Die herrliche Hoffnung der Gemeinde –
was die Entrückung für uns Kinder Gottes bedeutet

 

Rudolf Ebertshäuser

 

 

Eigentlich sollte die baldige Entrückung der Gemeinde für die wahren Kinder Gottes kein Gegenstand von Streitgesprächen sein. Sie ist unsere Hoffnung – eine glückselige, herrliche Hoffnung, die wir kindlich und froh erwarten dürfen, ohne uns von Theologen und düsteren Endzeitlehrern diese Erwartung verdunkeln zu lassen.

Vielfach ist den Gläubigen heute gar nicht bewußt, wie schön und herrlich die Entrückung der Gemeinde für sie sein wird, welche Gnade Gottes in diesem souveränen göttlichen Handeln für uns enthalten ist. Wir wollen versuchen, uns anhand der Aussagen der Bibel bewußt zu machen, was Gott uns in der Entrückung, im Kommen des Herrn Jesus Christus für die Seinen bereitet hat.

… sondern, wie geschrieben steht: »Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und keinem Menschen ins Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben«. (1Kor 2,9)

Wenn wir zum Herrn Jesus Christus hin entrückt werden, dann werden wir gewaltige Freude und unbeschreibliche Verzückung erfahren. Wir werden endlich diesen Leib der Niedrigkeit und der Sünde los sein, und unser erneuerter Geist wird fähig sein, den Herrn selbst und die himmlischer Herrlichkeit, in die er uns einführt, zu schauen, zu empfinden und zu genießen.

Wir werden dem Elend dieser Erde, der bedrückenden Bosheit der gottlosen Menschen, dem erstickenden Klima der Ureinheit und Perversion, der Auflehnung und des Unglaubens, das in dieser Welt herrschte, entflohen sein. Wir werden die göttliche Geistesluft des Himmels atmen, das göttliche Licht des Himmels schauen und darüber jubeln.

Vor allem aber: Wir werden unseren Herrn Jesus sehen, wie Er ist, Ihn, den herrlichen Sohn in Seiner ganzen Schönheit, und wir werden unseren großen Gott und Vater schauen, den ewigen Gott, den kein Mensch in seinem sterblich-sündigen Zustand schauen kann, ohne zu vergehen. Wir werden jubeln in der unbeschreiblichen Liebe Gottes, des Vaters und der herrlichen Liebe des Sohnes. All unser Sehnen und Verlangen, all unser Fragen und Seufzen, all unser Mangel wird gestillt sein in der überströmenden Gnadenfülle, die uns vom Vater und vom Sohn durch den Heiligen Geist zufließen wird.

Das ist die Hoffnung der Herrlichkeit, die Gott uns schenkt, damit wir in den Niederungen und Prüfungen dieser Zeit standhaft ausharren und überwinden können. Diese kostbare Hoffnung sollten wir täglich bestärken in unseren Gebeten und in unserer Betrachtung des Wortes Gottes. Sie sollte uns beständig vor dem Herzensauge stehen, ohne Schatten und Düsternis, ohne Zweifel und Zagen.

Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir im Glauben auch Zugang erlangt haben zu der Gnade, in der wir stehen, und wir rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Aber nicht nur das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, weil wir wissen, daß die Bedrängnis standhaftes Ausharren bewirkt, das standhafte Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung; die Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.

Denn Christus ist, als wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben. Nun stirbt kaum jemand für einen Gerechten; für einen Wohltäter entschließt sich vielleicht jemand zu sterben. Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Wieviel mehr nun werden wir, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt worden sind, durch ihn vor dem Zorn errettet werden! (Röm 5,1-9)

In diesem Sinn wollen wir in den folgenden Kapiteln einige Aspekte dieser wunderbaren Hoffnung näher betrachten.

 

 

1. Der Retter kommt und vollendet Sein Heilswerk an den Gläubigen

 

Christus kommt zu den Seinen als der Retter des Leibes (Eph 5,23), als derjenige, der mit der Entrückung Sein Heilswerk an den Kindern Gottes vollendet, indem sie vom Fleisch, von allem Sündhaften und Sterblichen befreit und ihnen einen neuen Herrlichkeitsleib gibt:

Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird, so daß er gleichförmig wird seinem Leib der Herrlichkeit, vermöge der Kraft, durch die er sich selbst auch alles unterwerfen kann. (Phil 3,20-21)

Das ist eine herrliche Aussicht für jedes Kind Gottes, das seufzt und leidet aufgrund des Fleisches und seiner sündigen Begierden, die ihm immer noch anhaften. Endlich werden wir dann los sein von diesem „Leib der Niedrigkeit“ (Phil 3,21), dem „fleischlichen Leib der Sünde“ (Kol 2,11), dem „Leib des Todes“ (Röm 7,24), der uns so viele Mühe bereitete, der so manche Niederlage und Beschämung verursachte.

 

Die Verwandlung des Leibes als Vollendung des Heilswerkes

Der Herr Jesus hat uns einen neuen Geist gegeben, hat in uns den neuen, inneren Menschen geschaffen, der heilig, gerecht und nach Seinem Ebenbild geformt ist; aber der Leib und die Seele sind bei dem auf Erden lebenden Gläubigen noch nicht völlig geheiligt und erneuert nach dem Ebenbild des Christus.

Da wir nach Gottes Ratschlüssen aber dem Ebenbild Seines Sohnes gleichgestaltet werden müssen (vgl. Röm 8,29), geschieht die Verwandlung unseres Leibes und damit auch unserer Seele dann bei der Entrückung. Dann wird nichts Sündiges, nichts Unvollkommenes, nichts Verderbliches und Sterbliches mehr an uns sein – welche eine glückselige Hoffnung!

So ist es auch mit der Auferstehung der Toten: Es wird gesät in Verweslichkeit und auferweckt in Unverweslichkeit; es wird gesät in Unehre und wird auferweckt in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit und wird auferweckt in Kraft; es wird gesät ein natürlicher Leib, und es wird auferweckt ein geistlicher Leib. Es gibt einen natürlichen Leib, und es gibt einen geistlichen Leib. So steht auch geschrieben: Der erste Mensch, Adam, »wurde zu einer lebendigen Seele«; der letzte Adam zu einem lebendigmachenden Geist.

Aber nicht das Geistliche ist das erste, sondern das Natürliche, danach [kommt] das Geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde, irdisch; der zweite Mensch ist der Herr aus dem Himmel. Wie der Irdische beschaffen ist, so sind auch die Irdischen; und wie der Himmlische beschaffen ist, so sind auch die Himmlischen. Und wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen. Das aber sage ich, Brüder, daß Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können; auch erbt das Verwesliche nicht die Unverweslichkeit.

Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune; denn die Posaune wird erschallen, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dieses Verwesliche muß Unverweslichkeit anziehen, und dieses Sterbliche muß Unsterblichkeit anziehen. Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: »Der Tod ist verschlungen in Sieg! (1Kor 15,42-54)

Wir werden dann auch nach außen, dem Leibe nach, so strahlend herrlich, rein, gerecht und heilig sein, wie wir es unserer Stellung in Christus nach schon heute sind. Erst dann sind wir in dem Zustand, daß wir unseren herrlichen Herrn wirklich sehen können, wie Er ist.

Geliebte, wir sind jetzt Kinder Gottes, und noch ist nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen aber, daß wir ihm gleichgestaltet sein werden, wenn er offenbar werden wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich, gleichwie auch Er rein ist. (1Joh 3,2)

Erst dann können wir ungetrübte, tiefe, völlige Gemeinschaft mit unserem Retter haben. Erst dann können wir Erben des Reiches Gottes werden und in die Himmelsherrlichkeit eingehen. Erst dann können wir unseren Gott und Vater schauen und mit Ihm ungehinderte Gemeinschaft haben. Wie wichtig ist diese Vollendung unserer Errettung! Wie sollten wir uns danach sehnen!

Denn ich bin überzeugt, daß die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. Denn die gespannte Erwartung der Schöpfung sehnt die Offenbarung der Söhne Gottes herbei. Die Schöpfung ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, daß auch die Schöpfung selbst befreit werden soll von der Knechtschaft der Sterblichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.

Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt; und nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir erwarten seufzend die Sohnesstellung, die Erlösung unseres Leibes. Denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden. Eine Hoffnung aber, die man sieht, ist keine Hoffnung; denn warum hofft auch jemand auf das, was er sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so erwarten wir es mit standhaftem Ausharren. (Röm 8,18-25)

Um dieser kommenden Herrlichkeit und Freude willen dürfen wir auch willig alle Leiden dieser Zeit ertragen:

Geliebte, laßt euch durch die unter euch entstandene Feuerprobe nicht befremden, als widerführe euch etwas Fremdartiges; sondern in dem Maß, wie ihr Anteil habt an den Leiden des Christus, freut euch, damit ihr euch auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit jubelnd freuen könnt. (1Pt 4,13)

 

Das herrliche Heil in Christus

Erst mit der Erlösung unseres Leibes ist unsere Errettung wie auch unsere Sohnesstellung vollendet (vgl. auch 1Pt 1,7-9). In 1. Petrus 1 spricht der Apostel von der lebendigen Hoffnung der Kinder Gottes, und von dem unverwelklichen Erbe, das im Himmel aufbewahrt wird für uns (V.3-4).

… zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel aufbewahrt wird für uns, die wir in der Kraft Gottes bewahrt werden durch den Glauben zu dem Heil [od. der Errettung], das bereit ist, geoffenbart zu werden in der letzten Zeit. (1Pt 1,4-5)

Wir werden in der Kraft Gottes bewahrt durch den Glauben zu dem Heil (der Errettung), das bereit ist, geoffenbart zu werden. Hier ist die Entrückung angesprochen, die durch die verheißene Verwandlung unseres Leibes und die Versetzung in den Himmel den Abschluß, die Vollendung des Heilswerkes Gottes darstellt. Diese Heilsvollendung in der Entrückung ist unsere lebendige Hoffnung (vgl. auch Röm 8,20-25); sie erschließt uns das verheißene Erbe, das wir erst antreten können, wenn wir verherrlicht und in den Himmel eingegangen sind.

Darum umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch zuteil wird in der Offenbarung Jesu Christi. (1Pt 1,13)

Diese Errettung steht schon gegenwärtig bereit und kann jederzeit offenbar werden; hier steht das griechische Wort hetoimos, das bedeuten kann: „wirklich, gewiß, zubereitet, bereitliegend, zu Gebote stehend, verfügbar“, und das galt schon für die Zeit, da der Apostel seinen Lesern schrieb. Die in der Entrückung verheißene Errettung der Gemeinde ist sozusagen seit 2.000 Jahren bereit, geoffenbart zu werden, nämlich an dem glückseligen Moment, da der Herr für uns offenbar wird und uns entrückt.

Diese Entrückung und Heilsvollendung wird den letzten Zeitpunkt (den letzten kairos) für die Gemeinde darstellen, die letzte Stunde des Heilshandelns Gottes mit Seiner Gemeinde.

Hier steht nicht, daß das Offenbarwerden des Heils in der Entrückung erst in der letzten Zeit im Sinne von chronos (der ablaufenden Zeit) geschehen wird, sondern es steht „am letzten kairos“, und das ist Gottes ausgewählter Zeitpunkt für Sein Handeln. Dieser kairos hätte schon vor 2.000 Jahren sein können, aber es gefiel Gott, seitdem zuzuwarten und noch eine große Schar von Seelen zu der erretteten Gemeinde hinzuzutun.

Wenn dieses Heil offenbar wird bei der Entrückung, dann werden wir uns jubelnd freuen, auch wenn wir zuvor durch mancherlei Prüfungen gehen müssen. All das wird vergessen sein, wenn wir den Herrn sehen, wie Er ist, wenn wir unsere Leiber der Niedrigkeit eingetauscht haben gegen die neuen Herrlichkeitsleiber und die glückselige Gemeinschaft mit unserem Bräutigam genießen dürfen.

Dann werden wir vor Seinem Preisrichterstuhl auch das Lob empfangen für alle erduldeten Anfechtungen und allen treuen Dienst; zugleich wird unser Herr dadurch verherrlicht werden.

… damit die Bewährung eures Glaubens (der viel kostbarer ist als das vergängliche Gold, das doch durchs Feuer erprobt wird) Lob, Ehre und Herrlichkeit zur Folge habe bei der Offenbarung Jesu Christi. Ihn liebt ihr, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt; an ihn glaubt ihr, obgleich ihr ihn jetzt nicht seht, und über ihn werdet ihr euch jubelnd freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Endziel eures Glaubens davontragt, die Errettung der Seelen! (1Pt 1,7-9)

Die Entrückung ist ein Akt der Gnade; sie geschieht an allen, die dem Herrn Jesus angehören und wahrhaft wiedergeboren sind, um des Werkes Jesu Christi willen, nicht um unserer Werke willen. Die Entrückung bringt uns die unmittelbare Begegnung mit unserem Herrn; wir werden Ihn dann schauen.

Mit der Verherrlichung erst ist die Errettung unserer Seelen ganz vollendet, genau wie dann erst die Sohnesstellung und die Erlösung des Leibes vollendet ist (Röm 8,23).

 

 

2. Der erhöhte Sohn führt uns in die Himmelsherrlichkeit ein

 

Die Entrückung schafft nicht nur mit unserer Verwandlung und dem Empfang des Herrlichkeitsleibes die Voraussetzung für unseren Eingang in den Himmel, sie führt die Gläubigen in Christus auch ganz real in diese himmlischen Bereiche ein, in denen Gottes Gegenwart und Herrlichkeit wohnt.

In unserem Zustand im Fleisch hätten wir niemals in den Himmel und vor das Angesicht Gottes kommen können. Wir hätten keine vollkommene, ungehinderte Gemeinschaft mit unserem Herrn und Erlöser Jesus Christus haben können.

Unser Fleisch, unsere Existenz in diesem Leib der Sünde ist in vielfacher Hinsicht ein Hindernis für unseren geistlichen Menschen – es hindert uns durch seine Begierden und Sünden, durch seine Fixierung auf die äußerlich sichtbare und spürbare Welt, durch seine Vergänglichkeit und Todesverhaftetheit.

Der erste Mensch ist von der Erde, irdisch; der zweite Mensch ist der Herr aus dem Himmel. Wie der Irdische beschaffen ist, so sind auch die Irdischen; und wie der Himmlische beschaffen ist, so sind auch die Himmlischen. Und wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen. Das aber sage ich, Brüder, daß Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können; auch erbt das Verwesliche nicht die Unverweslichkeit. (1Kor 15,47-50)

So wird das, was wir dem Geist nach bereits sind, erst mit der Entrückung und Verwandlung bzw. Auferstehung offenbar. Nur mit dem neuen geistlichen Leib können wir in den Himmel eingehen, in den Raum der Geistwesen.

Dann erst sind wir passend gemacht für die herrliche Zukunft, die unser Herr Jesus uns in der ewigen, ungetrübten Gemeinschaft mit sich und dem Vater bereitet hat. So war es Sein Verlangen, wie wir im Johannesevangelium lesen:

Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. (Joh 17,24)

Dann ist unsere Hoffnung auf die künftige Herrlichkeit Gottes erfüllt, von der der Apostel Paulus bezeugt: „wir rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes“ (Röm 5,2). Von ihr spricht er auch in Röm 8,18: „Denn ich bin überzeugt, daß die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.“ Und im 2. Korintherbrief bekennt er:

Denn unsere Bedrängnis, die schnell vorübergehend und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, da wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare; denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. (2Kor 4,17-18)

 

Passend und tauglich gemacht für die Herrlichkeit

Erst in diesem verwandelten Herrlichkeitszustand können wir in den Himmel eingehen, um dort als würdige, dem Bräutigam angemessene Braut die Hochzeit des Lammes zu feiern.

Erst in diesem Herrlichkeitszustand können wir unseren Herrn und König begleiten, wenn Er vor der Welt offenbar wird, um Seine Königsherrschaft anzutreten. An unserer herrlichen Erlösung wird die Schöpfung erkennen, daß jetzt auch die Zeit ihrer Erlösung vom Fluch der Sünde gekommen ist.

Wir sind dann königliche Gehilfen und Mitregenten, heilige Priester, die wahrhaft und offenbar die Herrlichkeit unseres Herrn an uns tragen und vor der Welt ein strahlendes Zeugnis sein werden. Nur in diesem heiligen, vollkommenen Zustand können wir auch Macht ausüben und richten, ohne uns zu versündigen oder uns selbst zu gefährden, wie dies in unserem fleischlichen Zustand leider der Fall ist.

Diese Verwandlung macht uns zu leuchtenden, vollkommen geheiligten Gottesmenschen, die die Liebe, Gnade und Heiligkeit ihres Bräutigams und Erlösers ausstrahlen, wohin sie kommen.

Wir werden ungehinderte, ununterbrochene, glückselige Gemeinschaft mit Christus haben, was uns auf Erden ungeahnte Freuden und Glückseligkeiten verschafft: „über ihn werdet ihr euch jubelnd freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude …“ (1Pt 1,8-9).

Insofern ist es ein in direktes Zeugnis von der Entrückung vor der großen Drangsal, daß wir im Buch der Offenbarung zunächst in Kap. 1 bis 3 die Gemeinden auf der Erde in ihrer Verantwortlichkeit vor Christus sehen, dann aber in den Kapiteln 4 und 5 die verherrlichten Gläubigen, die durch die Entrückung verwandelt und in die Himmelsherrlichkeit eingegangen sind, in Gestalt der 24 Ältesten vor dem Thron Gottes sehen, bevor der Geist Gottes dann in den Kapiteln 6 bis 18 den Blick auf die Gerichte lenkt, die Gott über die Erde und alle, die auf ihr wohnen, verhängt hat.

Die 24 Ältesten symbolisieren nach dem Vorbild der 24 Ältesten der 24 Priesterabteilungen im AT (vgl. 1. Chronik 24) die Gesamtheit der entrückten und in den Himmel versetzten verherrlichten Gläubigen der Gemeinde. Die Gemeinde wird hier als königliches Priestervolk gesehen, das nun im Himmel den lebendigen Gott und das Lamm anbetet.

Die Ältesten tragen laut Offb 4,4 weiße Kleider (ein Symbol der zugerechneten Gerechtigkeit in Christus; vgl. Offb 19,8) und sie haben goldene Kronen (oder Siegeskränze; gr. stephanos) auf den Häuptern, d.h. sie haben vor dem Richterstuhl des Christus schon ihren Lohn empfangen (vgl. 1Kor 9,25; Phil 4,1; 1Thess 2,19; 2Tim 2,5; 4,8; Jak 1,12; Offb 2,10; 3,11).

Daß die 24 Ältesten die Erlösten der Gemeinde darstellen, zeigt ihr Bekenntnis in Offenbarung 5,8-10. Besonders deutlich wird dies im überlieferten Text, dem Textus Receptus, in dem die Ältesten von „uns“, von sich selbst als Gegenstand der Erlösung reden (vgl. Schlachter 2000, Luther 1545/1912, King James-Bibel):

Und als es das Buch nahm, fielen die vier lebendigen Wesen und die 24 Ältesten vor dem Lamm nieder, und sie hatten jeder eine Harfe und eine goldene Schale voll Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied, indem sie sprachen: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast uns für Gott erkauft mit deinem Blut aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen, und hast uns zu Königen und Priestern gemacht für unseren Gott, und wir werden herrschen auf Erden.

Das stimmt überein mit dem Bekenntnis des Apostels Johannes, der ebenfalls die Gläubigen der Gemeinde repräsentiert, wenn er bekennt:

Ihm, der uns geliebt hat und uns von unseren Sünden gewaschen hat durch sein Blut, und uns zu Königen und Priestern gemacht hat für seinen Gott und Vater – Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen (Offb 1,5-6)

Die 24 Ältesten sprechen für die Gesamtheit der Gemeinde, die durch das Blut des Lammes erkauft ist aus allen Völkern und Sprachen. Sie dienen nun Gott priesterlich im himmlischen Allerheiligsten und bringen Räucherwerk dar, während sich die Gerichte über die Erde ausbreiten.

Erst mit unserer Einführung in die Herrlichkeit wird der Ratschluß Gottes erfüllt, der uns zu dieser vollkommenen Gemeinschaft in der Himmelsherrlichkeit auserwählt hat: „… wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe“ (Eph 1,4).

Dann werden wir den „Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen“ (Eph 1,18) ganz erkennen und wertschätzen. Dann kommt die Zeit, in der Gott alle Seine Güte uns überströmend zuteil werden läßt, wie es Sein Verlangen ist: „… damit er in den kommenden Weltzeiten den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade in Güte an uns erweise in Christus Jesus“ (Eph 2,7).

Dann ist die „Hoffnung der Herrlichkeit“ erfüllt, die wir jetzt schon haben, weil „Christus in uns“ ist (Kol 1,27). Dann hat sich der Ratschluß Gottes erfüllt: „damit ihr die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangt“ (2Thess 2,14).

Dann ist erfüllt, daß der Vater, der Gott aller Gnade, der uns zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat in Christus Jesus (1Pt 5,10), nun auch durch Christus viele Söhne zur Herrlichkeit führt (Hebr 2,10). Dann ist der Zeitpunkt gekommen, daß wir in Tat und Wahrheit das wunderbare Erbe antreten dürfen, das schon heute für die Glaubenden bereitliegt:

Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns aufgrund seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel aufbewahrt wird für uns … (1Pt 1,3-4)

Dem aber, der mächtig genug ist, euch ohne Straucheln zu bewahren und euch unsträflich, mit Freuden vor das Angesicht seiner Herrlichkeit zu stellen, dem allein weisen Gott, unserem Retter, gebührt Herrlichkeit und Majestät, Macht und Herrschaft jetzt und in alle Ewigkeit! Amen. (Jud 1,24-25)

 

 

3. Der himmlische Bräutigam holt Seine Braut zu sich

 

Wenn wir das Kommen des Herrn für Seine Gemeinde studieren, dann wird offenbar, daß es von seinem ganzen Wesen her etwas ganz anderes ist als das Kommen des Herrn für die Welt als Richter und Herrscher. Für die Welt kommt Er zum Gericht, für uns aber kommt Er zum Heil; Er wird „zum zweitenmal denen erscheinen, die auf ihn warten, nicht wegen der Sünde, sondern zum Heil“ (Hebr 9,27-28).

 

Der herrliche Bräutigam und Seine Liebe für die Brautgemeinde

Für die Gemeinde kommt der Herr als der gnädige Erlöser, als das verherrlichte Haupt des Leibes und besonders als der liebende Bräutigam (vgl. Eph 5,25-32; 2Kor 11,2), der die langersehnte Braut zu sich ins himmlische Vaterhaus holt. Die Schrift bezeugt, daß die Gemeinde die heilige Braut des herrlichen Sohnes Gottes ist, der sie herzlich liebt und für sie einen hohen, teuren Brautpreis bezahlt hat:

Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau Christus zuzuführen. (2Kor 11,2)

Ihr Männer, liebt eure Frauen, gleichwie auch der Christus die Gemeinde geliebt hat und sich selbst für sie hingegeben hat, damit er sie heilige, nachdem er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort, damit er sie sich selbst darstelle als eine Gemeinde, die herrlich sei, so daß sie weder Flecken noch Runzeln noch etwas ähnliches habe, sondern daß sie heilig und tadellos sei. (…)

»Deshalb wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein«. Dieses Geheimnis ist groß; ich aber deute es auf Christus und auf die Gemeinde. (Eph 5,25-32)

Mit der Entrückung ist die glückselige Zeit gekommen, da der himmlische Bräutigam Seine teuer erworbene Braut in die von Ihm selbst bereiteten herrlichen Gemächer des himmlischen Vaterhauses einführt, wo nun ihr Ruheort sein darf:

Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin. (Joh 14,1-3)

Einige Ausleger haben diese Äußerung unseres Herrn in Verbindung gebracht mit den damals schon geltenden jüdischen Heiratsgebräuchen, die den Zuhörern des Herrn gut vertraut waren. Nach diesen Gebräuchen erfolgt zuerst die Verlobung des Brautpaares; der Bräutigam reist vom Haus seines Vaters zu dem der Braut; er bezahlt den Brautpreis und schließt damit den Heiratsvertrag, was die Ehe rechtsgültig macht. Dann kehrt er zum Haus seines Vaters zurück und bereitet dort (oft zwölf Monate lang) eine Wohnung (ein spezielles Haus) für die Hochzeit zu.

Wenn der Vater des Bräutigams es gestattet, kommt der Bräutigam dann an einem der Braut unbekannten Tag, um sie zu sich zu holen. Die Braut wartet sehnsüchtig auf diesen Tag und hält eine Öllampe bereit, falls der Bräutigam nachts kommt. Der Bräutigam bringt die Braut zum Haus seines Vaters zurück, um die Ehe zu vollziehen. Danach findet eine Hochzeitsfeier mit Festmahl statt.

Wie auch immer der Bezug zu diesen Bräuchen beurteilt werden mag – er paßt jedenfalls recht gut zu dem, was der Herr den Jüngern mitteilte, und er würde bedeuten, daß der Herr in Johannes 14 die Heimholung Seiner Brautgemeinde ankündigte.

 

Jubelnde Freude – Die Begegnung der Braut mit dem Bräutigam

Bei der Wiederkunft des Herrn Jesus Christus für die Gemeinde geht es also um „unsere Vereinigung mit ihm“ (2Thess 2,1). Wir werden Ihn, den herrlichen König und Bräutigam, „sehen, wie Er ist“ (1Joh 3,2). Seine Herrlichkeit deutet der wunderbare Psalm 45 an:

Mein Herz fließt über mit einem lieblichen Lied. Ich sage: Meine Gedichte sind für den König bestimmt, meine Zunge ist der Griffel eines gewandten Schreibers. Du bist schöner als die Menschenkinder; Gnade ist ausgegossen über deine Lippen; darum hat Gott dich gesegnet auf ewig. Gürte dein Schwert an die Seite, du Held, deine Majestät und deine Pracht! In deiner Pracht fahre siegreich einher für die Sache der Wahrheit, der Sanftmut und Gerechtigkeit, und deine Rechte lehre dich furchterregende Taten!

Deine Pfeile sind scharf, sie unterwerfen dir die Völker; sie dringen ins Herz der Feinde des Königs. Dein Thron, o Gott, bleibt immer und ewig; das Zepter deines Reiches ist ein Zepter des Rechts! Du liebst die Gerechtigkeit und haßt die Gesetzlosigkeit, darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl, mehr als deine Gefährten. Nach Myrrhe, Aloe und Kassia duften deine Kleider; Saitenspiel erfreut dich aus Palästen von Elfenbein. Königstöchter stehen in deinem Schmuck, die Gemahlin zu deiner Rechten in Gold von Ophir. (Ps 45,2-10)

Das wird eine glückselige, überaus herrliche und innige Zeit der Begegnung und Vereinigung von Bräutigam und Braut sein, auf die der Bräutigam schon so lange gewartet hat, und auf den auch die Braut sehnsüchtig warten sollte.

Dann werdet ihr euch jubelnd freuen, die ihr jetzt eine kurze Zeit, wenn es sein muß, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, damit die Bewährung eures Glaubens (der viel kostbarer ist als das vergängliche Gold, das doch durchs Feuer erprobt wird) Lob, Ehre und Herrlichkeit zur Folge habe bei der Offenbarung Jesu Christi. Ihn liebt ihr, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt; an ihn glaubt ihr, obgleich ihr ihn jetzt nicht seht, und über ihn werdet ihr euch jubelnd freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Endziel eures Glaubens davontragt, die Errettung der Seelen! (1Pt 1,6-9)

… sondern in dem Maß, wie ihr Anteil habt an den Leiden des Christus, freut euch, damit ihr euch auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit jubelnd freuen könnt. (1Pt 4,13)

Die jubelnde Freude wird uns in dem Augenblick erfüllen, wenn der Bräutigam sich der Braut in Seiner Herrlichkeit offenbart, das heißt bei Ihrer Entrückung in die Himmelswelt. Doch das dürfen wir uns schon heute immer wieder bewußt machen und darüber nachsinnen.

Der Herr aber ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn. (2Kor 3,17-18)

Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten, er hat es auch in unseren Herzen licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi. (2Kor 4,6)

Die Herrlichkeit des Sohnes Gottes – sie äußert sich zum einen in Seinem göttlichen Lichtglanz, in Seiner Allmacht und Erhabenheit, Seiner unbegrenzten Weisheit und Erkenntnis; Er ist Gott von Wesen, der Abglanz und Ausdruck der unermeßlichen Herrlichkeit des ewigen Vaters; Er ist rein und heilig, vollkommen und gerecht in allem. Er ist der ehrfurchtgebietende Richter, der Herrscher, dem alles dient und zu Willen ist.

Dieser ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene, der über aller Schöpfung ist. Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; und er ist vor allem, und alles hat seinen Bestand in ihm. Und er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde, er, der der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem der Erste sei. Denn es gefiel [Gott], in ihm alle Fülle wohnen zu lassen … (Kol 1,15-19)

Dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens und trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft; er hat sich, nachdem er die Reinigung von unseren Sünden durch sich selbst vollbracht hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt. Und er ist um so viel erhabener geworden als die Engel, als der Name, den er geerbt hat, ihn auszeichnet vor ihnen. (Hebr 1,3-4)

Sie äußert sich aber auch in der wunderbaren Demut und freiwilligen Hingabe und Selbsterniedrigung, die der Herr um unseretwillen auf sich nahm, in Seiner Sanftmut, Seinem Erbarmen, Seiner grenzenlosen Liebe. Er ist der Sanftmütige und von Herzen Demütige; er ist der barmherzige Hohepriester, der Mitleid mit unseren Schwachheiten hat; Er ist der gute Hirte, der sich ganz hingegeben hat für Seine verirrten Schafe.

Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über allen Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. (Phil 2,5-11)

All das und noch viel mehr, das wir heute nur unvollkommen und verhüllt sehen, werden wir dann unverhüllt und in strahlendem Lichtglanz an unserem Herrn und Bräutigam wahrnehmen, und wir werden Ihn hingerissen anbeten und uns über Ihn jubelnd freuen.

 

Himmlische Gemeinschaft mit dem Bräutigam

Die jubelnde Freude, von welcher der Apostel Petrus schreibt, wird uns gewiß nicht verlassen, wenn wir mit dem Christus vor der Welt offenbar werden, aber das ist bei ihm erkennbar nicht der Gedanke. Im Augenblick der Entrückung wird vollendet und erfüllt, was uns der Apostel Paulus von dem Werk des himmlischen Bräutigams für Seine Brautgemeinde berichtet: „… damit er sie sich selbst darstelle als eine Gemeinde, die herrlich sei, so daß sie weder Flecken noch Runzeln noch etwas ähnliches habe, sondern daß sie heilig und tadellos sei“ (Eph 5,25-27).

Darauf folgt eine Zeit der Reinigung und Zubereitung der Braut für die Hochzeit; das steht mit dem Preisgericht des Christus in Verbindung. Die Hochzeit im Himmel erfolgt vor der Wiederkunft des Messias in Macht und Herrlichkeit auf die Erde, wie uns das Buch der Offenbarung im 19. Kapitel bezeugt:

Laßt uns fröhlich sein und jubeln und ihm die Ehre geben! Denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereit gemacht. Und es wurde ihr gegeben, sich in feine Leinwand zu kleiden, rein und glänzend; denn die feine Leinwand ist die Gerechtigkeit der Heiligen. Und er sprach zu mir: Schreibe: Glückselig sind die, welche zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind! Und er sprach zu mir: Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes! (Offb 19,7-9)

Es ist wahrscheinlich, ja fast sicher, daß es schon im Himmel eine herrliche Hochzeitsfeier geben wird; gewiß werden Bräutigam und Braut die glückselige Vereinigung freudig genießen und feiern, und das nicht nur für eine knapp bemessene Zeit.

Wie seltsam erscheint die Vorstellung, daß all das nur ein kurzes, Augenblicke oder Tage dauerndes Vorspiel für die tausend Jahre Gericht und Regieren auf der Erde sein soll! Gewiß wird sich der liebende Herr eine beträchtliche Zeit lassen, um die Gemeinschaft mit Seiner verherrlichten Braut zu genießen, bevor Er mit ihr in die blutigen Kämpfe des Weltgerichts geht.

Es ist durchaus wahrscheinlich, daß es später auch noch einmal auf der Erde eine Hochzeitsfeier geben wird, wo dann auch die gläubiggewordenen Juden und Heiden, die zum Reich des Messias eingegangen sind, teilhaben werden. Es ist jedenfalls interessant, daß der Herr sich in Lukas 12 als Bräutigam darstellt, der von der vollzogenen Hochzeit (mit der Gemeinde im Himmel) aus zu seinen Knechten (den Juden auf der Erde) zurückkommt und erwartet, daß diese ihn wachend erwarten (Lk 12,35-38).

Es ist auch bezeichnend, daß der Herr in dem berühmten Gleichnis von den zehn Jungfrauen (Mt 25,1-13) offenkundig von der schon vollzogenen Hochzeit mit seiner Braut kommt, um zum danach stattfindenden Hochzeitsmal einzuladen; die zehn Jungfrauen sind jedenfalls nicht die Braut, sondern nur Gäste bei der Hochzeit.

Dazu paßt auch, daß der Herr in einer Gleichnisrede sich selbst als Bräutigam bezeichnet, seine jüdischen Jünger aber nicht als Braut anspricht, sondern als Hochzeitsgäste: „Können die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten“ (Mk 2,19; Mt 9,15).

Dasselbe Bild finden wir bei dem berühmten Gleichnis vom König und dem Hochzeitsmahl (Mt 22,2-14). Hier ist von einem Hochzeitsmahl auf Erden die Rede, zu dem offenkundig die Bekehrten aus der Drangsal geladen sind, während viele ungläubige Juden ausgeschlossen bleiben. Jüdische und heidnische Bekehrte werden als Gäste dargestellt; wer aber ist die Braut? Unsere Antwort ist: die Gemeinde, die schon im Himmel die Vereinigung mit dem Bräutigam erlebte und nun mit Ihm auf der Erde ein Hochzeitsfest feiert.

Wie auch immer wie die Einzelheiten deuten wollen – wir können hier nicht dogmatisch sein und müssen manches in der Schwebe lassen – auf jeden Fall bleibt die Wahrheit bestehen: „Glückselig sind die, welche zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind!“ (Offb 19,9).

 

 

4. Der Herr kommt für Seine Knechte

 

Ein oft weniger beachteter Aspekt der Entrückung besteht darin, daß der Herr der Gemeinde nach einer langen Zeit der Abwesenheit kommt, um Seine Knechte und Mägde zu sich zu berufen (vgl. auch Jak 5,7-9). Ihr Dienst im Fleisch, in Niedrigkeit und Anfechtung auf der Erde ist nun beendet; sie stehen vor dem Vorrecht, in den höheren Dienst der Herrlichkeit berufen zu werden, in dem sie als Könige und Priester in moralischer Vollkommenheit im Himmel und auf Erden vor Gott stehen und Ihm dienen zu Seiner Verherrlichung.

Bevor dieser Dienst beginnen kann, bevor sie Menschen und Engel richten und Gott im Geist im himmlischen Heiligtum anbeten können, müssen sie erst in einem besonderen Tag der Rechenschaftslegung vor ihrem Herrn Bilanz ihres irdischen Dienstes ziehen.

Dieser oft „Tag des Herrn Jesus Christus“ genannte Tag der Rechenschaftslegung der Gläubigen ist nicht dasselbe wie die Entrückung, aber er schließt sich unmittelbar daran an und bildet in gewisser Weise einen Vorspann zu dem großen Gerichtstag des Herrn auf der Erde, denn zuerst muß das Haus Gottes gerichtet werden, bevor die Welt gerichtet wird (vgl. 1Pt 4,17).

Dieser Tag der Rechenschaftslegung scheint in der Verborgenheit des Himmels, nach der Entrückung der Gemeinde, stattzufinden. An ihm wird der Herr selbst den Dienst Seiner Knechte beurteilen. An verschiedenen Bibelstellen wird sein Kommen für die Gläubigen mit dieser Stunde der Rechenschaft vor dem Preisgericht in Verbindung gebracht:

Darum richtet nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das im Finstern Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbar machen wird; und dann wird jedem das Lob von Gott zuteil werden. (1Kor 4,5)

Und siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, um einem jeden so zu vergelten, wie sein Werk sein wird. (Offb 22,12)

Von nun an liegt für mich die Krone der Gerechtigkeit bereit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag zuerkennen wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebgewonnen haben. (2Tim 4,8)

Alles, was im Glauben, im Gehorsam, im Geist, in der rechten Haltung zu Seiner Ehre getan wurde, wird mit Lob und Ehre und gewissen Privilegien belohnt werden, die sich auch auf den vor ihnen liegenden Dienst im Reich des Messias beziehen.

Was aber im Fleisch, in Eigenwillen, aus Selbstsucht oder anderen unguten Motiven getan wurde, das wird verbrennen und Tadel hervorrufen (1Kor 3,12-15). Hierbei geht es nicht um die ewig Errettung oder Verdammnis; vor diesem Preisrichterstuhl werden nur begnadigte und Errettete erscheinen, wenn auch manche Schaden erleiden und „errettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch“ (1Kor 3,15).

Der Herr aber will die Seinen bewahren und durchtragen, damit sie an diesem Tag untadelig sein können und Lob empfangen; dafür haben wir mehrere Verheißungen:

… wie denn das Zeugnis von Christus in euch gefestigt worden ist, so daß ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gnadengabe, während ihr die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus erwartet, der euch auch fest machen wird bis ans Ende, so daß ihr unverklagbar seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus. Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn. (1Kor 1,6-9)

Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer ganzes [Wesen], der Geist, die Seele und der Leib, möge untadelig bewahrt werden bei der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus! (1Thess 5,23)

Und nun, Kinder, bleibt in ihm, damit wir Freimütigkeit haben, wenn er erscheint, und uns nicht schämen müssen vor ihm bei seiner Wiederkunft. (1Joh 2,28)

So wartet nun geduldig, ihr Brüder, bis zur Wiederkunft des Herrn! Siehe, der Landmann wartet auf die köstliche Frucht der Erde und geduldet sich ihretwegen, bis sie den Früh- und Spätregen empfangen hat. So wartet auch ihr geduldig; stärkt eure Herzen, denn die Wiederkunft des Herrn ist nahe! Seufzt nicht gegeneinander, Brüder, damit ihr nicht verurteilt werdet; siehe, der Richter steht vor der Tür! (Jak 5,7-9)

Unser Herr hat Seine Jünger, als Er auf der Erde war, auf diesen Gesichtspunkt in zahlreichen Gleichnissen hingewiesen:

Darum seid auch ihr bereit! Denn der Sohn des Menschen kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht meint. Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über seine Dienerschaft gesetzt hat, damit er ihnen die Speise gibt zur rechten Zeit? Glückselig ist jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird. Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.

Wenn aber jener böse Knecht in seinem Herzen spricht: Mein Herr säumt zu kommen! und anfängt, die Mitknechte zu schlagen und mit den Schlemmern zu essen und zu trinken, so wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, da er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn entzweihauen und ihm seinen Teil mit den Heuchlern geben. Da wird das Heulen und Zähneknirschen sein. (Mt 24,44-51)

Diese Gleichnisse sprechen sowohl die Rechenschaft der jüdischen Messiasjünger zur Zeit der Drangsal an als auch die Rechenschaftslegung der Gläubigen der Gemeindezeit; beide sind ihrem Herrn Rechenschaft schuldig; beide werden nach denselben Grundsätzen beurteilt. So finden auch andere bekannte Gleichnisse wie das von den Talenten (Mt 25,14-30) auf beide Anwendung.

 

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der ESRA-Broschüre Den Herrn erwarten. Die biblische Lehre von der Entrückung der Gemeinde.

 

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