Das Kommen des Herrn Jesus Christus
zur Entrückung der Gemeinde

 

Rudolf Ebertshäuser

 

 

Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin. (Joh 14,1-3; vgl. 14,28)

Ich will euch aber, Brüder, nicht in Unwissenheit lassen über die Entschlafenen, damit ihr nicht traurig seid wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die Entschlafenen durch Jesus mit ihm führen. Denn das sagen wir euch in einem Wort des Herrn: Wir, die wir leben und bis zur Wiederkunft des Herrn übrigbleiben, werden den Entschlafenen nicht zuvorkommen; denn der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zusammen mit ihnen entrückt werden in Wolken, zur Begegnung mit dem Herrn, in die Luft, und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet nun einander mit diesen Worten! (1Thess 4,13-18)

Und so gewiß es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht, so wird der Christus, nachdem er sich einmal zum Opfer dargebracht hat, um die Sünden vieler auf sich zu nehmen, zum zweitenmal denen erscheinen, die auf ihn warten, nicht wegen der Sünde, sondern zum Heil. (Hebr 9,27-28)

 

Wir haben schon gesehen: Bevor der Messias mit der verherrlichten Brautgemeinde als König und Richter auf der Erde offenbar werden kann, muß diese Brautgemeinde zunächst von der Erde in den Himmel heraufgeholt und zubereitet werden. Das ergibt sich notwendigerweise aus den Aussagen des Neuen Testaments. Das Kommen des Herrn Jesus Christus zur Heimholung Seiner Braut muß also auf jeden Fall vor dem Kommen auf die Erde erfolgen, doch es gibt unter gläubigen Christen unterschiedliche Auffassungen darüber, wann diese Entrückung geschehen wird.

 

Wo finden wir die biblische Lehre von der Entrückung der Gemeinde?

Die Lehre von der Entrückung der Gemeinde finden wir nicht überall im Neuen Testament gleich ausführlich und deutlich bezeugt. Sie gehört zu den Ratschlüssen Gottes in bezug auf die Gemeinde, die den Jüngern vor Pfingsten noch unverständlich waren und deshalb in den Evangelien nur andeutungsweise geoffenbart wurden, so wie der Herr es den Jüngern erklärte:

Noch vieles hätte ich euch zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.“ (Joh 16,12-13)

Deshalb finden wir in den drei ersten Evangelien nur Andeutungen der Entrückung bzw. Gleichnisse, die beide Kommen des Herrn zugleich ansprechen. Im Johannesevangelium, das besonders die Lehren des Herrn aufzeichnet, die für die Gemeinde bedeutsam sind, finden wir die erste klare Verheißung der Entrückung in Joh 14,3: „Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin“.

In der Apostelgeschichte, die sich vor allem mit der Ausbreitung des Evangeliums in der damaligen Welt befaßt, finden wir nur in Apg 1,11 eine Andeutung in bezug auf die Entrückung: So wie allein die Jünger den Herrn sahen, wie Er in Wolken aufgenommen wurde in den Himmel, so würden Ihn die Gläubigen wiederkommen sehen.

In den Briefen des NT finden wir die entscheidenden Lehraussagen in bezug auf die Entrückung der Gemeinde. Das ist auch zu erwarten, weil die Gemeinde als Geheimnis in Gottes Ratschlüssen erst dem Apostel Paulus ausführlich geoffenbart wurde (Eph 3,1-11). Es ist daher auch nicht verwunderlich, daß besonders dieser Apostel uns über die Entrückung belehrt.

In dem ausführlichsten Lehrtext über die Entrückung der Gemeinde in 1Thess 4,13-18 zeigt der Apostel, daß der Herr vom Himmel her kommen wird, um die Seinen zu sich in den Himmel zu holen. Das ist verbunden mit der Verwandlung bzw. Auferweckung aller an Christus Gläubigen; dieser Aspekt wird in 1Kor 15,23.35-56 ausführlich gelehrt und in Phil 3,20-21 nochmals bestätigt.

Daneben finden sich noch zahlreiche weitere Aussagen über das Kommen des Christus als Herr und Retter für die Seinen (im Gegensatz zum Kommen als König für die Welt). Wichtige Aussagen z.B. in 1Thess 1,10, 1Kor 1,7 und Tit 2,13 zeigen, daß die Gläubigen von Paulus (und damit vom Herrn selbst) gelehrt wurden, das Kommen und die Offenbarung des Christus jederzeit und beständig zu erwarten.

Eine ganze Reihe von Aussagen stellt den Gläubigen das Kommen des Herrn als Richter der Seinen vor Augen und spielt dabei auf das mit der Entrückung verbundene Preisgericht des Herrn über die Gläubigen an (vgl. u.a. Mt 24,44-51; 1Kor 1,6-9; 4,5; 1Thess 2,19; 3,13; 5,23; Jak 5,7-9; Offb 22,12). Im 2. Thessalonicherbrief zeigt der Apostel den Gläubigen den Unterschied zwischen dem Kommen des Herrn zum Gericht („Tag des Christus“ = Tag des Herrn) und dem Kommen des Herrn zur Vereinigung der Seinen mit Ihm (2Thess 2,1) – ein Schlüsseltext, der uns noch beschäftigen wird.

Auch die übrigen Briefe des NT geben Zeugnis von der Entrückung, wenn auch teilweise indirekt. Im Hebräerbrief (den ich zu den Paulusbriefen zähle) finden wir eine klare Verheißung über die Wiederkunft des Herrn für die Seinen in Hebr 9,28; weitere, auch auf die Entrückung bezogene Aussagen finden sich in Hebr 10,35-37.

In Jak 5,7-9 wird das geduldige, beständige Erwarten der Wiederkunft des Herrn betont. Der Apostel Petrus erwähnt mehrfach die Hoffnung der Gläubigen auf die Offenbarung des Herrn in der Entrückung (vgl. 1Pt 1,3-9.13; 4,13; 5,4). Ganz wichtig ist das Zeugnis des Apostels Johannes in 1Joh 2,28 – 3,3, wo die Verantwortung der Gläubigen zu einem heiligen Wandel betont wird. In Jud 1,21.24 wird ebenfalls auf die Entrückung angespielt.

Das Buch der Offenbarung erwähnt die Entrückung der Gemeinde nicht ausdrücklich, denn es ist ein Buch des Gerichts, das die Gemeinden auf der Erde in erster Linie im Hinblick auf die Verantwortung vor Gott sieht.

Dennoch finden sich deutliche Hinweise auf die Entrückung in der Betonung des baldigen, plötzlichen Kommens des Herrn (Offb 1,8*; 3,11; 4,8*; 22,7.12.20), in der ermutigenden Botschaft des Herrn an Philadelphia (Offb 3,10-11), sowie in den 24 Ältesten in Offenbarung 4 und 5, die bezeugen, daß die verherrlichte Gemeinde, die sie symbolisch repräsentieren, im Himmel ist, bevor die Gerichte Gottes die große Drangsal auf der Erde einleiten. Die Hochzeit des Lammes in Offb 19,7-9 setzt die zuvor geschehene Entrückung samt Preisgericht voraus.

 

Die Schrift selbst unterscheidet zwischen der Entrückung und der Wiederkunft für die Welt

Das Kommen des Christus zur Entrückung ist inhaltlich klar von dem Kommen als König unterschieden, das beweisen die entsprechenden Schriftstellen. Wann immer von der Entrückung die Rede ist, wird uns die Vollendung des Heils für die Gläubigen der Gemeinde vor Augen gestellt; wenn von dem Kommen als König die Rede ist, wird von der Errettung Israels, vom Gericht über die Heidenvölker und von der Aufrichtung des Königreiches auf der Erde gesprochen.

In 2.Thessalonicher 2 wird das Kommen des Christus für Seine Gemeinde ausdrücklich vom Kommen des Herrn als Richter unterschieden, wenn man diesen Schriftabschnitt sorgfältig und zusammenhängend auslegt. Zunächst wird vom Kommen in Macht gesprochen, von der „Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht“ (2Thess 1,7), die in Zusammenhang steht mit dem Gericht und der Vergeltung sowie dem Reich Gottes (2Thess 1,5-6); es wird gezeigt, daß dieses schreckliche Kommen in Gericht und Feuer über die Gottlosen die Gemeinde nicht trifft, die dann bereits Ruhe genießt und zusammen mit dem Herrn auf der Erde bewundert wird (2Thess 1,10).

Dann zeigt der Apostel, daß die Thessalonicher im Irrtum waren, als sie von falschen Lehrern die Botschaft annahmen, dieser schreckliche Gerichtstag des Christus sei schon angebrochen und sie hätten „die Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus“ und „unsere Vereinigung mit ihm“ nicht erleben dürfen, sondern seien den Zorngerichten des Tages des HERRN ausgesetzt (was die Schwere ihrer Verfolgungen nahezulegen schien).

Dieser schreckliche Gerichtstag des Herrn, der hier laut Textus Receptus völlig zu recht als „Tag des Christus“ bezeichnet wird, weil ja Christus der HERR als König und Richter ist, konnte noch gar nicht gekommen sein; dieser Tag war nämlich im Gegensatz zur Entrückung von bestimmten geschichtlichen Ereignissen abhängig.

Die Vereinigung der Gemeinde mit Christus mußte zuvor geschehen sein, da sie ja mit Christus als Richter offenbar werden würden; das Kommen als Richter aber war erst möglich, nachdem der, welcher jetzt zurückhält, nämlich die Gemeinde, aus dem Weg war (2Thess 2,7-8). Dann würde zunächst der Abfall der christuslosen Namenschristenheit kommen, und es würde der Antichristus offenbart werden, der Mensch der Sünde (2Thess 2,3-4).

Erst auf dem schaurigen Höhepunkt seiner Anmaßung würde dann der Herr Jesus in Macht und Herrlichkeit kommen und diesen Gesetzlosen töten:

Denn das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon am Wirken, nur muß der, welcher jetzt zurückhält, erst aus dem Weg sein; und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr verzehren wird durch den Hauch seines Mundes, und den er durch die Erscheinung seiner Wiederkunft beseitigen wird … (2Thess 2,7-8)

An diesem ernsten Gerichtstag des Herrn hat die Gemeinde keinen Anteil, das hatte der Apostel den Thessalonichern ja schon in seinem ersten Brief geschrieben:

Denn sie selbst erzählen von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen, und um seinen Sohn aus dem Himmel zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns errettet vor dem zukünftigen Zorn. (1Thess 1,9-10)

Deshalb betont er in seinem zweiten Brief noch einmal, daß die Gläubigen nicht in die Gerichte kommen, die anläßlich der antichristlichen Drangsal auftreten:

Wir aber sind es Gott schuldig, allezeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder, daß Gott euch von Anfang an zur Errettung erwählt hat in der Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit, wozu er euch berufen hat durch unser Evangelium, damit ihr die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangt. So steht denn nun fest, ihr Brüder, und haltet fest an den Überlieferungen, die ihr gelehrt worden seid, sei es durch ein Wort oder durch einen Brief von uns. Er selbst aber, unser Herr Jesus Christus, und unser Gott und Vater, der uns geliebt hat und uns einen ewigen Trost und eine gute Hoffnung gegeben hat durch Gnade, er tröste eure Herzen und stärke euch in jedem guten Wort und Werk! (2Thess 2,13-17)

Die Hoffnung, von der Paulus spricht, ist eben die Entrückung vor der großen Drangsal. Auf sie bezieht er sich auch noch einmal in 2Thess 3,5: „Der Herr aber lenke eure Herzen zu der Liebe zu Gott und zum standhaften Ausharren auf Christus!“ (eigene Übersetzung). Sie sollten standhaft den wiederkommenden Herrn erwarten, anstatt sich durch Sorgen und falsche Lehren verwirren zu lassen. Diesen Ratschlag sollten auch wir heute beherzigen.

 

 

a. Die Entrückung als Hoffnung der Gemeinde: 1. Thessalonicher 4

 

Der schon oben angeführte Abschnitt aus 1. Thessalonicher 4 enthält die ausführlichste Lehre über die Entrückung der Gemeinde im NT; wir wollen ihn uns noch einmal vor Augen führen und genauer erklären.

13  Ich will euch aber, Brüder, nicht in Unwissenheit lassen über die Entschlafenen, damit ihr nicht traurig seid wie die anderen, die keine Hoffnung haben.   14  Denn wenn wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die Entschlafenen durch Jesus mit ihm führen.   15  Denn das sagen wir euch in einem Wort des Herrn: Wir, die wir leben und bis zur Wiederkunft des Herrn übrigbleiben, werden den Entschlafenen nicht zuvorkommen;   16  denn der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen.   17  Danach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zusammen mit ihnen entrückt werden in Wolken, zur Begegnung mit dem Herrn, in die Luft, und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.   18  So tröstet nun einander mit diesen Worten! (1Thess 4,13-18)

 

Verwirrung über die Hoffnung der Gläubigen

Der Apostel hatte die Thessalonicher schon während seines kurzen Aufenthalts in der Stadt über diese Fragen belehrt; sie erwarteten das jederzeitige Kommen ihres Herrn aus dem Himmel (1Thess 1,9), aber sie waren offenkundig noch nicht zu einem klaren Verständnis in dieser Frage gekommen.

Einige Gläubige aus Thessalonich, das zeigt Vers 13, hatten Sorge, daß ihre Glaubensgeschwister, die in der Zwischenzeit gestorben waren, an der Entrückung keinen Anteil haben könnten und deshalb einen schlimmen Verlust erlitten hätten. Offenkundig hatte der Apostel ihnen so eindrücklich ans Herz gelegt, den Herrn jederzeit zu erwarten, daß sie mit der Möglichkeit eines Abscheidens von Gläubigen vor diesem Ereignis gar nicht rechneten. Heute ist es bei vielen Gläubigen leider umgekehrt …

An der ausführlichen Antwort des Apostels sehen wir, wie wichtig es unserem Gott und Herrn ist, daß wir eine gewisse und feste Hoffnung haben (vgl. Röm 5,1-11). Ohne diese Hoffnung sind wir in Gefahr, verwirrt und mutlos zu werden. Deshalb versucht der Satan auch immer wieder, auf verschiedene Weise uns diese Hoffnung zu rauben oder zu verdunkeln.

Die Hoffnung der jungen Gläubigen in Thessalonich war der wiederkommende Herr und die Aussicht, bei Ihm sein zu dürfen. Die Frage nach dem Geschick ihrer verstorbenen Mitgläubigen verunsicherte sie in ihrer lebendigen Hoffnung, und Gott tut alles, um sie in ihrer Hoffnung neu zu bestärken.

Deshalb zeigt ihnen der Apostel Paulus in Vers 14: So sicher, wie der Glaube an dem Kreuzestod und die Auferstehung des Herrn war, so sicher durften sie auch glauben, daß die verstorbenen Gläubigen nicht im Paradies blieben, wenn der Herr aus dem Himmel kommen würde, um die lebenden Gläubigen zu sich zu holen. Vielleicht hatten manche die Sorge, diese Verstorbenen könnten erst nach dem messianischen Reich auferweckt werden.

Der Apostel offenbart den Thessalonichern nun, daß der wiederkommende Herr bei der Entrückung der Gemeinde die Seelen der Entschlafenen mit sich bringen wird, damit auch sie auferstehen und ihren Herrlichkeitsleib empfangen können.

 

Die Auferweckung der Entschlafenen und die Entrückung der Gemeinde

Der Apostel gibt ihnen dann in Vers 15-17 eine ausdrückliche Offenbarung des erhöhten Herrn weiter. Bevor die lebenden Gläubigen entrückt würden, würden zuerst die verstorbenen Gläubigen („die Entschlafenen“) auferweckt werden. Die Formulierung in V. 15: „Wir, die wir leben und bis zur Wiederkunft des Herrn übrigbleiben“ beweist, daß der Apostel die Hoffnung hatte, zusammen mit den Thessalonichern im 1. Jahrhundert die Entrückung und Verwandlung persönlich zu erleben.

Im 1. Thessalonicherbrief geht der Apostel nicht ausdrücklich darauf ein, daß diese Auferweckung in der Weise geschieht, daß die Gläubigen einen neuen Herrlichkeitsleib bekommen. Er erwähnt auch nicht ausdrücklich, daß auch die Lebenden verwandelt und mit demselben Herrlichkeitsleib überkleidet werden müssen, wenn sie dem Herrn begegnen sollen.

Das hatte er die Thessalonicher sicherlich bereits gelehrt, und es war für alle Gläubigen gewiß selbstverständlich, denn die Bibel bezeugt immer wieder, daß wir in unserem sündigen Leib nicht Gottes Herrlichkeit schauen und auch nicht in den Himmel kommen können. Die genaue Lehre darüber vermittelt uns der 1. Korintherbrief:

So ist es auch mit der Auferstehung der Toten: Es wird gesät in Verweslichkeit und auferweckt in Unverweslichkeit; es wird gesät in Unehre und wird auferweckt in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit und wird auferweckt in Kraft; es wird gesät ein natürlicher Leib, und es wird auferweckt ein geistlicher Leib. Es gibt einen natürlichen Leib, und es gibt einen geistlichen Leib.

So steht auch geschrieben: Der erste Mensch, Adam, »wurde zu einer lebendigen Seele«; der letzte Adam zu einem lebendigmachenden Geist. Aber nicht das Geistliche ist das erste, sondern das Natürliche, danach [kommt] das Geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde, irdisch; der zweite Mensch ist der Herr aus dem Himmel. Wie der Irdische beschaffen ist, so sind auch die Irdischen; und wie der Himmlische beschaffen ist, so sind auch die Himmlischen. Und wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen.

Das aber sage ich, Brüder, daß Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können; auch erbt das Verwesliche nicht die Unverweslichkeit. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune; denn die Posaune wird erschallen, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden. (1Kor 15,42-51)

Auch hier sehen wir wieder: der Apostel hatte die Hoffnung, daß er selbst diese Verwandlung noch erleben könnte: „und wir werden verwandelt werden“. Daß diese Verwandlung beim Kommen des Herrn zur Entrückung erfolgt, wird uns durch den Philipperbrief bestätigt:

Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird, so daß er gleichförmig wird seinem Leib der Herrlichkeit, vermöge der Kraft, durch die er sich selbst auch alles unterwerfen kann. (Phil 3,20-21)

Erst diese drei Bibelstellen zusammengenommen ergeben ein klares Bild von dem, was bei der Entrückung geschieht. Das ist typisch für die Art und Weise, wie wir in der Bibel Lehre vermittelt bekommen; im Regelfall ist es nötig, mehrere an unterschiedlicher Stelle gefundene biblische Aussagen zusammenzustellen und miteinander zu vergleichen, die sich gegenseitig ergänzen und erklären. Wenn wir nicht so vorgehen, dann kommen wir zu falschen, einseitigen Schlußfolgerungen.

Die hier gegebene neue Offenbarung zeigt uns, wie wichtig es unserem Gott ist, bei der Entrückung die vollständige Brautgemeinde versammelt zu haben. Wenn der Bräutigam kommt, um die Braut zu sich zu holen, dann darf kein Glied dieses wunderbaren Leibes des Christus fehlen, dann muß die gesamte Brautgemeinde vollständig, vollkommen gemacht und völlig einsgemacht vor Gott und vor ihrem Bräutigam erscheinen, und zwar in der himmlischen Herrlichkeit, die sie alleine für ihren Bräutigam und ihren zukünftigen Wohnort, den Himmel, passend macht.

Dann ist die wunderbare Bitte des Herrn Jesus für die Seinen wahrhaft erfüllt und Wirklichkeit geworden, die doch hier auf Erden aufgrund der Schwachheit unseres Fleisches nie erfüllt werden konnte:

Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf daß auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast. Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, auf daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie zu vollendeter Einheit gelangen, und damit die Welt erkenne, daß du mich gesandt hast und sie liebst, gleichwie du mich liebst. Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. (Joh 17,20-24)

 

Das himmlische Signal für die Entrückung

Die Entrückung geschieht „zur Zeit der letzten Posaune“ (1Kor 15,52), und das wird ausgeführt in 1Thess 4,16: „denn der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen“. Der Zeitpunkt der Entrückung ist hier nicht von irgendwelchen äußeren Ereignissen abhängig gemacht, sondern allein von dem Befehl Gottes bzw. unseres Herrn Jesus Christus (vgl. Joh 5,28).

Hier wird ein lauter Befehlsruf beschrieben, der wohl den schlafenden Gläubigen gilt und ihre Auferweckung signalisiert. Er wird begleitet von der Stimme des Erzengels; dabei mag es sich um einen Aufruf an die Engel handeln oder um einen Triumphruf, das können wir nicht sagen. Ebenso ist nicht klar, ob es sich um den Erzengel Michael handelt (Jud 1,9), oder ob es auch andere, uns unbekannte Erzengel (= oberste Engel) gibt.

Außerdem ertönt in diesem erhabenen Augenblick auch der Schall einer „Posaune Gottes“. Hier meinen manche Ausleger, der Apostel Paulus würde sich auf die „siebte Posaune“ aus Offenbarung 10,7 beziehen, und begründen damit ihre Lehre, die Gemeinde werde am Ende oder in der Mitte der großen Trübsal entrückt. Doch diese Deutung ist problematisch und fragwürdig. Die Schrift kennt sehr viele Posaunensignale; die Posaune war ein oft verwendetes Signalinstrument auf Erden (vgl. z.B. 3Mo 23,24; 1Sam 13,3; 2Sam 2,28; Jer 4,5), und es gibt auch verschiedene himmlische Posaunen (vgl. Sach 9,14; Mt 24,31; Offb 8,2).

Der Apostel Paulus schrieb an seine Leser, um verstanden zu werden, und diese „letzte Posaune“ aus der Offenbarung war damals ja nicht geoffenbart. Es ist viel naheliegender, an die „letzte Posaune“ aus dem römischen Heereswesen zu denken, das ja Paulus wie auch seinen Lesern gut vertraut war; diese letzte Posaune war das Signal, daß das Heer aus seinem Lager aufbrach. In der Offenbarung haben wir Posaunen, die von Engeln geblasen werden, hier die Posaune Gottes – das ist gewiß ein Unterschied, der beachtet werden sollte.

 

Die Hinwegnahme der Gläubigen in den Himmel

Wenn dieses Signal erfolgt, wird der Herr Jesus Christus aus dem dritten, höchsten Himmel, wo Er thront, herabkommen in den Lufthimmel; es steht nirgends, daß Er zu diesem Zeitpunkt auf die Erde kommen würde, wie dies bei Seinem späteren Kommen in Macht für die Welt der Fall sein wird. Dann werden die auferweckten und die verwandelten Gläubigen gemeinsam „entrückt werden in Wolken, zur Begegnung mit dem Herrn in die Luft“.

Das hier verwendete Wort harpazò bedeutet „entrücken, rasch ergreifen, an sich reißen, hinwegreißen, plötzlich wegnehmen, entführen“; es kommt vor in Mt 11,12; 13,19; Joh 6,15; 10,12.28.29; Apg 8,39; 23,10; 2Kor 12,2.4; 1Thess 4,17; Jud 1,23; Offb 12,5. Wie man sieht, wird das Wort „hinwegreißen“ auch im negativen Sinn verwendet; aufschlußreiche geistlich verwandte Vorkommen sind die Entrückung des Philippus in Apg 8,39, die Entrückung des Apostels Paulus in den dritten Himmel in 2Kor 12,2.4 sowie die Entrückung des männlichen Kindes in dem Gesicht von Offb 12,5.

Der Herr, der sich den verwandelten Gläubigen vom Lufthimmel her offenbaren wird, so daß sie Ihn erstmals sehen können in Seiner himmlischen Herrlichkeit und Schönheit, wird sie sogleich zu sich ziehen (vgl. Joh 12,32), Er wird sie in einem Nu herausreißen aus dieser bösen, feindlichen Welt, und sie in Wolken mit sich führen (vgl. Apg 1,9-11). Das wird das „Hinversammeltwerden zu Ihm“, die „Vereinigung mit Ihm“ (gr. epi-syn-agogè) sein, von der 2Thess 2,1 spricht. Es geschieht in der Luft, d.h. im untersten, natürlichen Lufthimmel, und führt in den obersten, dritten Himmel, wo das Vaterhaus für sie bereitet ist.

Das wird die Erfüllung jener wunderbaren Verheißung sein, die der Herr den Jüngern vor Seinem Opfertod gab:

Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin. (Joh 14,2-3)

Dort, in der Himmelsherrlichkeit, wird die Gemeinde die glückselige Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn genießen; dort wird sie das Preisgericht des Christus erleben und die Hochzeit des Lammes. Ihre Heimat war schon immer im Himmel; nun ist sie ihrer Fremdlingsschaft auf Erden entronnen und ans Ziel der Herrlichkeit gelangt. Sie selbst ist verherrlicht und ihrem Bräutigam gleichgestaltet; sie hat sich zubereitet für die Hochzeit und darf sie dann erleben, bevor sie mit dem Bräutigam wieder auf die Erde zurückkehrt, um Ihm zur Seite zu sein, wenn Er das Gericht ausübt und Sein Königtum antritt.

Die Entrückung ist die besondere Hoffnung der Gemeinde. Wir finden sie nicht in den Propheten und anderen Schriften des AT; das ist klar, weil diese besondere Hoffnung für sie ebenso verborgen war wie die Existenz der Gemeinde an sich (vgl. Eph 3,1-11).

Wir finden sie auch nicht in den synoptischen Evangelien; diese reden von der Hoffnung der gottesfürchtigen Israeliten, des messiasgläubigen Überrests der Juden, zu dem ja die Jünger auch gehörten, und das ist die Wiederkunft des Christus in Macht und Herrlichkeit zum Gericht. Wir finden sie aber im Johannesevangelium, das in besonderer Weise diejenigen Lehren des Herrn betont, die auch auf die Gemeinde Bezug haben. In Johannes 14 verheißt der Herr den Seinen, daß Er sie in den Himmel holen wird – eine klare Aussage über die Entrückung. Auf die Entrückung bezieht sich vermutlich auch Joh 12,32.

 

 

b. Wer wird bei der Entrückung in den Himmel geführt?

 

Zunächst müssen wir die ganz grundlegende Frage beantworten: Wem gilt eigentlich die Verheißung der Entrückung? Wen wird der Herr dann auferwecken bzw. verwandeln und in die Himmelsherrlichkeit bringen? Nun, in der Schlüsselstelle 1Thess 4,13-18 werden alle diejenigen angesprochen, die „glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist“ (V. 14). In der anderen Schlüsselstelle 1Kor 15,23 wird in bezug auf die mit der Entrückung eng verbundene Auferstehung gesagt: „danach die, welche Christus angehören, bei seiner Wiederkunft“. Daraus und aus den vielen anderen Bibelstellen, die von der Entrückung zumindest indirekt Zeugnis ablegen, können wir einige Grundsätze entnehmen:

 

1. Nicht die Namenschristen werden entrückt, sondern nur die Wiedergeborenen

Die Verheißung der Entrückung gilt nur den wahren Kindern Gottes, die echten, rettenden Glauben haben; sie gilt nicht den zahllosen Scheingläubigen, welche nie eine Bekehrung und Neugeburt aus dem Geist erlebt haben. Alle diese unechten Christen, die nur eine äußeren Schein von Gottesfurcht haben, deren Kraft aber verleugnen (vgl. 2Tim 3,5), werden auf der Erde zurückbleiben, und über ihnen werden sich die Gewitterwolken des Zornes Gottes zusammenziehen. Wie ernst wird es für diejenigen werden, die das rettende Evangelium genau gekannt haben, aber ihm nicht Glauben und Gehorsam schenken wollten! Auf sie wartet das verzehrende Feuer des kommenden Richters (2Thess 1,7-10)!

 

2. Alle wahren Gläubigen werde entrückt, nicht nur eine Auswahl

Die Verheißung der Entrückung gilt allen wahren Kindern Gottes, nicht nur einer Auswahl von besonders treuen Gläubigen. Die Lehre von der „Auswahlentrückung“ und einer besonderen „Heraus-Auferstehung“ besonders geheiligter Christen ist unbiblisch und gehört zu den falschen Lehren des Schwärmertums, der Mystik, der falschen Heiligungsbewegung und gewisser Pfingstler.

 

3. Die Entrückung betrifft nur die Gemeinde Gottes; die alttestamentlichen Gläubigen haben eine andere Hoffnung

Der dritte Punkt wird von den Auslegern unterschiedlich gesehen, und die Aussagen der Schrift sind hier schwer zu deuten. Aber nach meiner Erkenntnis gilt die Entrückung und Auferstehung zunächst nur den Gläubigen der Gemeindezeit. Die Gemeinde des Christus wird vollendet und als Braut in den Himmel gerückt, um an der Hochzeit des Lammes teilzuhaben.

Die gottesfürchtigen, aus Glauben geretteten Israeliten aus der Heilszeit des Gesetzes haben ebenfalls die Verheißung einer Auferstehung (vgl. Jes 26,19; Hes 37,12-14), doch wird sie laut Dan 12,13 dann stattfinden, wenn der Messias die schreckliche Drangsal Jakobs mit Seinem Kommen auf die Erde beendet. Dann werden sie zunächst, wenn man die wenigen Andeutungen deuten möchte, wahrscheinlich dem Messias in Seinem irdischen Reich dienen, zugleich aber auch Anteil haben am himmlischen Jerusalem (vgl. Hebr 11,16; Offb 21,12).

Aufgrund des allgemeinen Charakters der Formulierungen in 1. Korinther 15 kann man sagen, daß diese Auferstehung der jüdischen Gerechten ebenfalls in 1Kor 15,23 mit eingeschlossen ist, weil auch sie durch ihren Glauben „Christus angehören“; alle Auferstandenen, die vor Anbruch des Tausendjährigen Reiches auferweckt werden (auch die jüdischen und heidnischen Märtyrer aus der Drangsalszeit) haben Anteil an der „ersten Auferstehung“ (Offb 20,6), auch wenn sie nicht auf dieselbe Weise wie die Gemeinde in den Himmel entrückt werden.

Grundsätzlich müssen wir betonen, daß zwar die Schrift selbst ganz allgemein von zwei Arten der Auferstehung spricht (vgl. auch Dan 12,2): von der Auferstehung des Lebens bzw. der Gerechten (Lk 14,14; Apg 24,15) und der Auferstehung zum Gericht (Joh 5,29) bzw. der Ungerechten (Apg 24,15), daß aber die Auferstehung des Lebens in verschiedenen Abschnitten erfolgt, bei denen unterschiedliche Gruppen von Gläubigen auferweckt werden („ein jeder aber in seiner Ordnung“, 1Kor 15,23): zuerst die Gläubigen in Christus (1Kor 1523.42-56), dann die gläubigen Israeliten beim Kommen des Messias in Macht (Dan 12,2), dann die Märtyrer der Drangsalszeit (Offb 20,4). Wann die Gerechten aus den Zeiten vor dem Gesetz wie etwa Hiob oder Methusalah auferweckt werden, ist nicht eindeutig festzustellen.

 

 

c. Was zwischen der Entrückung und dem Kommen des Königs auf die Erde alles geschehen muß

 

Folgendes wird meines Erachtens bei bzw. nach der Entrückung der Gemeinde geschehen müssen, bevor die Gemeinde dann verherrlicht mit Christus auf der Erde offenbar wird:

1. Die Gläubigen müssen im Moment der Entrückung aus den Toten auferweckt werden und einen unsterblichen Herrlichkeitsleib bekommen, der dem des Christus gleichgestaltet ist, damit alles Verwesliche und Sündhafte von ihnen weggenommen ist und sie vervollkommnet und verherrlicht sind, denn nur so können sie Christus sehen und Ihm auch im Gericht auf Erden dienen. Das geschieht in einem Augenblick (1Kor 15,51-52; 1Thess 4,15-17).

2. Die Gläubigen müssen im Himmel zuerst selbst das Gericht an sich selbst erfahren haben in Form des Preisrichterstuhles des Christus, bevor sie andere richten dürfen (vgl. den Grundsatz in 1Pt 4,17). Dieses Gericht bedeutet eine Beurteilung der Werke und das Verbrennen der untauglichen Werke; es ist aber kein Zorngericht, sondern die notwendige Aufarbeitung alles Wirkens auf der Erde, die notwendige Zubereitung und Läuterung für den nun folgenden vollkommenen Dienst für den Herrn (vgl. dazu u.a. Röm 14,9-12; 1Kor 3,9-15; 1Kor 4,2-5; 1Kor 9,24-25; 2Kor 5,10-11; 2Tim 4,8; Hebr 4,13; 1Pt 1,20; 5,4). Dieses Preisgericht am „Tag des Christus“ erfolgt vermutlich nach den eigenen Zeitmaßstäben des Himmels, aber es könnte einige irdische Zeit in Anspruch nehmen.

3. Die Hochzeit des Lammes, d.h. das Fest der glückseligen Vereinigung des Herrn Jesus, des himmlischen Bräutigams, mit Seiner teuer erworbenen Braut, muß m.E. geschehen sein, denn in Offenbarung 19 wird dieses herrliche Ereignis vor dem Gerichtszug des Messias auf der Erde mit seinen Heiligen erwähnt (vgl. Offb 19,7-16). Es ist anzunehmen, daß dieses Fest wie auch die Einführung der Brautgemeinde in das Vaterhaus und die Himmelsherrlichkeit einige irdische Zeit lang währen wird. Dazu kommt möglicherweise auch eine Unterweisung der verherrlichten Gläubigen in bezug auf ihre künftigen Aufgaben im Dienst des Messias auf der Erde.

Daraus ergibt sich schon einmal ziemlich überzeugend, daß eine ganz kurze Zeitspanne zwischen Entrückung und dem Kommen als König, wie sie die Vertreter der „Trübsalsentrückung“ voraussetzen, nicht genügt, um die in der Schrift geoffenbarten Schritte der Zubereitung der Brautgemeinde auf ihre neue Rolle möglich zu machen.

Nach der Lehre der Entrückung vor der Trübsal müssen mindestens sieben Jahre zwischen der Entrückung und dem Kommen des Messias als König und Richter verstreichen (die siebzigste Jahrwoche des Propheten Daniel; Dan 9,24-27); es könnte aber auch eine um einiges größere Zeitspanne sein, denn es wird uns nirgends gesagt, wie lange solche Vorgänge wie der Abfall der Namenschristenheit und das Offenbarwerden des Antichristen dauern werden.

Auf der Erde muß jedenfalls nach der Entrückung der Gemeinde, die (zusammen mit dem in ihr wohnenden Heiligen Geist) dasjenige darstellt, was jetzt noch zurückhält (2Thess 2,6-7), einerseits der komplette Abkehr der Namenschristenheit von Christus geschehen, andererseits das Offenbarwerden des persönlichen Antichristen, des frechen Königs und verführerischen Pseudo-Messias, der sich als Retter der Welt aufspielen wird.

Die Entrückung der Gemeinde von der Erde bedeutet, daß den Menschen auf der Erde das Licht und Salz weggenommen ist, die fürbittende heilige Priesterschaft (1Pt 2,5; 1Tim 2,1-4). Nun wird sich das Böse ungehemmt und mit großer Macht entfalten, zumal dann irgendwann auch der Satan mit seinen Dämonen auf die Erde geworfen wird (Offb 12,7-12). In einem Sinn ist daher die Entrückung der Auftakt für den „Tag des HERRN“, das Signal für die Entfaltung der göttlichen Gerichte, die im Buch der Offenbarung geschrieben stehen.

 

 

 

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der ESRA-Broschüre Den Herrn erwarten. Die biblische Lehre von der Entrückung der Gemeinde.

 

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