Haben wir noch Zeit zum Bücherlesen?

 

 

Dem nachdenklichen Beobachter erscheint es so, als ob auch unter gläubigen Christen die allgemeine Hektik und der Arbeitsdruck sowie besonders auch die Ablenkung durch moderne Medien wie Internet-PCs und Smartphones dazu geführt hat, daß man kaum noch Zeit zum Lesen eines etwas anspruchsvolleren Buches hat.

 

Uns fehlt die Zeit zum nachsinnenden Bibellesen

Viele Christen haben heute große Mühe, überhaupt noch die Bibel in Ruhe und ausführlicher zu lesen, und das ist doch für uns die allerwichtigste Lektüre – das Buch der Bücher, der kostbare Schatz, aus dem wir Ermutigung, Unterweisung und Kraft schöpfen. Kein anderes Buch und auch keine sonstige Aktivität darf uns die nötige Zeit zum Nachsinnen über Gottes Wort stehlen!

Wohl dem, der nicht wandelt nach dem Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz nachsinnt Tag und Nacht. (Psalm 1,1-2)
 

Gerade von dem ruhigen Nachsinnen über Gottes heiliges, lebendiges und kräftiges Wort will uns der Widersacher beständig ablenken durch allerlei verlockende Angebote. Heute erreicht uns der Rat der Gottlosen auch und nicht zuletzt über das Internet. Wer könnte leugnen, daß der moderne Christ sich auch über soziale Netzwerke und Chatforen virtuell in die Gemeinschaft mit den Spöttern begeben kann und vielleicht sogar auf den Weg der Sünder gerät? An die Verführung der modernen Christen durch das (sprechende) Bild via i-Phone, Videos und Internetangebote erinnern auch die folgenden Verse:

Halte meine Augen davon ab, nach Nichtigem zu schauen; belebe mich in deinen Wegen! (Psalm 119,37)

Die Gottlosen lauern mir auf, um mich zu verderben; aber ich richte meinen Sinn auf deine Zeugnisse. (Psalm 119,95)

 

Auch an der inneren Sammlung, Ruhe und Konzentration auf das Bibelwort, von der wir in der zuletzt gelesenen Bibelstelle hören, fehlt es den heutigen Gläubigen zunehmend. Die Vielzahl von Sinnesreizen, Nachrichten und Informationen, die auf uns eindringen, bewirken, daß wir oft hektisch, zerstreut und umhergetrieben von allen möglichen Impulsen vor uns hinleben. Unser Denken, unseren Sinn auf das Wort Gottes hin auszurichten ist heute nicht so einfach; wir müssen oftmals zuerst alle möglichen befleckenden, ablenkenden Dinge im Gebet bei unserem Herrn ablegen, damit das gelingt.

 

Uns fehlt die Zeit für gute geistliche Bücher

Nach der Bibel, die bei jedem Gläubigen den allerersten Platz in der Lektüre einnehmen sollte, können aber auch gute Bücher, die gesunde Lehre und Erbauung vermitteln, das geistliche Leben der Gläubigen stärken. Gute geistliche Bücher haben in früheren Zeiten eine wichtige Rolle bei der Zurüstung und dem geistlichen Wachstum von Gläubigen gespielt. Biblisch gegründete, herausfordernde Bücher wie etwa William MacDonalds „Wahre Jüngerschaft“ haben immer wieder einen hilfreichen Einfluß auf das geistliche Leben früherer Generationen von Gläubigen gehabt.

Geistlich gesehen sind solche Bücher nichts anderes als Bestandteile des vom Herrn der Gemeinde verordneten Dienstes der Lehre und der Ermahnung bzw. Ermunterung an den Gläubigen, die schriftlich festgehalten sind und damit weithin verbreitet werden können. Selbstverständlich gilt für sie alle, daß sie als Äußerung von Menschen unter dem Vorbehalt stehen: „Prüft alles, das Gute behaltet!“ (1. Thessalonicher 5,21). Es ist ein Gewinn für unser geistliches Leben, wenn wir uns immer wieder für die Lektüre solcher Bücher Zeit nehmen.

Allerdings beziehen wir uns hier ausschließlich auf die schrumpfende Zahl von ernsthaften, auf die Bibel gegründeten und zur biblischen Lehre hinführenden Büchern, die wirklich auch geistlichen Gewinn bringen. Wir warnen ausdrücklich davor, sich der Lektüre der Masse heutiger evangelikaler Buchangebote zu widmen, die fast ausschließlich verwässerte Kost, in vielen Fällen aber auch handfeste Irrlehren und Verführungstendenzen weitergeben.

Auch die Aufklärung über endzeitliche Verführungen ist heute keine unnötige Verzettelung, sondern bittere Notwendigkeit angesichts der fortschreitenden kräftigen Irrtümer, die sich unter den Gläubigen ausbreiten. Als Buchautor, der immer wieder solche Bücher verfaßt, fragt man sich gelegentlich, wer gewisse warnende Bücher überhaupt noch liest. Sicherlich – solche Gläubige, die von den Endzeitverführungen unmittelbar betroffen sind, lesen aufklärende Bücher bereitwillig und gründlich; sie haben die Realität der Endzeitirrtümer schmerzlich erlebt und suchen dringend Orientierung und geistliche Hilfe. Aber was ist mit den vielen, die eigentlich vorbeugend gewarnt werden sollten, bevor die Verführung sie erfaßt?

Ein besonders wichtiger Leserkreis, der aufklärende Bücher dringend lesen sollte, hat besonders wenig Zeit dafür. Das sind die Gemeindeältesten und Leiter von christlichen Werken, die ihren Anteil daran haben sollten, daß die Herde Gottes vor Irreführungen geschützt wird. Diese Brüder tragen eine große Last; sie sind zumeist voll berufstätig, tragen Verantwortung für eine Familie und zugleich auch für eine Gemeinde. Wann sollen sie zwischen familiären Verpflichtungen, Gemeindeterminen und Seelsorgegesprächen noch Zeit finden, sich über gefährliche Entwicklungen in der Christenheit zu informieren?

 

Die Zeiträuber bekämpfen und das Lesen guter Bücher pflegen

Heute wird die Zeit, die wir vielleicht für das Bücherlesen erübrigen könnten, oft gedankenlos für andere Beschäftigungen verwendet. Dabei spielen vermutlich auch bei vielen Christen heute das Herumsurfen im Internet, die Verwicklung in Chats oder soziale Netzwerke und ähnliche Aktivitäten eine wachsende Rolle. Wenn man noch Bücher liest, so beschränkt sich die Lektüre bei vielen Lesern weitgehend auf „leichte Kost“ wie etwa Romane und Erzählungen, einschließlich moderner Märchenbücher wie „Den Himmel gibt’s echt“.

Die Nutzung von fortgeschrittenen Internetangeboten wie Chaträumen oder sozialen Netzwerken wäre eine eigene Notiz wert. Für Gläubige, die die Nachfolge Jesu Christi ernst nehmen, sollte es eigentlich klar sein, daß solche Angebote gemieden werden sollten. Die ichhafte und oberflächliche Selbstdarstellung vor einer unkontrollierbaren Öffentlichkeit, die etwa auf facebook praktiziert wird, sollte für Kinder Gottes tabu sein. Der anonyme, leichtfertige Dialog mit Unbekannten in Chats war schon für manche Christen ein Fallstrick und hat sie zu verkehrten Freundschaften und Beziehungen verleitet – bis hin zum Ehebruch.

Woher immer bei uns der Mangel an Zeit zum Bücherlesen kommt – dieser Mangel ist im Grunde genommen ein Mißstand, eine bedenkliche Entwicklung, auch wenn manche dies sicherlich nicht so bewerten werden. Uns entgeht damit eine Quelle ernsthafter und gesunder Belehrung, und das kann durch Internetsurfen oder Herumspielen mit dem Smartphone nicht ausgeglichen werden – auch nicht durch Musikhören oder das Ansehen von Kinofilmen. Das hängt auch damit zusammen, daß eigentlich allein das gedruckte Buch es uns erlaubt, in Ruhe über das Gelesene nachzudenken, es sich wiederholt vor Augen zu führen und auf sich wirken zu lassen. Das Lesen von Webseiteninhalten oder das Überfliegen eines PDF- oder E-Book-Textes ermöglicht nicht im selben Maß eine solche vertiefte Beschäftigung mit dem Gelesenen.

 

Hilfen für einen disziplinierten Umgang mit unserer Zeit

Trotz aller Ablenkungen und Störfaktoren ins unserer heutigen Lebensweise ist es nötig, für verantwortliche Brüder genauso wie für alle wachen, bewußten Gläubigen in diesen letzten Tagen, sich Zeit für die Lektüre wichtiger auferbauender, lehrender oder aufklärender Bücher zu nehmen. Hier einige Gedanken, wie wir uns die Zeit zum Lesen guter Bücher zurückerobern könnten – vielleicht sind sie für manche nicht praktikabel, aber zumindest können sie als Anregung zum Nachdenken dienen:

1. Wir brauchen eine disziplinierte Zeiteinteilung nach klaren geistlichen Prioritäten. Wenn wir uns in unserem Leseverhalten von unseren Lüsten und Impulsen leiten lassen, landen wir unweigerlich zumeist bei Seichtem. Dann hat das Bild oft Vorrang vor dem geschriebenen Wort, das Leichtverdauliche und schnell Eingängige vor dem biblischen Schwarzbrot. Zuvorderst steht natürlich die Priorität, genügend Zeit für das tägliche Bibellesen zu schaffen. Das geht oft nur durch früheres Aufstehen, evt. auch durch die Nutzung der Mittagspause bei der Arbeit. Aber wir sollten uns auch ausreichend Zeit nehmen für gute geistliche Bücher. Wie wir das verwirklichen können, hängt sehr von unseren besonderen Lebensumständen ab. Man kann z.B. Fahrtzeiten im Zug dafür nutzen, Wartezeiten beim Arzt, kürzere „Leerlaufzeiten“ am Tag. Manchmal hilft es auch, immer wieder einen Abend in der Woche dafür freizuhalten, oder den Samstagmorgen.

2. Disziplinierte Zeiteinteilung setzt auch bewußten Verzicht auf Zeitvergeudung durch das Lesen von nutzloser oder fragwürdiger Lektüre, durch Filmesehen oder Chatten ein. Der Verfasser dieser Zeilen hat beispielsweise schon seit langem auf eine Tageszeitung verzichtet, um die tägliche Zeitverschwendung, die für ihn mit der Zeitungslektüre verbunden ist, zu vermeiden. Für andere mögen andere Zeiträuber eine Rolle spielen, die beiseitegelegt werden sollten. Das gilt natürlich besonders für diejenigen, die ohnehin unseren Geist beflecken und uns schaden; aber auch an sich harmlose, für einen Christen durchaus zulässige Beschäftigungen müssen wir zurückstellen, wenn wir gewinnbringende Bücher lesen wollen.

3. Disziplinierte Zeiteinteilung bedeutet manchmal auch, bestimmte Vorsätze zu fassen und seine Lektüre bewußt zu planen. Es hilft vielleicht dem einen oder anderen, eine nach geistlichen Prioritäten sortierte Lektüreliste zu haben, die man sozusagen abarbeitet. Es kann für manche sinnvoll sein, sich Ziele zu setzen, z.B. jeden Monat ein oder zwei geistliche Bücher durchzulesen.

 

Geistliche „Leseerziehung“ tut not!

Wenn wir die teilweise hektischen Fortentwicklungen bei den elektronischen Medien nüchtern bewerten, dann wird, so denke ich, erkennbar, daß der Widersacher versucht, die Gläubigen auf vielerlei und raffinierte Weise vom WORT wegzuführen hin zum BILD, zum Erlebnis, zur musikalischen Ablenkung und Verführung durch Pop-Sirenenklänge. Er verleitet die Gläubigen, die objektive, durch Gott geoffenbarte Wahrheit, wie sie im WORT GOTTES geschrieben steht, zu vernachlässigen und sich mehr um subjektive Erfahrungen und Empfindungen zu drehen, die trügerisch, mehrdeutig und schillernd sind und vom Feind sehr gut manipuliert werden können (Charismatik, „Lobpreis“, Mystik …). Es geht nicht mehr so sehr darum, was WAHR ist und was Gott geoffenbart hat, sondern was MIR guttut und was sich für MICH angenehm „anfühlt“.

Dabei spielt der Einfluß der modernen Medien und der Rückgang der Fähigkeit, die Bibel und gute geistliche Bücher, geistliches „Schwarzbrot“ also, aufzunehmen und zu verdauen, eine nicht unbedeutende Rolle. Diesem schleichenden Trend sollten wir unbedingt entgegenwirken! Wir sollten darauf achten, daß wir bei uns selbst und unter den gläubigen Christen, besonders den jüngeren, die Lesefähigkeit und die Gewohnheit des Lesens guter Bücher und besonders der Bibel selbst bewußt fördern. Das benötigt angesichts der vielen unterschwelligen Einflüsse, die uns vom Buch zum Bildschirm, vom geschriebenen Wort zum Bild oder zum Klang ablenken wollen, ein entschiedenes Gegensteuern.

Dazu sollten auch bewußte Maßnahmen der „geistlichen Leseerziehung“ und „Leseförderung“ gehören:

* im Rahmen der Familie auch gute Bücher für Kinder und Jugendliche empfehlen, mit ihnen gemeinsam lesen bzw. über das Gelesene miteinander sprechen;

* in der Gemeinde eine gute Büchertischarbeit pflegen, die sorgfältig ausgewählte gesunde Bücher anbietet und auch empfiehlt;

* in der Jugendarbeit miteinander gute Bücher lesen und durcharbeiten und Jugendliche gezielt zum Lesen der Bibel (Bibellesepläne, gemeinsames Bibellesen mit Austausch) ermutigen, aber auch zum Lesen guter Bücher, die man z.B. abschnittsweise miteinander bespricht; Einführung in das Lesen von Bibelkommentaren usw.

Hier könnte man noch manches ergänzen, und das Gesagte soll eigentlich auch nur eine Anregung zum weiteren Nachdenken und dann auch Handeln sein. Auf jeden Fall brauchen wir angesichts der elektronischen Medienverführung bewußte Medien-Enthaltsamkeit und Erziehung zum geistlich motivierten Lesen und Nachdenken! Wir müssen wachsam sein, daß der Widersacher uns nicht schleichend zu geistlichen Analphabeten macht, die nicht mehr in der Lage sind, das Wort des Lebens und die Hilfen zur gesunden Lehre überhaupt zu verarbeiten.

 
Bis ich komme, sei bedacht auf das Vorlesen, das Ermahnen und das Lehren. (…) Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre; bleibe beständig dabei! Denn wenn du dies tust, wirst du sowohl dich selbst retten als auch die, welche auf dich hören. (1Tim 4,13.16)
 
 

Rudolf Ebertshäuser    das-wort-der-wahrheit.de   16. 11. 2012

 

Buchhinweise zu diesem Beitrag:

Rudolf Ebertshäuser: Christus – unsere Heiligung. Eine biblische Ermutigung zu einem geheiligten Leben für Gott

Rudolf Ebertshäuser: Auf dem Weg zur geistlichen Reife. Biblische Hilfen für unser geistliches Wachstum

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