Geistliche Gedanken zum Jahresanfang 

 

 

Ein neues Jahr steht vor uns, hat gerade begonnen – ein Jahr, von dem wir nicht wissen, was es uns persönlich, was es dieser Welt bringen wird. Wir haben vielleicht manche Erwartungen, Hoffnungen oder auch Befürchtungen – aber Gott allein weiß, was in der Zukunft liegt. Er, der lebendige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, Er ist der Herr über die Weltgeschichte, und Er lenkt auch die Geschicke jedes Menschen, besonders jedes Seiner Kinder. Auf Seine Gnade und Allmacht kindlich zu vertrauen und uns Ihm ganz zu überlassen ist gewiß das Beste, was jedes Kind Gottes tun kann.

Wir wollen uns darüberhinaus einige Tatsachen über das kommende Jahr vor Augen führen, die wir kennen können, auch wenn die Zukunft vor unseren Augen verborgen ist. Wir können sie erkennen, weil Gott sie uns in Seinem untrüglichen Wort geoffenbart hat. Wer dem Wort Gottes glaubt, der empfängt daraus Weisheit und Einsicht in die Zeiten, auch wenn er ihre Ereignisse nicht im Einzelnen vorhersehen kann.

 

1. Das neue Jahr kann uns jederzeit die Wiederkunft des Herrn und unsere Entrückung zu Ihm bringen.

Es ist nach meiner Überzeugung wichtig, daß wir uns die biblische Wahrheit von dem baldigen, jederzeit möglichen Kommen des Herrn immer wieder vor Augen halten. Jeder Tag dieses neuen Jahres bringt uns der Entrückung näher. Das Wort Gottes ermahnt uns, solche zu sein, die ihren Herrn erwarten und nicht solche, die sagen: „Unser Herr kommt noch lange nicht!“ Manche Einflüsse unter bibeltreuen Gläubigen laufen darauf hinaus, die jederzeitige Erwartung des kommenden Herrn abzuschwächen oder die Gemeinde dahin zu verleiten, auf den Antichristen zu warten statt auf ihren Herrn. Doch wir haben uns von den Götzen bekehrt, „um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen, und um seinen Sohn aus dem Himmel zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns errettet vor dem zukünftigen Zorn“ (1Thess 1,9-10). Diese Erwartung unseres Herrn sollte uns dazu anspornen, die Zeit auszukaufen und dem Herrn Tag für Tag treu zu dienen; aber sie sollte uns auch zur Heiligung unseres Lebens anleiten, denn „jeder, der diese Hoffnung hat, reinigt sich, gleichwie auch Er rein ist“ (1Joh 3,3). Wir wollen in diesem Jahr solche sein, die der Herr, wenn Er kommt, beim treuen Dienst für Ihn findet!

 

2. Das neue Jahr wird uns vermehrte antichristliche Entwicklungen und auch vermehrte Verfolgung bringen.

Auch wenn ich glaube daß die Gemeinde vor der großen Drangsal entrückt werden wird, bin ich davon überzeugt, daß die Gemeinde durch zunehmende Prüfungen und Bedrängnisse gehen muß, je weiter die antichristliche Entwicklung voranschreitet. Hier müssen wir achtgeben, um nicht einseitigen und oberflächlichen Lehren anheimzufallen, so als könne uns gar keine Bedrängnis treffen, nur weil der Herr uns vor dem Zorngericht der Großen Drangsal bewahrt. Nein, die vorantichristlichen Entwicklungen tragen grundsätzlich Wehencharakter, wie unser Herr in Mt 24,8 lehrt. Und die Ereignisse von Mt 24,4-14 betreffen auch die Gemeinde, solange sie noch auf der Erde ist; erst danach ist das jüdische Volk und die Drangsal für Jakob im Fokus. Wir sollten uns geistlich für diese Entwicklungen rüsten und intensiver für unsere Obrigkeit beten (siehe unsere neue Rubrik „Gebetsanliegen“).

Auch wenn die allgemeine Tendenz unaufhaltsam ist, kann unsere Fürbitte doch noch manches abwenden oder abmildern, und hier sind wir zu ernstem Gebet aufgerufen. Aber wir müssen auch bereit sein, ein treues, mutiges Zeugnis im Erleiden von Verfolgungen abzulegen. Die verschärften Antidiskriminierungsgesetze wie auch das Verbot jeglicher körperlichen Züchtigung, der staatliche Schulzwang u.a. können dazu führen, daß gläubige Christen, die der Bibel und ihrem Gewissen folgen, auf die Anklagebank kommen und bedrängt werden. Wir müssen darauf achten, daß wir uns nicht auf eine falsche Schiene politischer „wertkonservativer“ Koalitionen und Aktivitäten verleiten lassen, sondern gemäß unserer Fremdlingsstellung und unserer Berufung als heiliges Priestertum handeln, und das bedeutet in erster Linie Gebet, in gewissen Fällen begleitet von Petitionen an die Obrigkeit, gläubige Christen als religiöse Minderheit in ihren Gewissensführungen zu dulden.

 

3. Das neue Jahr wird uns vermehrte Verführungen bringen.

Auch die Verführungen in der Endzeit nehmen immer mehr zu, getreu dem prophetischen Wort in 2Tim 3,13: „Böse Menschen aber und Betrüger werden es immer schlimmer treiben, indem sie verführen und sich verführen lassen“. Der charismatische Irrgeist verleitet mehr und mehr evangelikal geprägte Christen, besonders durch die von ihm inspirierten „Lobpreislieder“, gegen die es kaum noch Widerstand selbst unter vielen konservativen Gläubigen gibt. Die Verführungsströmung des „postmodernen Christentums“ (Emerging Church) bringt viele junge Menschen aus dem evangelikalen Umfeld dazu, sich vom biblischen Glauben abzukehren. Die Ökumene und die Bibelkritik durchsäuern immer mehr Kreise.

Alle diese traurigen, verderblichen Entwicklungen kann die Gemeinde nicht insgesamt aufhalten oder gar zurückdrängen. Die treuen Gläubigen dürfen aber dennoch beten und Zeugnis geben mit dem Ziel, daß noch viele Verführte aufwachen und Buße tun, um sich von dem breiten Verführungsstrom abzusondern und den schmalen Weg echter Christusnachfolge zu gehen. Wir dürfen offensiv das lebendige und kräftige Wort Gottes verkündigen und vom Herrn Frucht erwarten – in der Auferbauung Seiner Gemeinde, aber auch in der Bekehrung von Menschen – auch heute.

 
 

4. Auch im neuen Jahr dürfen wir der Treue unseres Herrn gewiß sein und auf Seinen Sieg vertrauen.

Der Herr Jesus hat es verheißen: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit! Amen“ (Mt 28,18-20). So dürfen wir vorangehen im Vertrauen auf unseren Herrn, auch wenn die Schwierigkeiten zunehmen. Der Herr will uns beistehen, wenn wir unbeirrt Ihm dienen bei der Ausbreitung des klaren Evangeliums und in der Auferbauung Seiner Gemeinde. Wenn wir auf dem schmalen, bibeltreuen Weg dem Herrn nachfolgen, dann werden wir trotz aller Bedrängnisse immer wieder die siegreiche Kraft unseres Herrn im Überwinden von Hindernissen, im selbstlosen Dienst, im Zeugnis erfahren.

 
 

5. Der biblische Ratschlag für unsere Zeit: „Habt acht, wacht und betet!“

Gemäß dieser wichtigen Aufforderung unseres Herrn in Markus 13,33 ist es für alle treuen Gläubigen in diesen Zeiten zunehmender Verführung und Bedrängnis ganz wichtig, diese drei Dinge zu praktizieren:

* Habt acht!   Hier liegt es nahe, diese Aufforderung so zu verstehen, wie wir es in Vers 9 desselben Kapitels finden: „Ihr aber, habt acht auf euch selbst!“ (vgl. auch Lk 17,3; Lk 21,34; Apg 20,28; 1Tim 4,16). Zuerst müssen wir darüber wachen, daß wir nicht in zunehmende Trägheit, Lauheit und Fleischlichkeit verfallen und so die geistliche Kraft zur treuen Christusnachfolge allmählich verlieren. Wir sollen uns immer wieder vor dem Herrn prüfen und Ihn bitten, uns durch Sein Wort bzw. durch andere Geschwister zu ermahnen und zu überführen, damit wir unser Abweichen immer wieder korrigieren können. Der Herr will uns schützen, stärken und leiten, aber wir können, wenn wir nicht acht haben auf uns selbst, von Ihm abdriften. Davor schützen uns demütige Selbstprüfung, ein Wandel im Licht und die beständige, ungetrübte Gemeinschaft mit unserem erhöhten Herrn.

* Wacht!   Diese Aufforderung bedeutet, daß wir nicht in Schlaf verfallen sollen, sondern aufmerksam, wachsam sind gegenüber allen Angriffen des Bösen, aller Verführung und Sündenverderbnis in unserem Leben, aber auch in der Gemeinde Gottes. In diesem Sinn warnt uns das Wort auch an anderen Stellen: „Seid nüchtern und wacht! Denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann…“ (1Pt 5,8). Wir lesen auch das Wort unseres Herrn in Offb 16,15: „Siehe, ich komme wie ein Dieb! Glückselig ist, wer wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht entblößt einhergeht und man seine Schande sieht!“. Eine große geistliche Gefahr in der letzten Zeit ist es, daß wir geistlich einschlafen und der Feind dann in unserem Leben oder in unseren Gemeinden ungehindert sein Zerstörungswerk tun kann. Wir sollten wie die Wächter auf den Mauern Zions uns keinen Schlaf gönnen, sondern betend dem Widersacher widerstehen. „Wacht, steht fest im Glauben, seid mannhaft, seid stark!“ (1Kor 16,13). Dieses Wachen ist untrennbar verbunden mit unserem Gebet: „… indem ihr zu jeder Zeit betet mit allem Gebet und Flehen im Geist, und wacht zu diesem Zweck in aller Ausdauer und Fürbitte für alle Heiligen…“ (Eph 6,18).

* Betet!   In der letzten Zeit, in die wir immer tiefer hineingeraten, ist das Gebet von entscheidender Bedeutung. Es ist grundlegend und zu allen Zeiten wichtig, weil wir als Kinder Gottes immer abhängig sind vom gnädigen Eingreifen unseres Herrn. Wir haben unsere Kraftreserven, unsere Befähigung zum Dienst, unsere Siege nicht in uns selbst, sondern nur in Christus, und durch das Gebet bringen wir sie sozusagen vom Himmel auf die Erde. Das Gebet ist aber besonders wichtig in Zeiten, wo der Feind seine unsichtbaren Geistesmächte zunehmend mobilisiert gegen die gläubige Gemeinde, wo er versucht, durch Einschüchterung und Verfolgung, aber auch durch Verführung, falsche Propheten und Irrlehren sowie persönlich durch Versuchung zur Sünde die Knechte und Mägde Gottes außer Gefecht zu setzen. Genau das ist in der Endzeit mehr und mehr der Fall. Der Feind versucht uns auch vom Gebet abzuhalten, uns träge und schläfrig zu machen. Wir aber sollten alles daransetzen, in diesen Zeiten den Herrn durch beharrliches, ernstliches Gebet zu suchen, Ihn zu bitten, daß er all die Seinen bewahrt und stärkt, daß Er die Anschläge des Teufels zunichtemacht nach Seiner Verheißung (vgl. 1Joh 3,8), daß Er uns befähigt, Seinen Willen zu erkennen und auszuführen, daß Er Seine Gemeinde erweckt und auferbaut … es gibt so viele Anliegen zum Gebet, und ohne das beharrliche Gebet der Heiligen wird die Gemeinde und werden die Einzelnen, so fürchte ich, zunehmend Rückschläge und Niederlagen erleiden. Bei unserem Beten spielt auch das Fasten in gewissen Situationen eine wichtige Rolle (vgl. Mt 9,15; Mt 17,21; Lk 2,37; Apg 13,2; Apg 14,23; 1Kor 7,5; 2Kor 6,5 – falls in Ihren Bibeln an einigen Stellen „Fasten“ fehlt, bitte Schlachter 2000 lesen).

Rudolf Ebertshäuser    das-wort-der-wahrheit.de    6. 1. 2011
 

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