jesus Christus lästern und spotten viele Menschen, nicht zuletzt auch Theologen und Prediger auf kirchlichen Kanzeln, doch sie ist eine göttliche Wahrheit und eine göttliche Notwendigkeit, über der der Glaubende anbetet und Gott rühmt. Wenn Jesus von Nazareth durch Joseph gezeugt worden wäre, dann hätte er Anteil an Adams Sündennatur und Fall gehabt und wäre nicht das makellose Opferlamm gewesen, das für die Sünden anderer sterben konnte, weil es eben selbst völlig ohne Sünde war und nicht unter dem Urteil des Todes stand.

So ist es eine wunderbare Erfüllung der Prophetien und Verheißungen Gottes, was wir im Lukasevangelium lesen:

Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt Galiläas namens Nazareth gesandt, zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Mann namens Joseph, aus dem Haus Davids; und der Name der Jungfrau war Maria. Und der Engel kam zu ihr herein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadigte! Der Herr ist mit dir, du Gesegnete unter den Frauen! Als sie ihn aber sah, erschrak sie über sein Wort und dachte darüber nach, was das für ein Gruß sei.

Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Denn du hast Gnade bei Gott gefunden. Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären; und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben; und er wird regieren über das Haus Jakobs in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.

Maria aber sprach zu dem Engel: Wie kann das sein, da ich von keinem Mann weiß? Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. (Lukas 1,26-35)

Die Jungfrauengeburt des Retters Jesus, des Messias, ist eine göttliche Notwendigkeit und eine göttliche Wahrheit. Sie ist einer der Grundpfeiler des echten Evangeliums, der von Gott gegebenen Rettungsbotschaft. Wer sie bestreitet, hat keinen Anteil an der Errettung, sondern ist gefangen in Finsternis und Tod.

Der spottende Menschenverstand kann das Wunder Gottes nicht fassen, daß durch den Geist Gottes ein einzigartiger Mensch im Leib der Jungfrau Maria gezeugt wurde, Gott und Mensch zugleich, heilig, sündlos und gerecht, und auf diesem einen Menschen Jesus Christus ruhte und ruht das Geschick der ganzen Welt, die Rettung oder Verdammnis der Menschen.

Er wuchs als Kind scheinbar ganz normal bei seinen Eltern auf; Er wurde wie alle Juden beschnitten am achten Tag und damit unter das mosaische Gesetz getan, wie von ihm geschrieben steht. Er gehorchte seinen Eltern und lernte einen handwerklichen Beruf wie sein Pflegevater Joseph. Und doch war Er einzigartig und herrlich von Anfang an, heilig und gerecht und ohne eine einzige Sünde. Er war verborgen, aber Er sollte zur festgesetzten Zeit als Messias offenbar werden.

 

 

4. Jesus Christus – der vollkommene Mensch, der den Vater offenbarte und verherrlichte

 

Als der Herr Jesus Christus als Mensch auf der Erde lebte, da war dies ein staunenswertes Wunder, das sicherlich von den Engeln mit Ehrfurcht beobachtet wurde: Unter all den ungezählten Scharen von verdorbenen Sündern, von verkehrten, eigensüchtigen, stolzen, aufrührerischen Kreaturen, war da ein Mensch, der ohne Sünde war und in ganzer Hingabe und vollkommenem Gehorsam für Seinen Gott und Vater lebte – der Mensch Christus Jesus. Er tat dies etwa 30 Jahre im Verborgenen, als der Zimmermannssohn in Nazareth, verkannt und unbeachtet.

 

Der Knecht des HERRN wird vor den Menschen offenbar

Doch es kam die Stunde, da der Sohn des Menschen, der zugleich Gottes Sohn war, aus dem Verborgenen ans Licht trat, weil Sein Vater im Himmel es so wollte. Er wurde offenbar, nicht als der mächtige König und kriegerische Befreier, den die Juden erhofften, sondern als der demütige Knecht des HERRN (hebräisch Ebed Jahweh), der leibeigene Sklave, der ganz für seinen Herrn lebte und Ihm aus Liebe diente (vgl. 2. Mose 21,5-6). Von Ihm lesen wir die wunderbaren Worte im Propheten Jesaja:

Siehe, das ist mein Knecht, den ich erhalte, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt; er wird das Recht zu den Heiden hinaustragen. Er wird nicht schreien und kein Aufhebens machen, noch seine Stimme auf der Gasse hören lassen. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen; wahrheitsgetreu wird er das Recht hervorbringen. Er wird nicht ermatten und nicht zusammenbrechen, bis er auf Erden das Recht gegründet hat, und die Inseln werden auf seine Lehre warten.

So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schuf und ausspannte und die Erde ausbreitete samt ihrem Gewächs, der dem Volk auf ihr Odem gibt und Geist denen, die darauf wandeln: Ich, der HERR, habe dich berufen in Gerechtigkeit und ergreife dich bei deiner Hand; und ich will dich behüten und dich zum Bund für das Volk setzen, zum Licht für die Heiden; daß du die Augen der Blinden öffnest, die Gebundenen aus dem Gefängnis führst und aus dem Kerker die, welche in der Finsternis sitzen. (Jesaja 42,1-7)

Der Herr Jesus war auf der Erde der vollkommene Knecht des HERRN, Seines himmlischen Vaters, des Gottes Israels. Er hat damit alle prophetischen Voraussagen über den „Knecht des HERRN“ erfüllt, die besonders im Buch des Propheten Jesaja geschrieben stehen.

Er, der Sündlose, beginnt Seinen Weg als Knecht und Bote des HERRN mit einem bemerkenswerten öffentlichen Zeugnis: Er läßt sich wie die Zöllner und Huren von Johannes dem Täufer im Jordan taufen. Das war zugleich eine Demütigung und ein Zeichen der wunderbaren Herabneigung des Sohnes Gottes zu den Sündern, die Er retten wollte: Er machte sich gewissermaßen eins mit ihnen. Er hätte diese „Taufe der Buße“ ja nicht nötig gehabt, wie Johannes sogleich erkennt:

Da kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wehrte ihm und sprach: Ich habe es nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt so geschehen; denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen! Da gab er ihm nach. Und als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser; und siehe, da öffnete sich ihm der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabsteigen und auf ihn kommen. Und siehe, eine Stimme [kam] vom Himmel, die sprach: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe! (Matthäus 3,13-17)

Der allmächtige Vater im Himmel beantwortet dieses öffentliche Zeugnis der Taufe Seines Sohnes, das den Beginn Seines Dienstes markiert, mit einem öffentlichen Zeugnis, das Seine Liebe und Sein Wohlgefallen angesichts dieses wunderbaren Sohnes des Menschen zum Ausdruck bringt. Von nun an sollte der Sohn vor den Menschen Seinen Gott offenbaren und verherrlichen, bis Er das Ende Seines irdischen Dienstes erreichen würde – als Verbrecher schmachvoll am Kreuz hingerichtet.

Der Vater anerkennt den Herrn Jesus Christus öffentlich als den Sohn Gottes, während die meisten Menschen Ihn verkannten als den Zimmermannssohn aus Nazareth, der höchstenfalls ein Prophet sein konnte, aber niemals der Messias, den sie sich nur als triumphierenden König und Befreier vorstellen konnten.

Gleich danach kommt es zu der dramatischen Prüfung des Knechtes des HERRN in der Wüste von Judäa. Der Satan, der listige, bösartige Widerwirker Gottes, sucht den Herrn zu umgarnen und dazu zu verleiten, daß Er sich eigenmächtig helfen und sich damit aus der völligen Abhängigkeit von Seinem Gott und Vater lösen würde.

Der Herr war in Seinem menschlichen Leib gewiß von verzehrendem Hunger gepeinigt; dennoch widerstand Er ruhig und mit Verweis auf das Wort Gottes, das Er vollkommen erfüllte und auslebte, der Versuchung des Bösen, er solle durch ein Wunder sich Brot verschaffen.

Er wies auch die Versuchung zurück, sich durch ein nicht von Gott gewolltes Schauwunder die Anhängerschaft der Masse zu sichern, und zuletzt wies Er auch das diabolische Angebot zurück, sich die Reiche der Welt ohne Leiden und Kreuz zu sichern, indem Er dem rebellischen Engel gehuldigt hätte (vergleiche Matthäus 4,1-11).

 

Das Geheimnis des Menschensohnes – vollkommene Ergebenheit gegenüber dem Vater

Diese Versuchungsszene berührt ein Geheimnis, das wir wiederum nicht mit dem Verstand völlig ergründen können. Jesus Christus war als Mensch gerecht und vollkommen, ohne die Sündennatur Adams – und doch war Er Versuchungen ausgesetzt; der Feind versuchte Ihn zum Ungehorsam zu verleiten, und wir lesen im Hebräerbrief:

Daher mußte er in jeder Hinsicht den Brüdern ähnlich werden, damit er ein barmherziger und treuer Hoherpriester würde in dem, was Gott betrifft, um die Sünden des Volkes zu sühnen; denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht wurde, kann er denen helfen, die versucht werden. (Hebräer 2,17-18)

Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern einen, der in allem versucht worden ist in ähnlicher Weise [wie wir], doch ohne Sünde. (Hebräer 4,15)

Dieser hat in den Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als auch Flehen mit lautem Rufen und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte, und ist auch erhört worden um seiner Gottesfurcht willen. Und obwohl er Sohn war, hat er doch an dem, was er litt, den Gehorsam gelernt; und nachdem er zur Vollendung gelangt ist, ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden, von Gott genannt: Hoherpriester nach der Weise Melchisedeks. (Hebräer 5,7-10)

Welch ein anbetungswürdiges Geheimnis! Der Sohn Gottes brauchte in der Himmelsherrlichkeit keinen Gehorsam, denn Er war und ist eins mit dem Vater und denkt und handelt immer ganz genauso wie Sein Vater. Doch als Mensch auf der Erde hat Er Seinen eigenen Willen, den Er hatte (vergleiche Johannes 6,38), allezeit bewußt dem Vater untergeordnet und stets in absoluter Abhängigkeit vom Vater gelebt.

Als Er vor der schrecklichen Aussicht stand, zur Sünde gemacht zu werden und das Zorngericht Gottes für uns zu erleiden, da war dies wohl für Ihn als Menschen unerträglich, und doch hat Er sich im Gehorsam Gott anvertraut. Wir vermögen das nicht logisch zu ergründen, aber so verstehen wir das Gebet des Herrn im Garten Gethsemane:

Und er riß sich von ihnen los, ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder, betete und sprach: Vater, wenn du diesen Kelch von mir nehmen willst – doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und er war in ringendem Kampf und betete inbrünstiger; sein Schweiß wurde aber wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen. (Lukas 22,21-24)

Das innerste Geheimnis der Herrlichkeit des Menschensohnes Jesus Christus, der zugleich der Gottessohn war, bestand in den Jahren Seines Erdenlebens in der völligen Hingabe und Ergebenheit gegenüber Seinem Gott und Vater, im totalen Gehorsam, in der vollständigen Selbstverleugnung, Selbstentäußerung und Abhängigkeit von Gott. So bezeugt es der Herr selbst:

Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist die, daß ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe. (Johannes 4,34)

Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn. (…) Ich kann nichts von mir selbst aus tun. Wie ich höre, so richte ich; und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen des Vaters, der mich gesandt hat. (Johannes 5, 19 u. 30)

… sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz. (Philipper 2,7-8)

Der Mensch Jesus Christus hat Seinen Gott und Vater in den Tagen Seines Erdenlebens auf vielfältigste Weise verherrlicht. Er hat Ihn verherrlicht durch die vielen Wunder, die Er tat und die Gottes Macht und Gnade offenbarten. Er hat Ihn verherrlicht durch Seine staunenswerte Liebe, Barmherzigkeit, Geduld und Gnade, mit welcher Er den Sündern begegnete. Er hat Ihn verherrlicht durch Seine vollmächtige Lehre und Verkündigung, mit der Er die Wahrheit Gottes offenbarte. Aber vielleicht wurde der Vater am meisten verherrlicht durch den liebevollen, vertrauenden Gehorsam, den der Sohn allezeit in den Tagen Seines Erdenlebens dem Vater erwies – bis hin zum Tod am Kreuz.

Diese Ergebenheit in Gottes Willen, diese völlige Selbstverleugnung des Sohnes als Mensch ist das totale Gegenteil von dem, was der sündige Mensch gezeigt hat – allseitigen Ungehorsam, starrsinnigen Eigenwillen und gewissenlosen, hartherzigen Egoismus. Wo der gefallene Mensch seit Adam versagt hat, komplett und tiefgreifend, da hat der zweite Adam, der Mensch Gottes, gesiegt und überwunden durch Seinen Gehorsam und Seine Hingabe an Gott. Wie herrlich und anbetungswürdig ist unser Herr gerade in Seiner Selbstverleugnung und Seinem Gehorsam!

Diese völlige Ergebung auch in Leiden und Tod war dem Vater so kostbar, daß Er den Sohn nach Seiner Auferweckung auf den Platz der höchsten Macht und Herrlichkeit in den Himmeln erhöht hat: „Darum hat ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über allen Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters“ (Philipper 2,9-11).

 

Der Bote des HERRN verkündigt den Ratschluß Gottes

Einer der großen Aufträge, die der Herr Jesus Christus von dem Vater empfangen hatte und als vollkommener Mensch ausführte, bestand darin, das Wort Gottes, die weiterführende Botschaft zu verkündigen, die Gott Seinem Volk Israel in bezug auf den Messias und Sein Reich mitteilen wollte. Der Herr Jesus war damit der vollkommene Prophet (der autorisierte Sprecher Gottes), den Mose einst angekündigt hatte: „Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, erwecken aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern; auf ihn sollst du hören!“ (5. Mose 18,15).

Der Herr lehrte die Worte Gottes in Wahrheit und Vollmacht, mit übernatürlicher Kraft. Er verkündete eine neue Botschaft, die weiterführte als die Boten des Alten Bundes es konnten. Er konnte mit Autorität sagen: „Wahrlich ich sage euch“, und die Menschen gaben Ihm Zeugnis: „Und es geschah, als Jesus diese Worte beendet hatte, erstaunte die Volksmenge über seine Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten“ (Matthäus 7,28-29). Die Diener, die Ihn verhaften sollten, mußten bekennen: „Nie hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch!“ (Johannes 7,46).

Die Heiligkeit und Kühnheit, mit der der Herr Jesus Christus die Worte Gottes verkündete und dabei weder schonte oder schmeichelte, beeindruckten Seine Hörer. Seine Feinde bezeugten: „Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und den Weg Gottes in Wahrheit lehrst und auf niemand Rücksicht nimmst; denn du siehst die Person der Menschen nicht an“ (Matthäus 22,16). Und Seine Jünger konnten, nachdem sie Ihn über lange Zeit täglich begleitet hatten, und dabei sowohl Seine Worte wie auch Sein Leben gründlich kennengelernt hatten, nur bekennen:

Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes! (Johannes 6,68-69)

Sein Dienst als der vollkommene Bote und Prophet Gottes wird im Hebräerbrief in den knappen und doch so inhaltsschweren Worten zusammengefaßt:

Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. (Hebräer 1,1)

Wohl uns, wenn wir auf diesen unvergleichlichen Boten hören, der uns die Worte des lebendigen Gottes nahebringt!

 

Der Heilsbringer bezeugt die Kraft Gottes durch Wunderzeichen

Ein wichtiger Dienst des Herrn auf der Erde bestand darin, daß Er durch zahlreiche Zeichen und Wunder, die er tat, seinen Gott und Vater verherrlichte. Diese Zeichen und Wunder waren kein Selbstzweck, sondern sie dienten in erster Linie dazu, Ihn als den von Gott gesandten Messias zu beglaubigen und das von Ihm verkündete Wort als die Botschaft des lebendigen Gottes zu bestätigen.

Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus, der Nazarener, einen Mann, der von Gott euch gegenüber beglaubigt wurde durch Kräfte und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte wirkte, wie ihr auch selbst wißt … (Apostelgeschichte 2,22)

… wie wollen wir entfliehen, wenn wir eine so große Errettung mißachten? Diese wurde ja zuerst durch den Herrn verkündigt und ist uns dann von denen, die ihn gehört haben, bestätigt worden, wobei Gott sein Zeugnis dazu gab mit Zeichen und Wundern und mancherlei Kraftwirkungen und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen. (Hebräer 2,3-4)

Der Herr heilte Menschen, die teilweise jahrzehntelang an unheilbaren Krankheiten gelitten hatten. Er befreite Menschen, die aufgrund ihrer Zaubereisünden von Dämonen kontrolliert und geplagt wurden. Er öffnete Blinden die Augen und ließ Stumme wieder sprechen. Ja, Er weckte sogar Tote wieder zum Leben auf und bewies damit, daß Er der Sohn Gottes war, der in göttlicher Vollmacht handelte und sprach.

 

Der Retter und Erlöser bezeugt die Gnade und den Rettungswillen Gottes

In allem, was der Herr Jesus tat, erzeigte Er eine wunderbare Barmherzigkeit, Liebe und Geduld mit den irrenden, sündenverstrickten Menschen. Damit offenbarte Er die große Liebe, Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Als Er die nach Heil suchenden Juden um sich versammelt sah, lesen wir von Ihm: „Als er aber die Volksmenge sah, empfand er Mitleid mit ihnen, weil sie ermattet und vernachlässigt waren wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Matthäus 9,36). Bei einer anderen Gelegenheit lesen wir: „Als nun Jesus ausstieg, sah er eine große Menge; und er erbarmte sich über sie und heilte ihre Kranken“ (Matthäus 14,14).

Unser Herr Jesus lud die Sünder zu sich ein; Er rief sie zur Umkehr, zum Bruch mit ihrem alten Sündenleben, aber Er wandte sich niemals von ihnen ab, weil sie schuldbefleckt und unrein waren. Er sprach zu der überführten Ehebrecherin: „Frau, wo sind jene, deine Ankläger? Hat dich niemand verurteilt? Sie sprach: Niemand, Herr! Jesus sprach zu ihr: So verurteile ich dich auch nicht. Geh hin und sündige nicht mehr!“ (Johannes 8,10-11). Er bezeugte von sich: „Nicht die Starken brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße“ (Markus 2,17).

Auch heute noch richtet sich Sein Aufruf an alle sündigen Menschen, die belastet von ihrer Sünde nach Begnadigung und Heilung suchen:

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. (Matthäus 11,28-30)

Dieser niedrige, von den Menschen verkannte und verspottete Knecht des HERRN ist der Retter der Welt; Er hat allein aufgrund Seines Sühnopfers am Kreuz, wo er die Schuld und Sünde der Menschen trug, die Kraft, sündige Menschengeschöpfe aus dem ewigen Gericht zu erretten und ihnen neues Leben, Frieden und Hoffnung zu geben; „… denn der Sohn des Menschen ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lukas 19,10).

 

 

5. Seht, welch ein Mensch!

 

Wir haben in dieser Betrachtung darüber nachgedacht, daß der Sohn Gottes wahrer Mensch wurde, um uns gefallene, abgeirrte Menschengeschöpfe zu erretten. Für den ewigen Sohn Gottes war dies eine für uns unvorstellbare Selbstentäußerung, eine gnädige Herablassung und Selbsterniedrigung, die wir wohl nie ganz begreifen können. Er tat dies, um den Rettungsplan Seines himmlischen Vaters auszuführen und um uns Gnade und Heil anzubieten. Er verbarg Seine göttliche Herrlichkeit und wurde ein einfacher, armer Mensch.

Und doch leuchtete Seine Herrlichkeit und göttliche Liebe und Macht immer wieder auf – in Seinen kraftvollen Lebensworten, in Seinen Wundertaten, und ganz besonders auch auf dem Berg der Verklärung. So konnte der Apostel Johannes bezeugen:

Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (…) Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat Aufschluß [über ihn] gegeben. (Johannes 1,14 u. 18)

Was von Anfang war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir angeschaut und was unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens – und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns erschienen ist -, was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei. (1. Johannes 1,1-4)

Jesus Christus war kein gewöhnlicher Mensch, sondern Er ist der Sohn des lebendigen Gottes, der vollkommene Mittler und der einzige Weg zu Gott. An unserer Haltung zu Ihm entscheidet sich für uns Tod oder Leben, Rettung oder Verlorensein.

Denn so [sehr] hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes geglaubt hat. (Johannes 3,16-18)

Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn Gott gibt den Geist nicht nach Maß. Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. (Johannes 3,34-36)

Durch den Menschen Jesus Christus hat Gott Seine rettende Liebe und Gnade eindrücklich und für jeden erkennbar und verständlich geoffenbart. Ja, der Sohn hat als vollkommener Mensch den unsichtbaren, ewigen Gott auf wunderbare Weise für uns sichtbar und erkennbar gemacht, und zugleich hat Er uns den Weg gebahnt, daß wir zu diesem Gott umkehren und wahres Leben empfangen können, wie der Herr von sich selbst bezeugt:

Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich! Wenn ihr mich erkannt hättet, so hättet ihr auch meinen Vater erkannt; und von nun an erkennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus spricht zu ihm: Herr, zeige uns den Vater, so genügt es uns!

Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich noch nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen. Wie kannst du da sagen: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht aus mir selbst; und der Vater, der in mir wohnt, der tut die Werke. (Johannes 14,6-10)

Wohl uns, wenn wir unser ganzes Leben diesem Retter und Herrn anvertrauen und übergeben!

 

 

 

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