Die Heilige Schrift als das Wort des lebendigen Gottes

 

 

Wohl die allermeisten Gläubigen werden sofort zustimmen, daß die Bibel das Wort Gottes ist. Aber zu wenige Gläubige machen sich bewußt, was dies in der Konsequenz bedeutet, und diese Oberflächlichkeit und Verunsicherung macht sich der Feind für seine Verführung zunutze. Es ist daher wichtig, sich einige grundlegende Punkte vor Augen zu halten:

 

 

Die Heilige Schrift ist Gottes vollkommene und vollständige Selbstoffenbarung

 

In den 66 Büchern der Bibel hat Gott all das geoffenbart, was Er uns offenbaren wollte. Selbstverständlich enthält die Schrift nur einen Bruchteil aller Erkenntnis über Gott und Sein Handeln – aber sie enthält alles, was Gott in Seiner Weisheit uns wissen lassen wollte! Das, was uns Gott in ihr gegeben hat, ist völlig genügend, um zu bewirken, daß “der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet” (2Tim 3,17).

Mehr wissen zu wollen, als Gott uns wissen lassen wollte, und sich nach neuen, fremdartigen “Offenbarungen” auszustrecken, die nicht in der Schrift enthalten sind, ist gefährlicher Hochmut und Vermessenheit Gott gegenüber. Nicht umsonst hat Gott an das Ende des letzten Buches Seiner inspirierten Selbstoffenbarung die Warnung gesetzt: “Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht; und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen” (Offb 22,18-19).

 

 

Die Heilige Schrift ist in ihrer Gesamtheit das Wort Gottes an uns Menschen

 

Die Bibel enthält nicht nur Gottes Wort, wie manche behaupten, sondern sie ist Gottes Wort. “Alle Schrift ist von Gott eingegeben [gr. theopneustos = “gottgehaucht”, “inspiriert”, “von Gott durch Seinen Geist gewirkt] (2Tim 3,16). Wenn wir die Schrift lesen und erforschen, so weist uns das Wort selbst an, sollen wir uns zuallererst darüber klar sein, “daß keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben [od. geführt, geleitet, bewirkt; gr. pherò] haben die heiligen Menschen Gottes geredet” (2Petr 1,20-21).

Heute wird diese Lehre von der “Verbalinspiration”, der wörtlichen Eingebung der gesamten Heiligen Schrift, von vielen Theologen angefochten (zunehmend auch von solchen, die sich “evangelikal” und “bibeltreu” nennen), doch für jeden gläubigen Bibelleser zählen nicht Menschenmeinungen und Menschenweisheit, sondern das Zeugnis der Schrift selbst. Wenn Gott mehrfach bezeugt, daß Er Seine Worte in den Mund der Propheten, d.h. der heiligen Sprecher Gottes legt (vgl. u. a. Jer 1,9; 2Sam 23,2; 2Chr 36,21), die das Wort Gottes verkünden und niederschreiben sollen, dann dürfen wir glauben, daß es genauso ist. Wenn die Schrift uns bezeugt, daß Mose alle Worte dieses Gesetzes auf einen Stein schreiben sollte (5Mo 27,3; vgl. Jer 30,2), daß er die Worte des Gesetzes vollständig (w. bis zu ihrer Vollständigkeit) in ein Buch schrieb (5Mo 31,24), dann enthält diese Schrift nichts anderes als die vollständige Offenbarung Gottes an Mose.

Die Ehrfurcht vor dem heiligen Wort der Gottesoffenbarung wird bestärkt, wenn wir uns die Haltung unseres Herrn Jesus Christus zur Heiligen Schrift des AT vor Augen halten. Nicht nur bestätigt Er mehrfach, daß es Gott war, der durch Mose, Jesaja und andere Werkzeuge geredet hat, und führt Schriftstellen als Gottes Wort an, sondern Er bestätigt auch, daß die Schrift bis aufs Wort, ja bis auf ein Jota inspiriert und gültig ist: “Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist” (Mt 5,18).

Wenn wir mehrfach in der Schrift ermahnt werden, von ihren Worten nichts wegzunehmen und nichts hinzuzufügen, dann muß die Schrift in ihrem Umfang bis aufs Wort von Gott eingegeben sein (vgl. 5Mo 4,2; Offb 22,18-19).

Die Bibel ist also vollständig und vollkommen Gottes Wort und nicht zugleich auch Menschenwort, wie heute manche ins Gewand falscher “Demut” gekleidete evangelikale Theologen behaupten. Das finden wir ausdrücklich in der Bibel selbst bestätigt: Darum danken wir auch Gott unablässig, daß ihr, als ihr das von uns verkündigte Wort Gottes empfangen habt, es nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das auch wirksam ist in euch, die ihr gläubig seid” (1Th 2,13). Der echte, wiedergeborene Gläubige wird daran erkannt, daß er die Heilige Schrift einfältig und ohne Vorbehalte als inspiriertes Gotteswort anerkennt und nicht als (notwendigerweise fehlerhaftes) Menschenwort.

Die Bibel hat keine Fehler und Irrtümer an sich, sondern die Fehler und Irrtümer liegen auf der Seite ihrer Kritiker, die ihren eigenen Verstand höher einstufen als das Offenbarungswort Gottes. Die Bibel ist in allem irrtumslos und frei von menschlichen Beimischungen. Daß es Stellen in ihr gibt, an denen der begrenzte menschliche Verstand Mühe hat, dies nachzuvollziehen, ist von Gott zugelassen, damit Er die Herzen prüfen kann, wie sie zu Ihm und Seinem Wort stehen – ob sie sich wirklich unter das Wort beugen oder sich darüber erheben.

Die göttliche Inspiration der Schrift in den Originalhandschriften wird ergänzt durch die göttliche Bewahrung des Wortes in getreuen Abschriften durch alle Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte (vgl. Ps 12,7-8; Ps 119,52; Mt 24,35; 1Petr 1,21). Gott hat dafür gesorgt, daß Sein Wort vollständig und unverfälscht überliefert und bewahrt wurde, so daß wir es heute als Gottes Wort lesen dürfen. (Zu dieser Frage vgl. die Schrift des Verfassers: “Der zuverlässige Text des Neuen Testaments”.)

 

Die Heilige Schrift ist Offenbarung Gottes an die Menschen, nicht Verhüllung

 

Der Sinn der Worte, die Gott zu den Menschen redet, ist zwar dem Nichtwiedergeborenen im wesentlichen verborgen und unverständlich; einem wiedergeborenen Gläubigen jedoch, der durch den Heiligen Geist gelehrt ist, ist der Sinn der Worte Gottes im wesentlichen klar und offenbar.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, daß je ein Gläubiger die Bedeutung dieser herrlichen, reichen Offenbarung völlig erkennen oder ausschöpfen könnte. Es wird auch immer ein geistliches Wachsen in der Schrifterkenntnis geben; immer wieder erschließen sich dem gottesfürchtigen Gläubigen, der eifrig in der Schrift forscht, neue Dimensionen des Verständnisses. Und doch gilt das Selbstzeugnis der Schrift aus Spr 8,8-9: Alle Reden meines Mundes sind gerecht [od. richtig, aufrichtig], es ist nichts Verkehrtes noch Verdrehtes darin. Den Verständigen sind sie alle klar, und wer Erkenntnis sucht, findet sie richtig”.

Mit anderen Worten: Gott meint, was Er in Seinem Wort sagt. Es gibt nicht, wie in den Schriften der dämonischen Religionen, irgendwelche “verborgenen”, esoterischen Bedeutungen, die nur dem “Eingeweihten”, “Erleuchteten” bekannt wären. Dort, wo das Wort Gottes in Bildern und übertragenen Bedeutungen redet, ist dies in der Regel ohne weiteres erkennbar. Für solche Symbole oder typische (vorbildhafte) Bedeutungen liefert die Schrift selbst in der Regel die Auslegung.

Es ist unzweifelhaft so, daß der Heilige Geist Gläubigen bestimmte Erkenntnisse der Schrift besonders beleuchten und tiefer klar machen kann und will (vgl. Ps 119,130; Eph 1,17-19) – aber die Schrift läßt keine Umdeutung durch “Offen-barungserkenntnisse” zu, die ihr willkürlich einen anderen Sinn unterschieben und durch betrügerisches Geisterwirken zustandegekommen sind (1Tim 4,1). Dagegen gilt die Grundregel “Schrift muß durch Schrift ausgelegt werden”, d. h. die verschiedenen Offenbarungen Gottes über einen Gegenstand ergänzen und erschließen sich gegenseitig zu einem vollständigen, klaren Bild.

Dort aber, wo Gott sich auf Andeutungen und Bruchstücke der Erkenntnis beschränkt, muß der verantwortliche Ausleger der Schrift sich von willkürlichen und selbsterdachten Schlußfolgerungen zurückhalten und das Geheimnis sein lassen, was nach Gottes Willen Geheimnis bleiben soll.

 

Die Heilige Schrift ist eine fortschreitende Offenbarung,
die ihre Vollendung in Christus und der Lehre des Christus findet

 

Auch wenn alle Schrift von Gott eingegeben und Wort Gottes ist, so erkennen wir doch ein klares Fortschreiten, eine planmäßige Entwicklung in Gottes Offenbarung von sich selbst und Seinem Heilshandeln. Im Fortschreiten der Heilsgeschichte enthüllte Gott immer mehr von Seinem Wesen und von Seinem göttlichen Heilsplan. Das Wort Gottes selbst zeigt uns, daß es in diesem Fortschreiten einen entscheidenden Wende- und Zielpunkt gibt: Jesus Christus.

“Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat er eingesetzt zum Erben von allem, durch ihn hat er auch die Welten geschaffen; dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens und trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft (…)” (Hebr 1,1-3)

Wir dürfen also die Heilige Schrift in gewisser Weise einteilen in eine vorbereitende, teilweise, in vielem noch andeutende, vorbildhaft ausgedrückte Offenbarung in den Propheten des Alten Testaments und in die erfüllende, tiefer enthüllende, klare Volloffenbarung in Christus – das Neue Testament. Diese Volloffenbarung in Seinem Sohn ist der Abschluß von Gottes Offenbarungshandeln, bis dieses Zeitalter beendet ist und Jesus Christus wiederkommt, um das Zeitalter des Tausendjährigen Reiches einzuleiten.

Unser Herr Jesus Christus ist selbst die vollkommene Offenbarung Gottes – “Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen” (Joh 14,9). Er ist “das Ebenbild des unsichtbaren Gottes” (Kol 1,15). Darüber hinaus ist das Wort des Christus, die “Lehre des Christus” (2Joh 9) die Vervollkommnung und Vervollständigung dessen, was Gott uns über sich und Seinen Heilsplan mitteilen wollte. Dieses Wort des Christus ist jedoch selbst noch einmal in zwei Abschnitte der Offenbarung des Christus eingeteilt.

In der Zeit Seines irdischen Wirkens konnte der Herr Jesus Christus den Juden und selbst Seinen Jüngern nicht alles mitteilen, was Er ihnen offenbaren wollte, denn sie hatten noch nicht das geistliche Verständnis dafür. Deshalb kündigt Er ihnen an, daß sie die vollständige Christusoffenbarung erst nach dem Kommen des Heiligen Geistes empfangen würden:

“Noch vieles hätte ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen” (Joh 16,12-14; vgl. Joh 3,12).

So finden wir die vollständige Offenbarung des Geheimnisses der Gemeinde, die göttlichen Richtlinien für ihren Aufbau und ihren Dienst erst in den Lehrbriefen des NT. Auch die Erläuterung des Heilsratschlusses Gottes, die himmlische Stellung des Christus und Seiner Gemeinde nach der Auferstehung und Verherrlichung des Herrn finden wir erst in den Briefen geoffenbart. Hier setzt der Herr Jesus Christus durch Seine Apostel und Propheten die “Lehre des Christus” fort und vervollständigt auf höchster Ebene, was Er in Seiner Erdenzeit begonnen hatte.

Für die Gemeinde ist daher die Lehre der Apostel und Propheten die unmittelbar verbindliche Richtschnur des Handelns (vgl. Apg 2,42), so wie die Evangelien das Zeugnis von Jesus Christus als dem Sohn Gottes und Messias Israels geben und Sein vollkommenes Sühnopfer in Kreuzestod und Auferstehung bezeugen, während die Schriften des AT ihr als Vorbild zur Belehrung und Ermahnung dienen (vgl. 1Kor 10,1-13; Röm 15,4).

 

 

Auszug aus der Broschüre Die Heilige Schrift – Gottes vollkommene Offenbarung

 

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